Zwischen Frauenquote und Technik-Gen Lesermeinungen zum Frauenmangel in der Technik

»Ich lehne es als Physikerin ab, dass explizit Werbung für Frauen für technische Berufsrichtungen gemacht wird.«

Eine Leserin

Sie fragen, warum - trotz aller Werbung - nicht mehr Frauen Elektrotechnik studieren? Nun ja, mich wundert das nicht wirklich. Ich selbst bin Frau und habe Physik studiert - eine sehr ähnliche Thematik, möchte ich behaupten. Außerdem bin ich in der Kommunikationbranche tätig, wo ein nicht unerheblicher Teil der Kollegen ja aus der Elektrotechnik stammt.

Zugegeben, mein Wechsel von Studium (und Promotion) in die Industrie liegt schon ein paar Jahre zurück und es mag sich da manches verbessert haben, aber eine 180-Grad-Wendung, dass inzwischen Frauen in diesen Berufen gerne eingestellt würden, kann ich nicht sehen - auch wenn dieses durch das Bewerben »Frauen in Naturwissenschaften und Technik!« suggeriert wird.

Ich bin bei meiner Einstellung damals bei einem großen Unternehmen - man darf es eigentlich gar nicht sagen - tatsächlich gefragt worden: »Sie wollen aber schon im Beruf bleiben?« Worauf diese Frage zielt, und dass sie einem Mann bestimmt nicht gestellt wird, weiß frau ja. Als ich dann im Unternehmen war, gab es bei der täglichen Arbeit keine Probleme bzgl. »Frau«.

Ich habe allerdings immer wieder festgestellt (auch bereits im Studium), dass diese Berufe (Naturwissenschaften, speziell Physik, und Ingenieurwissenschaften) nichts für Leute sind, die (nur) die mathematischen, technischen Begabungen haben, die man eben für das Studium braucht. Es braucht auch wirklich ein tiefergehendes Interesse - besser noch Passion - für diese Richtung, um wirklich gut zu sein/zu werden (und damit gebraucht zu werden) und um wenigstens einigermaßen glücklich in diesen Berufen zu werden. - Egal ob Mann oder Frau.

Physik und Ingenieurwissenschaften sind keine Fächer, die man einfach studiert, weil man die dazu nötigen geistigen Fähigkeiten hat und der Markt gerade Stellen zu bieten hat.

Ich persönlich als Frau lehne es daher auch ab, explizit Werbung für Frauen für diese Berufsrichtungen zu machen. Wer in der Richtung seine Berufung sieht oder nur »drauf kommen« muss, ja! Aber nur weil die Fähigkeiten und (angeblich) freie Stellen existieren - nein!

Warum aber fühlen sich so wenige Frauen dafür berufen?

Die technischen und naturwissenschaftlichen Berufe erfordern (so, wie sie gelebt werden!) einen extrem hohen Grad an Spezialisierung/Fixierung auf eben diese Richtung. Frauen richten sich aber eher breiter aus - schon in »grauer Vorzeit« um Kinder großzuziehen, musste man einfach alle Aspekte berücksichtigen, egal, ob Sicherheit oder Ernährung oder Kleidung oder Ausbildung der Kinder oder auch das eigene Überleben,  ohne das die Kinder nicht überleben oder oder oder. Selbst, wenn man dann vielleicht einige Aspekte delegiert, im Blick haben muß man sie trotzdem. Und heute? Natürlich gibt es Frauen, die einfach "nur" ihr Berufsleben haben, aber die meisten wollen zum Glück doch auch Familie und Kinder.

Verstehen Sie mich nicht falsch auch mit Kindern ist das Arbeiten in solchen Berufen erfolgreich möglich. Aber es ist eben schwierig, zumal diese Berufsrichtungen eben einfach immer noch nicht dahingehend gelebt werden.