Zwischen Frauenquote und Technik-Gen Lesermeinungen zum Frauenmangel in der Technik

»Mangel an Vorbildern und eine unterschiedliche Interessenslage«

Leser B.K.

Ich möchte zwei  Hauptgründe anführen, warum nicht mehr Frauen Elektrotechnik studieren. Eins vorweg: Diese Gründe gebe ich nicht aufgrund wissenschaftlicher Untersuchungen, sondern rein aufgrund meiner subjektiven Erfahrung. Sie sind also durchaus anfechtbar.

Hauptgrund Nr. 1: Mangel an Vorbildern

Während viele Väter oder männliche Bekannte/Verwandte einen ansprechenden Ingenieursberuf ausüben und als solche für die Söhne als Vorbilder dienen, gibt es wenig weibliche Vorbilder für die Töchter. Es gibt im engeren Umfeld wenige Frauen, die erzählen können, wie gut es ihnen in ihrem Ingenieursberuf gefällt, wie weit sie es dort bringen können, was sie besonders an ihrer Arbeit fasziniert. 

Das wird sich in Deutschland kurzfristig nicht ändern können. Ich habe im Rahmen meiner Arbeit eine Frau kennen gelernt, die begeistert Elektrotechnik studiert hat. Als sie sich nach dem absolvierten Studium bewarb, bekam sie eine Absage nach der anderen. Man sagte ihr, ihre Einstellung wäre zu riskant. Wenn sie mitten in der Projektphase schwanger werden würde, dann würde sie längere Zeit ausfallen und der Projekterfolg wäre dann stark gefährdet. Darüber hinaus nähme sie zudem sehr viel Wissen mit in den »Schwangerschaftsurlaub«. Wissen, das der Firma daraufhin fehlen würde.

Manche Chefs gehen sogar soweit, zu behaupten, dass eine junge Ingenieurin den männlichen Kollegen den Kopf verdrehen würde, ein weiterer Grund, warum grundsätzlich keine Frau eingestellt werden sollte.

Dem letzten Argument blicke ich ganz gelassen entgegen, denn daraus spricht vor allem die Gewohnheit, es nicht anders zu kennen. Und die Unvernunft, denn gleichzeitig stellen dieselben Chefs weibliche Sekretärinnen ein.

Allerdings dem Argument gegenüber der Schwangerschaft kann nur eine politische Veränderung beikommen. Wenn wir endlich mehr Grippenplätze hätten, für unsere französischen Nachbarn eine Selbstverständlichkeit, dann ist eine Schwangerschaft kein Grund für einen längeren Ausfall bei der Arbeit.

Hauptgrund Nr. 2: Unterschiedliche Interessenslage

Es gibt sie in der Tat, die unterschiedliche Interessenslage. Wenn man es pauschalieren wollte, könnte man sagen: Männer interessieren sich für Technikspielzeug, Frauen für Kommunikation. Ein Indiz dafür: Schauen Sie sich mal in einem typischen Physikhörsaal um. Sie werden wenige Frauen finden. Wenn Sie sich aber einen internationalen Studiengang in Physik ansehen, wie z. B. den zwischen der Uni Saarbrücken, der Uni Luxembourg und der Uni Nancy, dann werden Sie feststellen, dass der Frauenanteil bei 50% und darüber liegen kann. In meinem Studiengang in Elektrotechnik zwischen Metz und Saarbrücken waren immerhin ein Drittel aller Studierenden weiblich.

Eine weitere Erfahrung, die ich leider machen durfte: Von den Frauen in meinem Studiengang waren sich einige nach einer Zeit klar darüber, das falsche Studium gewählt zu haben. Elektrotechnik war einfach zu weit weg von ihrer eigenen Interessenslage.

Das kann, muss aber nicht passieren. Wenn ich heute den Mechatronik-Kurs in der Saarländischen Schülerakademie betreue, achte ich darauf, Frauen nicht beschwatzen zu wollen, wie toll Elektrotechnik/Mechatronik sein kann. Ich bin froh, dass sie in meinem Kurs sind, und möchte, dass sie selbst für sich herausfinden, ob das etwas für sie ist oder nicht. Ziel in solchen Kursen muss meiner Meinung nach neben der reinen Wissens- und Kompetenzvermittlung sein, dass die Schüler etwas über sich herausfinden. Und zwar ganz entspannt und ergebnisoffen.