Nachfolgeregelung Innovationstreiber sind unbekannt

Die digitale Transformation fordert neue Geschäftsmodelle und eine neue Denke im Unternehmen. Doch bei der Nachfolgeregelung werden Innovationstreiber aus den eigenen Reihe ignoriert.

Das Wissen um digitale Prozesse und Geschäftsmodelle gewinnt in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung. Doch deutsche Unternehmen berücksichtigen diese Expertise bei der Nachfolgeplanung kaum.

Nur vier von zehn Unternehmen achten bei der Neubesetzung von Vakanzen auf Kompetenzen, die dem digitalen Wandel Rechnung tragen, wie etwa IT-Affinität oder das Interesse an Innovationen. Selbst wenn die Digitalisierung einen relevanten Baustein der Unternehmensstrategie darstellt, ist das keine Garantie dafür, dass die notwendigen Digital-Kompetenzen für den Wandel bei der Nachfolgeplanung berücksichtigt werden. Nur knapp die Hälfte der Konzepte zur Besetzung von Vakanzen ist mit langfristigen Unternehmensstrategien abgestimmt. Zu diesem Ergebnis kommt  die Studie "Strategische Nachfolgeplanung" der Personalberatung InterSearch Executive Consultants, für die mehr als 200 Vorstände, Geschäftsführer und Personalverantwortliche von deutschen Unternehmen ab 250 Mitarbeitern im Januar 2016 befragt wurden.

Je nach Branche ist der digitale Wandel zwar unterschiedlich weit fortgeschritten. Klar ist aber: Ihm entziehen kann sich kein Unternehmen. Um die digitale Transformation des eigenen Unternehmens intern voranzutreiben, fehle es aber vielerorts an Expertise in den obersten Managementetagen.  Eine ganzheitliche strategische Nachfolgeplanung könnte den Missstand zumindest in Teilen beheben, meinen die Autoren. Diese hat aber nicht einmal ein Viertel der Unternehmen überhaupt integriert. Auch von den Unternehmen, die sich strategisch mit der Neubesetzung vakanter Schlüsselpositionen auseinandersetzen, vernachlässigt ein Großteil das interne Potenzial.

Kompetenzen weitgehend unbekannt

„Selbst wenn es im Unternehmen digitale Fachleute mit Managementqualitäten gibt, werden diese in vielen Fällen schlicht übersehen", sagt Thomas Bockholdt, Managing Partner von InterSearch Executive Consultants. Ein Grund: Nur ein Viertel der Firmen schaut auch auf die dritte Führungsebene und Expertenfunktionen. 

„Gerade junge Talente mit wertvollem Know-how zur Digitalisierung sitzen oft genau hier", so Bockholdt. Zudem verfügen Mitarbeiter aus diesen Teilen der Organisation eher über die Offenheit, mit unverstelltem Blick bestehende Geschäftsmodelle zu hinterfragen und althergebrachte Strukturen aufzubrechen. 

Auch sonst haben Unternehmen, wenn es um die Besetzung offener Top-Positionen geht, relevante Faktoren, die die eigene Digitalisierung befördern, oft nicht auf dem Radar. So sind Innovationstreiber nur in jedem dritten Unternehmen bekannt. Gerade diese visionären Köpfe könnten den zukunftsfähigen Wandel des Unternehmens beschleunigen und es so fit für die digitale Zukunft machen. Zeitgemäße Instrumente sind für die effektive Suche nach dem idealen Nachfolger auch deshalb essentiell. Doch diese bleiben häufig ungenutzt. Diagnostische Verfahren zur Überprüfung der Eignung wie Potenzialanalysen sowie eine IT-Unterstützung werden von weit weniger als der Hälfte der Unternehmen eingesetzt.