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Wie soll es nach dem Examen weitergehen? Lohnt sich ein Abstecher ins Ausland? Diese und andere Fragen rund um den Beruf und die Karriere beantwortet – ja, wer eigentlich? Und wo bekommen Studierende und Professionals nützliche Tipps und Berufswegweiser für möglichst kleines Geld?

Es soll tatsächlich Mittzwanziger kurz vor dem Examen geben, die noch keinen blassen Schimmer haben, was sie mit ihrem Ingenieurszeugnis anfangen wollen. »Im Ernst«, versichert Claudia Mertens von der Fachhochschule Ostwestfalen-Lippe, »das sind gar nicht mal die Dreierkandidaten. Gerade die Überflieger interessieren sich oft für sehr viele Dinge und haben Praktika bei diversen Firmen und in unterschiedlichen Bereichen gemacht. Wenn die nicht frühzeitig von einer Firma eingefangen werden oder weiter studieren wollen, stehen sie ein paar Tage nach dem Abschluss vor unserer Tür und fragen: Und jetzt? Was soll ich machen?«

Die Studentenberatungsstellen an Unis und Fachhochschulen sind auf knifflige Fragen eingerichtet. Richtiger: Darauf sollten sie eingerichtet sein. Manche dienstleisten tatsächlich mit fachkundigem Personal und großem Engagement, wie beispielsweise die Uni in Münster und die RWTH in Aachen, die Mehrzahl allerdings dilettiert mit studentischen Hilfskräften und auch das offenbar nur, weil diese Services bei der Akkreditierung von Hochschulen und Studiengängen eine Rolle spielen. Nur um es in Erinnerung zu rufen: Seit der Bologna-Reform sollen die Studierenden eigentlich als »Kunden« der Hochschule betrachtet und behandelt werden. Schon eine kleine Stichprobe deutet allerdings darauf hin, dass häufiger die Kunden-Definition der Arbeitsagenturen das akademische Nachwuchsförderfeld beherrscht.

Mogelpackung »Career Center«

Vielfach ist schon der Name eine Mogelpackung. Nach ihren Vorbildern an den Business Schools nennen sich die Beratungsstellen zwar schick »Career Center«. Doch wer konkrete Tipps und Hinweise zum Einstieg in die für ihn oder sie richtige Karrierelaufbahn erwartet, wird oft enttäuscht. Ist es besser, in einem Kleinbetrieb oder bei einem Konzern zu beginnen? Gängige Antwort: »Das müssen Sie für sich entscheiden.« Lieber in einer Spezialistenfunktion oder als Allrounder starten? »Das kommt darauf an.« Ellenbogen zeigen oder Geschmeidigkeit an den Tag legen?

»Je, nun…« Vielerorts, klagen mehr und mehr Studierende, gleiche die versprochene Beratung einem Lockvogelangebot. Etwa wie beim Immobilienmakler: Anstelle einer individuellen Beratung bekäme man Stellenausschreibungen und Infomaterial über lokale und überörtliche Firmen in die Hand gedrückt. »Schauen Sie mal, was es dort alles gibt.«

Not kennt kein Gebot. Der Fachkräftemangel treibt die Recruiter in Scharen an Universitäten und Fachhochschulen, wo sie in Hundertergebinden ihre Werbebroschüren zurücklassen. Allein einen qualifizierten Berater zu finden, der einen Arbeitgeber tatsächlich aus eigener Anschauung kenne, sei Glückssache, murren Studierende in Köln, Hamburg und Darmstadt. Geschweige denn einen Arbeitsmarktexperten, der sich eine Stunde lang ernsthaft mit den Zukunftsvorstellungen eines Jungingenieurs auseinandersetzt und bei Bedarf zum Wiederkommen auffordert.

Das ist – alles hat zwei Seiten – gleichzeitig die gute Nachricht. Denn über suchende Unternehmen und freie Stellen wissen die »Career Center« bemerkenswert gut Bescheid – wenngleich in den einzelnen Fachbereichen natürlich noch erschöpfendere Auskünfte zu erhalten sind. Viele Hochschulen veröffentlichen neu herein kommende Angebote sogar auf ihrer Webseite, was den Gang zur hochschuleigenen Stellenvermittlung ohnedies obsolet macht. Zum Glück, denn wirklich kundenfreundlich sind die kurzen Öffnungszeiten wie zum Beispiel an der TU Berlin, »Sprechzeiten Montag und Mittwoch 10 bis 14 Uhr«, nicht.