Arbeitgeberkommunikation Hier twittert der Chef

Alexander Schön ist Manager HR Marketing & Recruiting Services bei der Phoenix Contact Gruppe.
Alexander Schön ist Manager HR Marketing & Recruiting Services bei der Phoenix Contact Gruppe.

Phoenix Contact tummelt sich zwar auf (fast) allen Social-Media-Kanälen, um Bewerber für sich zu gewinnen, macht aber nicht jeden sog. »Trend« mit. Ein Gespräch mit Alexander Schön, Manager HR Marketing & Recruiting Services über die Personalmarketing-Strategie der Phoenix Contact Gruppe.

Herr Schön, welche Recruiting-Trends beobachten Sie aktuell am Markt und setzen Sie für Phoenix Contact um?

Alexander Schön: Da ist zum einen das Thema »Candidate Experience«, das ich für sehr wichtig halte und das wir sehr ernst nehmen. Damit ist ein für den Bewerber schneller, nachvollziehbarer und auch angenehmer Kontakt entlang des gesamten Recruiting-Prozesses zum Unternehmen gemeint. Denn was nützt es, wenn es gelingt, viele Bewerber über alle möglichen Kanäle anzusprechen, dann aber ein Großteil wieder abspringt, weil die Prozesse intern nicht stimmen? Etwa wenn die Bewerbung zu lange liegt, der Kandidaten keine Rückmeldung bekommt, sich gar Fachabteilung und HR-Abteilung nicht einig sind oder nicht aus einem Mund sprechen. Oder - im worst case - Erwartungen geweckt werden, die nicht zu halten sind. Wir nehmen das sehr ernst und haben lange daran gearbeitet, hier gute, exzellente und stimmige Prozesse zu haben, was das Zusammenspiel aus HR-Marketing, also der Vorstufe der Bewerbung, und dann dem nachgelagerten Recruiting-Prozess betrifft.  

Der zweite Trend, den wir beobachten, ist Mobile Recruiting, ein heißes Thema in HR-Kreisen. Er basiert auf der richtigen Annahme, dass sich Bewerber verstärkt über mobile Geräte informieren und auch bewerben wollen. Aber es geht vor allem darum, unnötige Barrikaden abzubauen, es dem Bewerber so einfach wie möglich zu machen: keine unnötig langen Assessment-Tools, keine bürokratischen Hürden, keine Stolperfallen. Der Kontakt zum Unternehmen sollte einfach sein: Bewerbung über die Xing-Schnittstelle beispielsweise, in dem man dem Unternehmen seine Daten freigibt. Ob sich die Kandidaten aber auch tatsächlich aus der S-Bahn heraus bewerben wollen, Zeugnisse hochladen etc.? Das glauben wir eher nicht und unsere eigenen Marktanalysen und Erfahrungen (über QR-Codes zum Beispiel) unterstützen diese Annahme, dass ein Bewerbungstool fürs Smartphone nicht in dem Maße genutzt wird, wie ursprünglich gedacht. Informationen sammeln in der Bahn? Ja. Aber die Bewerbung wird zumeist noch zuhause zusammengestellt und abgeschickt.

Sie nutzen praktisch alle möglichen Social-Media-Kanäle außer Pinterest und Google+. Welcher Kanal ist der erfolgreichste?

Das auf den Bewerbungseingang zu spiegeln und zu messen ist nicht ganz einfach. Was wir feststellen ist, dass die Reaktion auf einen auf Twitter geposteten Job und die tatsächliche Bewerbung sehr oft zeitlich weit auseinander liegen. Wir nutzen Facebook für unser Ausbildungsmarketing, Xing für Stellenausschreibungen und Fachdiskussionen, das Echtzeitmedium Twitter für Job-Postings und Veranstaltungshinweise. Außerdem ermutigen wir unsere Mitarbeiter, über Ihren Joballtag fachlich und persönlich zu twittern. So wie unsere Mitarbeiter @frankundfrank, sie twittern als Profis für den effizienten Einsatz von Energie und als E-Mobility-Experten. Selbst die Geschäftsführung twittert mittlerweile, Geschäftsführer Roland Bent macht so transparent, was ein Geschäftsführer für Aufgaben bewältigt und gibt spannende Einblicke in die Management-Welt von Phoenix Contact.

Auch Youtube nutzen wir erfolgreich, haben inzwischen an die 500 Videos zu den unterschiedlichsten Themen, HR, Produkte, Erklär-Videos oder Messeberichte.

Drehen Sie die selbst?

Ja, wir haben dazu ein eigenes Studio samt Equipment und Kamerateam.

Was halten Sie von Angeboten wie Whatchado, die dazu noch eine Matching-Funktion bieten?

Ich finde die Idee von Whatchado sehr gut, um Informationen über sein Unternehmen zu geben und Unternehmenskultur darzustellen. Über die Matching-Funktion werden passende Arbeitgeber präsentiert, all das in lockerer, abgespeckter Form. In die Richtung arbeiten wir auch, weg vom »Hochglanz-Format« hin zur Handkamera, die wir aber selbst bedienen.

Außerdem haben wir jetzt zu Jahresbeginn einen Mitarbeiter-Blog gestartet, in dem diese sich vorstellen und damit unsere Unternehmenskultur erlebbar repräsentieren, ihren Alltag und ihren Job aus ihrer ganz eigenen Perspektive beschreiben können.