Einkommens-Studie der Hay Group Globalisierung treibt Einkommen auseinander

Veränderung der Verdienstunterschiede zwischen 2008 und 2014 laut Datenbank PayNet der Hay Group.
Veränderung der Verdienstunterschiede zwischen 2008 und 2014 laut Datenbank PayNet der Hay Group.

Führungskräfte bekommen global immer mehr, große Teile der Arbeiterschaft immer weniger Geld: Seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise zeichnet sich diese Entwicklung weltweit immer deutlicher ab. In Deutschland jedoch blieb die Einkommenslücke nahezu gleich. Warum?

Die Unternehmensberatung Hay Group hat für ihre aktuelle Studie die Gehälter und Löhne von 16 Millionen Mitarbeitern in 24.000 Unternehmen aus 110 Ländern ausgewertet. Die Daten für die Studie stammen aus der Gehaltsdatenbank Hay Group PayNet.

In Deutschland veränderte sich demnach die Einkommenslücke in den vergangenen sechs Jahren nur minimal: Lediglich um 0,3 Prozent stieg die Differenz zwischen den Einkommen von leitenden Angestellten und Arbeitern. Damit koppelte sich Deutschland vom weltweiten Trend ab. Denn in vielen Ländern vergrößerten sich die Gehaltsunterschiede seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise in 2008 (siehe Grafik).

»Seit 2008 beobachten wir bei den Gehaltserhöhungen zwischen den verschiedenen Mitarbeitergruppen kaum noch nennenswerte Unterschiede. Unter anderem haben die niedrige Inflationsrate, die Solidarität während der Krise sowie die Mitbestimmung bei Vergütungsthemen die Einkommenslücke in Deutschland stabil gehalten“, sagt Thomas Gruhle, Mitglied der Geschäftsleitung der Hay Group.

Besonders stark driften die Einkommen in Nordamerika auseinander: Um 7,2 Prozent vergrößerte sich die Einkommenslücke in den vergangenen sechs Jahren. In Europa stieg die Differenz zwischen den Einkommen von Führungskräften und Arbeitern im Durchschnitt nur um 2,2 Prozent. Innerhalb Europas vergrößerten sich die Gehaltsunterschiede am meisten in Portugal (11,9 Prozent), in Polen glichen sich die Einkommen am stärksten an (-12,8 Prozent).

Die unterschiedliche Entwicklung in den USA und Europa ist vor allem auf die verschiedenen Reaktionen auf die Krise seit 2008 zurückzuführen. Während viele europäische Unternehmen die Gehälter aller Mitarbeiter gekürzt und damit Arbeitsplätze gesichert haben, bauten zahlreiche Betriebe in Nordamerika Stellen ab und gaben den verbliebenen Mitarbeitern mehr Verantwortung – und mehr Gehalt. Dies hat die Schere bei den Einkommen weiter geöffnet, allein in den USA um 10,6 Prozent.

Generell gilt: Die Unternehmensstruktur und die Art der beschäftigten Arbeiter haben einen großen Einfluss darauf, wie weit die Gehälter und Löhne auseinanderliegen. Die Globalisierung hat jedoch das Auseinanderdriften stark beschleunigt. Die Folge: Vor allem Arbeitsplätze mit geringem Einkommen sind von einem globalisierten Arbeitsmarkt, einer stärkeren Automatisierung und der Verlagerung von Jobs ins Ausland betroffen. Immer mehr Menschen konkurrieren um immer weniger Arbeitsplätze. In der Folge verharren die Löhne in diesem Bereich auf einem niedrigen Niveau.

Im Gegensatz dazu sind die Gehälter von Führungskräften in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Leitende Angestellte verfügen über Fähigkeiten, die in einer globalisierten Welt gefragt sind: etwa emotionale Intelligenz, kreatives Denken und ganzheitliches Urteilsvermögen. Zudem haben viele Führungskräfte in einer Zeit steigender Anforderungen an Unternehmen mehr Verantwortung und komplexere Tätigkeiten übernommen.

»Wer hingegen seine Mitarbeiter über die Hintergründe der Vergütungspraxis informiert und sie in Trainings- und Entwicklungsprogrammen für zukünftige Herausforderungen qualifiziert, hat gute Chancen, sowohl Einkommensunterschiede im Rahmen zu halten, als auch das Engagement seiner Mitarbeiter zu erhöhen«, rät der Hay Group-Experte Thomas Gruhle.