Arbeitnehmerüberlassung und Werkverträge Externe Ingenieure sind immer stärker gefragt

Die Arbeit für einen Ingenieurdienstleister ist laut dem VDI für viele Ingenieure eine Alternative zur Festanstellung geworden. Sie bietet die Chance, vielfältige Projekterfahrungen zu sammeln und sich in verschiedenen Bereichen zu spezialisieren.
Die Arbeit für einen Ingenieurdienstleister ist für viele Ingenieure eine Alternative zur Festanstellung, wenngleich in der Regel schlechter bezahlt. Dafür bietet sich die Chance, vielfältige Projekterfahrungen zu sammeln. Und manchmal winkt sogar die Übernahme durch einen Auftraggeber.

Zeitarbeit ist sowohl Jobmotor als auch Arbeitsmarkttrend, externe Ingenieure in Arbeitnehmerüberlassung oder wechselnden Projekten sind gefragt. 64 Prozent der Unternehmen setzen sie derzeit schon ein. Noch 2010 waren es knapp 50 Prozent. Was ist mit Missbrauch?

Zeitarbeit ist ein Jobmotor. Personaldienstleister wie Randstadt, Hays oder Ferchau Engineering schreiben überproportional viele Stellen aus und bilden dabei einen großen Teil des ausgeschriebenen Angebots an Arbeitsplätzen, in immer stärkerem Maße auch für Ingenieure.

So ist ein Engineering-Dienstleister wie Brunel mittlerweile selbstverständlich auch auf der embedded world, Hannover Messe oder CeBIT, wo auch die Kunden ausstellen.

Aber noch gehören Automobilkonzerne zu den größten Nutznießern und Anwendern von externen Engineering-Dienstleistungen. Ingenieursarbeit wird hier immer stärker »portioniert«, um größere Aufgabenpakete als sog. »Work Packages« extern vergeben zu können.

Die Bereitschaft, diese Flexibilität zugunsten von Festanstellungen aufzugeben, war in der Vergangenheit vergleichsweise gering, aller Mahnungen etwa bezüglich Geheimhaltung oder IP-Schutz zum Trotz.

Doch nun will BMW weltweit über 8000 Mitarbeiter neu und unbefristet einstellen, darunter 5000 in Deutschland. Damit steigen auch die Chancen auf Übernahme von Ingenieuren in Arbeitnehmerüberlassung. Ist das ein Gegentrend?

Es sieht nicht so aus: Im Trend liegt weiterhin die externe Vergabe ganzer Auftragspakete. Laut Analyse von Lünendonk erwarteten 2014 87,5 Prozent der Anbieter von Technologie-Beratung und Engineering Services, dass die Vergabe von Work Packages gegenüber der Nachfrage nach einzelnen Experten stärker zunimmt.

Die häufigsten Vertragsformen im Engineering sind laut Lünendonk Werkverträge und Dienstverträge. Diese stehen für drei Viertel der Zusammenarbeit mit Kundenunternehmen. Etwa 23 Prozent der Umsätze werden mit Arbeitnehmerüberlassung, also Zeitarbeit, erzielt .

Laut einer neuen Studie »Flexible Arbeitswelten für Ingenieure?!« des Personaldienstleisters Hays unter 150 Unternehmen und 918 Ingenieuren spreche für den Einsatz Externer, dass Unternehmen mit ihnen Auftragsspitzen und Ressourcenengpässe überbrücken können (77 Prozent). Außerdem biete ihr Einsatz Unternehmen die Option, künftige Mitarbeiter kennenzulernen (63 Prozent). 

Trotz der wachsenden Bedeutung externer Ingenieure plane nur ein Drittel der Unternehmen ihren Einsatz unter strategischen Aspekten. Stattdessen reagiere die Mehrheit spontan auf aktuelle Marktentwicklungen oder gleiche Engpässe bei Personalkapazitäten und Know-how aus. Initiiert werde ihr Einsatz daher größtenteils direkt von den Fachabteilungen (85 Prozent).

Während freiberufliche Ingenieure größtenteils in Spezialprojekten eingesetzt würden (76 Prozent), erfüllten Ingenieure in Arbeitnehmerüberlassung meist Aufgaben im operativen Tagesgeschäft (62 Prozent). Als Hindernis gilt neben Sicherheitsbedenken die verlängerte Einarbeitungszeit.

Der Vorteil: »Externe Ingenieure erhöhen die Flexibilität von Unternehmen, um schnell auf veränderte Märkte reagieren zu können«, erläutert Markus Ley, Geschäftsführer der Hays Temp GmbH und in dieser Funktion verantwortlich für das Arbeitnehmerüberlassungsgeschäft von Hays. Gesetzliche Einschränkungen sieht er da nicht gerne: »Durch die immer enger werdenden rechtlichen Rahmenbedingungen werden diese zentralen Vorteile mehr und mehr verspielt, was die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft deutlich einschränkt«.

Mit »enger werdenden rechtlichen Rahmenbedingungen« meint Ley die Anstrengungen der Politik, zum Beispiel dem Missbrauch von Werkverträgen einen Riegel vorzuschieben. Denn es kommt vor, dass Werkverträge dazu benutzt werden, Lohndumping zu betreiben oder sich aus Tarifvereinbarungen zu mogeln. Da Werkverträge eingekauft werden und als Sachmittel gelten, sind Betriebsrat oder Gewerkschaft ausgehebelt.

Noch in diesem Jahr soll ein Gesetz für mehr Transparenz und gegen Missbrauch bei Leiharbeit und Werkverträgen erarbeitet werden, heißt es aus dem Arbeitsministerium von Andrea Nahles, Ziel sei es, Werkverträge ohne Missbrauch von Arbeitnehmerrechten sicherzustellen.