Ewige Flaute bei Elektroingenieurinnen? - »Wir wären noch schlechter dran«

Der Arbeitsmarkt für Elektroingenieure boomt. Die Arbeitslosenzahlen sind im Keller; liegen bei knapp über 2 Prozent. Nur Frauen scheinen auf der Erfolgswelle nicht mitschwimmen zu wollen. Ihr Anteil im Fach Elektrotechnik liegt seit 2002 relativ konstant bei 8 Prozent, nur jede 10. Studienanfängerin in Ingenieurswissenschaften wählt statt Architektur oder Bauingenieurwesen Elektrotechnik. Klingt wenig, ist es auch, aber immerhin eine Steigerung gegenüber allen Jahrgängen vorher. Warum?

Frau Prof. Ihsen, Ihr Fachgebiet gibt es nun drei Jahre. Was können Sie berichten? Bringen denn die ganzen Aktionen, mehr Frauen in Ingenieurberufe zu locken, überhaupt nichts?
Doch. Gäbe es die vielfältigen Anstrengungen wie »Roberta - Mädchen erobern Roboter«, »Girls’ Day« oder »Be.ing« nicht, wären wir noch schlechter dran, so einfach ist das. Der Girls’ Day zum Beispiel, den es seit 2001 gibt, hat erst in den letzten zwei, drei Jahren einen regelrechten Boom erfahren. Und wenn sich junge Frauen für einen technischen Beruf entscheiden, gehören sie häufig zu den Besten.
Aber man kann nicht von heute auf morgen Erfolge erwarten. Um ein gesellschaftliches Problem zu verändern, braucht es länger als fünf Jahre. Woran es vor allem noch hapert, ist die Koordination der verschiedenen Maßnahmen, hier müssen wir besser werden.

Gibt es denn Zahlen, die die Erfolge untermauern, die Sie beschreiben?
Ja, die gibt es. Etwa 650.000 Mädchen haben bisher am Girls’ Day teilgenommen. Jedes fünfte Unternehmen erhält mittlerweile Bewerbungen von jungen Frauen aufgrund des Mädchen-Zukunftstags. 8 Prozent der Unternehmen haben bereits ehemalige Girls’- Day-Teilnehmerinnen eingestellt – das ist viel angesichts der Tatsache, dass der Großteil der Mädchen noch recht jung ist.
1990 hat der erste Münchner- Mädchen-Technik-Tag statt gefunden, sozusagen die große Schwester vom Girls’ Day. 250 Mädchen hatten damals daran teilgenommen. Über 30 Prozent haben später Ingenieur- oder Naturwissenschaften studiert, davon gut die Hälfte Elektrotechnik, 94 Prozent sind nach wie vor erwerbstätig.