Gesundheitsmanagement Es mangelt an Wissen

Stress macht krank. Doch viele Mitarbeiter und Führungskräfte erkennen oft erst zu spät die Folgen. Ein neues Verbundprojekt mit Industriepartnern soll das ändern.

Arbeit ist anstrengend. Arbeit darf aber nicht krank machen. Doch die Belastungen nehmen laut Universität Duisburg-Essen zu. Auch die Metall- und Elektronindustrie ist betroffen. Ein neues Verbundprojekt soll Unternehmen und Mitarbeitern helfen.

Arbeit ist auch in den produzierenden Bereichen nicht mehr allein durch körperliche Beanspruchungen, sondern zunehmend durch Stress und psychische Erschöpfung geprägt. In der Metall- und Elektroindustrie etwa sind die Arbeitsunfähigkeitszeiten mittlerweile deutlich höher als im Durchschnitt der Erwerbstätigen; zudem erreichen knapp 22 % der Metaller den regulären Renteneintritt aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht.

Wissen wieder in die Unternehmen kriegen

Eine aktuelle Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) belegt, dass in der Industrie zwischen 27 und 34 % der Mitarbeiter durch Zeitdruck stark belastet sind. Zudem berichten etwa 43 % im Metallbereich/Maschinenbau und 47 % im Elektrobereich, dass sie ständig mit neuen Aufgaben konfrontiert werden. Hinzu komme, dass oft regelmäßig Überstunden anfallen und so weniger Zeit zur Erholung bleibt. Stressfolgen und Erschöpfungssymptome werden von Beschäftigten und Führungskräften somit erst oft viel zu spät erkannt.

Gleichzeitig sind in vielen Betrieben die belastungsreduzierenden Effekte etwa von Kurzpausen, von gesundheitsgerechten Schichtsystemen oder von regelmäßigen Tätigkeitswechseln nicht bekannt. „Dieses Wissen müssen wir wieder in die Unternehmen kriegen, und zwar auf Mitarbeiterebene wie auch auf Führungsebene und bei den Arbeitsschutzverantwortlichen“ erklärt Dr. Anja Gerlmaier, Arbeitspsychologin am Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE) und Projektkoordinatorin von INGEMO.

Ziel von INGEMO ist es, die betriebliche Gestaltungskompetenz zur Entwicklung und Förderung psychosozialer Gesundheitsressourcen in der Metall- und Elektroindustrie zu stärken. „Gemeinsam mit den Kooperationsunternehmen sollen die Möglichkeiten zur stressreduzierenden Arbeitsgestaltung in den Betrieben besser nutzbar gemacht werden. Dazu gehören auch Qualifizierungsmaßnahmen für Führungskräfte, Mitarbeitende und Arbeitsschutzfachleute bzw. Betriebsräte.“

Partner aus der Industrie gesucht 

Dieser neue, die Verhaltens-/Verhältnisebene übergreifende kooperative Präventionsansatz wird gemeinsam erarbeitet – vom IAQ , der ffw GmbH - Gesellschaft für Personal- und Organisationsentwicklung (Nürnberg) als wissenschaftliche Verbundpartner sowie den Deutschen Edelstahlwerken (Witten) und der Bühler Motor GmbH (Nürnberg) als betriebliche Verbundpartner sowie weiteren Umsetzungspartnern.

Geplant ist außerdem eine themenbezogene Branchenallianz. Unternehmen, die Interesse an den Ergebnissen und Instrumenten sowie guten Praxislösungen haben, sind eingeladen sich daran zu beteiligen.