Neues VDE-Informationspapier Elektroingenieure in Arbeitnehmerüberlassung: Luft nach oben

Differenziert nach Berufsordnungen fehlten laut VDI/IW mit 36.300 Personen am meisten Maschinen- und Fahrzeugbauingenieure. Die zweitgrößte Lücke bestehe bei Elektroingenieuren mit 21.600 Personen. Regional seien vor allem Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen betroffen.
Insgesamt arbeiten erst rund 10.000 Elektroingenieure als Externe oder in Arbeitnehmerüberlassung beim OEM. Doch die Elektronik ist für Entwicklungsdienstleister ein attraktives und stark wachsendes Geschäftsfeld.

Entsendung durch Engineering Dienstleister (EDL) und Arbeitnehmerüberlassung (AÜ) spielen in der Arbeit von Elektroingenieuren eine noch vergleichsweise kleine Rolle.Mit stark steigender Tendenz. Wie viele Elektroingenieure werden jetzt schon über Zeitarbeitsfirmen vermittelt?

Dr. Michael Schanz und Thomas Hegger vom VDE-Ausschuss »Beruf, Gesellschaft und Technik« haben das Positionspapier erstellt, basierend auf Expertenaussagen des VDE-Ausschusses »Beruf, Gesellschaft und Technik«, externen Quellen und Studien sowie VDE-eigenen Untersuchungen.

Noch arbeiten mit 0,9 Prozent nur ein geringer Teil der Elektroingenieure in Arbeitnehmerüberlassung. 1,8 Prozent werden von einem Entwicklungsdienstleister zum Kunden entsandt. Insgesamt sind es rund 10.000 Elektroingenieure, die entsandt oder in Arbeitnehmerüberlassung beschäftigt sind.

7 Prozent der Fachhochschulabsolventen der Elektrotechnik waren nach Studienabschluss schon einmal als Leiharbeiter oder Zeitarbeiter beschäftigt. Zum Vergleich: In Maschinenbau und Verfahrenstechnik liegt dieser Anteil bei 13 Prozent, dort ist Leih- und Zeitarbeit bereits etabliert. Getrieben wird das vor allem durch die Automobilindustrie.

In der (Embedded-) Elektronik und Software-Entwicklung habe diese Arbeitsteilung erst ab Ende der 90er Jahre eingesetzt, so die Autoren. 75 Prozent der Kunden kommen aus dem Automobilsektor, Luft- und Raumfahrt und Verteidigung.

Der oft mittelständisch geprägte Maschinen- und Anlagenbau sowie Hochtechnologiebranchen wie Mikroelektronik setzten weit weniger auf Ingenieursdienstleistung. Grund sei der Know-How-Vorsprung und die technische Kernkompetenz, die man »unbedingt sichern« wolle.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass das Arbeiten bei einem Entwicklungsdienstleister für Elektroingenieure erst in den Anfängen ist – aber mit stark steigendem Anteil. Denn Entwicklungsdienstleister wachsen seit Jahren überproportional stark, vor allem in Elektronik und IKT.

Der VDE hat die Vor- und Nachteile identifiziert, die das Arbeiten bei einem EDL mit sich bringen kann. So seien die Gehälter in der Regel niedriger als beim entleihenden OEM. Am niedrigsten sind die Gehälter in Zeitarbeit. Auch die allgemeine Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz ist niedriger, die Arbeit wird teilweise als monotoner empfunden als die der festangestellten Kollegen. In den Genuss von flexiblen Arbeitszeiten oder Bonuszahlungen kommen nur die OEM-Kollegen, nicht die externen.

Aber es gibt auch Vorteile: Bei Entwicklungsdienstleistern werden mehr Führungspositionen für Ingenieure geschaffen, dafür wird vergleichsweise weniger Berufserfahrung als beim OEM gefordert. Teilweise seien die Karrierechancen besser als beim Kunden, vor allem große Entwicklungsdienstleister böten eine Vielfalt an Entwicklungsmöglichkeiten im eigenen Unternehmen: Projektmanagement, Vertrieb, Leistungsfunktionen bis zum Niederlassungsleiter. Somit sei man mit dem Kunden auf Augenhöhe, was Arbeitsplatzsicherheit betrifft, diese bezeichnen die Autoren als »relativ groß«. So sei das Verhältnis aus unbefristeten und befristeten Arbeitsverhältnissen beim EDL im Vergleich zu großen Unternehmen ähnlich.

In der Elektronikentwicklung ist das Arbeiten bei einem EDL für Ingenieure Elektrotechnik / Informationstechnik im Gegensatz zu Maschinenbauingenieuren also ein jüngeres Beschäftigungsmodell. Dabei ist die Tendenz steigend, da eine immer höhere Nachfrage auf Seiten der Kunden besteht. In anderen Branchen wie beispielsweise der IKT oder der Automatisierung, in denen auch Elektroingenieure tätig sind, ist diese Arbeitsweise etabliert.

Zur Altersstruktur der Mitarbeiter beim EDL: Der Anteil der jungen Ingenieure bis 30 Jahre beträgt rund dreißig Prozent. 44 Prozent liegen im mittleren Alterssegment. Ab 55 liegt der Anteil nur noch bei 7,5 Prozent.