Start Up Der Programmier-Barista

Alexander Hoffmann will im September Deutschland erstes Code-Café eröffnen. Die Crowd soll ihm dabei helfen.
Alexander Hoffmann will im September Deutschland erstes Code-Café eröffnen. Die Crowd soll ihm dabei helfen.

Ein Münchener will im September im Szenenstadtteil Glockenbachviertel ein Code-Café eröffnen. Dort können Interessierte Kuchen essen und html lernen. Die Idee hatte Alexander Hoffmann. Noch fehlen mehr als 30.000 Euro. Die Crowd soll helfen.

Der Beruf des Fachinformatikers war für Alexander Hoffmann keine Berufung. Er schloss seine Projekte zwar pünktlich ab und erntete das Lob vom Chef, doch seine Mitstreiter in der Ausbildung programmierten auch noch nach der Arbeit fleißig weiter, fanden oft kein Ende und übertrumpften sich am nächsten Tag gegenseitig, wie lange sie bis spät in die Nacht vor dem Computer saßen. 80 Stunden in der Woche waren oft keine Seltenheit. Die Messlatte lag hoch.

Alexander Hoffmann war da mit seinen Gedanken schon wieder bei seiner Gitarre. Er organisierte nach der Arbeit am PC Privatkonzerte im kleinen Rahmen, jobbte beim Radio und traf sich mit Musikern und Freunden. Er lebte sein Leben. "Ich wollte nicht den ganzen Tag vor einem Computer sitzen und Codes schreiben", erinnert sich Hoffmann, dem die Zusammenarbeit mit anderen Menschen fehlte. Er dachte darüber nach, die Informatik ein Stück weit hinter sich zu lassen. "Nach dem Zivi war ich kurz davor, Sozialpädagogik zu studieren", erklärt der heute 27-Jährige. Er tat es nicht, ging stattdessen an die Hochschule München, wollte im Projektmanagement neue Wege gehen, lernte das Gründerzentrum kennen und fand seine Berufung: Mitmenschen das Programmieren zu erklären - nicht an der Uni, nicht an der Volkshochschule, sondern in Kursen oder in seinem Café.

Chai-Latte und Codes

Sein Code-Café soll im September eröffnen - in Münchens In-Viertel, dem Glockenbachviertel, wo eine ehemalige Sparkasse als Club dient. Ausgehen, Spaß haben, Freunde treffen, Chai-Latte to go und zwischendurch coden? "Ja, das geht. Wir schaffen einen Raum, in dem sich Programmieranfänger und Profis treffen, sich austauschen können." Sein großes Mentorennetzwerk macht das möglich. Besucher zahlen eine Flatrate und können Kaffee und Snacks ordern. Abgeschaut hat sich Hoffmann die Finanzierung aus Paris, wo ein ähnliches Prpjekt erfolgreich anläuft. "Programmieren ist nicht zeitaufwendig, langweilig und teuer. Wir wollen mehr Menschen für html und Co. begeistern", fasst der Münchener seine Idee zusammen.

Die Wissenschaft gibt Hoffmann recht: "Wir müssen in Deutschland künftig Software produzieren wie Autos", fordert Prof. Dr. Michael ten Hompel vom Fraunhofer IML in Dortmund schon seit langem. Doch es mangelt noch an Begeisterung in der Bevölkerung. Andere Länder sind weiter. In Israel coden die Jüngsten schon im Kindergarten.

Hoffmann kennt die Bilder aus Tel Aviv. Auch Kinderkurse will er in seinem Café anbieten, Schulklassen sind willkommen.  Auch mit Bayerns Wirtschaftsministerien Ilse Aigner hat er schon über sein Code-Café und hmtl gesprochen. Doch Programmieren als Schulfach, so Hoffmann, wird aus ihrer Sicht nicht kommen. "Das hat mich verwundert. Wir müssen den Menschen die Angst nehmen. Html ist einfacher als viele denken und jeder wird es zukünftig brauchen."

Er hat das schon einmal geschafft, Hemmungen abzubauen. Mit dem Programm "Cook and Code" starteten Hoffmann und sein Mentorennetzwerk im Oktober 2015. Die Idee: Erst wird gemeinsam gegessen, dann gearbeitet und Websites und Apps entwickelt. Das Konzept ging auf. Im Durchschnitt kamen 15 Teilnehmer, brachten Fingerfood mit und lernten in drei Abenden á 90 Minuten Grundlagen im Bereich Frontend, Backend und Mobile-Entwicklung. Essen verbindet, es wird gelacht und das Lernen fällt vielen Menschen leichter. Programmieren bekommt ein neues Image. Fettflecken auf der Tastatur inklusive.

IT-Projektmanager, Online-Marketing-Verantwortliche, Designer und sogar Informatikstudenten nahmen an den Cook and Code-Kursen teil. "Mancher Student wollte im sechsten Semester seine Programmierkenntnisse auffrischen", scherzt Hoffmann.

Zeit zu programmieren hat Alexander Hoffmann momentan kaum. Er sammelt Geld. Rund 40.000 Euro soll die Crowd im Internet bereitstellen, um Miete, Nebenkosten, Kaution, Arbeitgeberabgaben und Kosten für Lebensmittel für das Code-Café zu stemmen. "München ist teuer, aber wir müssen mit dem Code-Café in die Mitte der Stadt." Programmieren muss in die Mitte der Gesellschaft. Hoffmann ist sich sicher: Im September brüht er den ersten Cappuccino - er, der Programmier-Barista.