Die Bedeutung von Ingenieuren der Elektrotechnik Berufsbilder und Veränderungen bis 2015

Die Elektrotechnik/Informationstechnik erlebt zu Beginn des 21. Jahrhunderts einen starken Anstieg ihrer volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung. Sie durchzieht heute nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche. Sie ist der wichtigste Innovationstreiber für die industriellen Anwenderbranchen und Leitmärkte der Zukunft wie „E Mobility“ oder „Smart Grids“.

Von manchen Experten wird bereits jetzt von einem neuen, dem „zweiten Stromzeitalter“ gesprochen. Aufgrund der weiter wachsenden Bedeutung der Elektrotechnik/Informationstechnik wird auch der Bedarf an Elektroingenieuren weiter zunehmen. Betroffen sind davon nicht nur die klassischen Kernbranchen, sondern auch immer mehr Anwenderbranchen im industriellen und im Dienstleistungsbereich.

In den letzten fünf Jahren waren die Absolventenjahrgänge stets kleiner als der vom VDE geschätzte jährliche Bedarf an Elektroingenieuren in Deutschland – auch noch in der konjunkturschwachen Phase. Die Arbeitsmarktzahlen der Elektroingenieure gestalten sich erheblich günstiger als bei anderen Berufen und auch besser als bei Ingenieurskollegen anderer Fachdisziplinen. Der VDE rechnet bis 2015 sogar mit einem weiteren Absinken und Verharren der Arbeitslosenquote bei Elektroingenieuren bei deutlich unter zwei Prozent. Um das Jahr 2000 waren unter den ohnehin wenigen Arbeitslosen Elektroingenieure meist aus der Gruppe „über 50 Jahre“ vertreten. Der Altersunterschied wird aber bis 2015 keine Bedeutung mehr bei der Arbeitslosigkeit haben. Die Berufschancen für Elektroingenieure waren, sind und bleiben gut. Wenn das Interesse am Studium der Elektrotechnik/Informationstechnik allerdings in Zukunft nicht wächst, wird Deutschland in den kommenden Jahren, wenn überhaupt, nur den Ersatzbedarf an Elektroingenieuren decken können, jedoch nicht den zu erwartenden wachstumsbedingten Zusatzbedarf. Ab 2020 wird nach VDE-Prognosen nicht einmal dem Ersatzbedarf durch Absolventen entsprochen werden können.

Berufsbilder und Veränderungen bis 2015

Der Ingenieurberuf wird immer mehr von Schnittstellen geprägt: Schnittstellen zwischen Systemen und Komponenten, Schnittstellen der verschiedenen Dienstleistungen rund um das Produkt, Schnittstellen zwischen Hard- und Software, Mensch-Maschine-Schnittstellen, Schnittstellen zwischen den Abstraktionsebenen, internationale und auch interdisziplinäre Schnittstellen. Einerseits wachsen damit die Anforderungen an Elektroingenieure, andererseits bietet der Ingenieurberuf aber auch vielfältigere Einstiegsposi-tionen und Entwicklungsmöglichkeiten in einem breiteren Spektrum von Tätigkeitsfeldern als je zuvor.

Veränderungen im Berufsalltag

Seit weit über einem Jahrzehnt befindet sich das Berufsbild von Elektroingenieuren im steten Wandel. Aktuell und im Ausblick auf das Jahr 2015 sind für die Arbeit von Elektroingenieuren einige Trends von besonderer Bedeutung:

  • Technische Lösungen können nicht mehr isoliert entstehen, sondern müssen bereits in der Konzeptionsphase für das Zusammenspiel mit anderen Produkten ausgelegt werden.
  • In Anbetracht des heutzutage verfügbaren Wissensumfangs entstehen Innovationen zunehmend durch Kombinationen aus verschiedenen Gebieten, wobei die traditionellen Grenzen der Fachdisziplinen an Bedeutung verlieren.
  • Immer mehr Ingenieure arbeiten in Schnittstellenfunktionen zwischen Mensch und Technik.
  • Die Arbeit von Elektroingenieuren ist seit Jahren immer mehr von der Kombination aus Hard und Software geprägt. Systeme gewinnen gegenüber Einzelkomponenten zusehends an Bedeutung. Bei der Systementwicklung spielen Web-basierte Protokolle eine wachsende Rolle.
  • Die Abstraktionsebene für die Systementwicklung ist häufiger weit von der physikalischen Ebene entfernt. Beispiel: Abbildung von Geschäftsprozessen in die Automation auf Basis von Serviceorientierten Systemarchitekturen (SOA).
  • Für den Markterfolg ist die technische Leistungsfähigkeit ein zwar notwendiger, aber keineswegs ausreichender Aspekt. Je nach Anwendungsbereich können Faktoren wie Design, Benutzerfreundlichkeit, Preis, Marktmacht der Produzenten, Verfügbarkeit von Inhalten, Standardisierung, Umweltgesichtspunkte oder Fragen des geistigen Eigentums eine oft sogar größere Rolle spielen.

Erweitertes Anforderungsprofil

Elektroingenieure bekommen es neben ihrem technischen Kerngebiet also immer mehr mit Schnittstellen auf den verschiedensten Ebenen zu tun. Dies hat die Anforderungen an Ingenieure erhöht, besonders was die für die Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Fachdisziplinen notwendigen Schlüsselqualifikationen betrifft. Zugleich bieten sich technischen Absolventen vielfältigere Einstiegspositionen und damit verbundene Tätigkeitsfelder, und auch bereits berufserfahrene Ingenieure verfügen bei entsprechender Flexibilität über früher ungeahnte Entwicklungsmöglichkeiten. Technisch-naturwissenschaftliches Grundwissen, Denk- und Analysefähigkeit, kombiniert mit Kenntnissen aus dem Finanzbereich sowie der Fähigkeit, auf andere Menschen einzugehen und zu überzeugen, bilden erfahrungsgemäß eine optimale Kombination für den beruflichen Aufstieg in praktisch jedem Umfeld.

Die veränderten Anforderungen spiegeln sich auch in den Arbeitsabläufen innerhalb der Unternehmen wider. Da selbst in der Investitionsgüterindustrie Produkte nicht mehr gemäß der Vorgaben einiger Leitkunden, sondern für den Weltmarkt entwickelt werden, müssen bereits in der Konzeptionsphase die verschiedenen Abteilungen eingebunden werden, deren Kompetenz für den Erfolg benötigt wird. Nach wie vor leisten Ingenieure meist den zentralen Innovationsbeitrag, doch hängt ihre Effizienz stark davon ab, wie gut sie ihre Arbeit in den Gesamtkontext einpassen können. Dies verlangt auch Offenheit und Verständnis für die in einem Unternehmen üblichen Verfahren und Zuständigkeiten – bis hin zu historisch gewachsenen und nicht unbedingt logisch begründeten Strukturen.

In Zeiten häufig schnell wechselnder Anforderungen, die sich nicht jeweils in den Hierarchien abbilden lassen, oder zur Erledigung bestimmter, zeitlich begrenzter Aufgaben hat das Prinzip des Projektmanagements weite Verbreitung in den Unternehmen gefunden. Hier sind Eigenschaften wie Flexibilität und Teamfähigkeit besonders gefragt, ebenso wie Termin-, Qualitäts- und Kostenbewusstsein.

Zunehmend internationale Ausrichtung der Arbeit

In Anbetracht der steigenden Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen, die heute zum Erhalt einer technologischen Führungsposition unabdingbar sind, müssen diese Kosten auf möglichst große Produktzahlen umgelegt werden, die meist nicht mehr in einem nationalen Markt erzielbar sind. Fast jeder für Ingenieure in Frage kommende Arbeitgeber – falls es sich nicht gerade um die Stadtwerke oder ein lokales Ingenieurbüro handelt – ist deshalb heute international aufgestellt. Für die Mitarbeiter bedeutet das, nicht nur für Märkte jenseits des eigenen Erfahrungshorizontes zu arbeiten, sondern dies auch oft in Kooperation mit ausländischen Kollegen, Kunden oder Zulieferern zu tun. Dies erfordert Offenheit und die Bereitschaft, andere Mentalitäten mit ihren Stärken und Schwächen zu akzeptieren.

In besonderem Maße sind diese Fähigkeiten bei einem Auslandsaufenthalt gefordert, der heutzutage meist die Voraussetzung für den Aufstieg in eine Führungsposition bildet. Im Gegensatz zu Projektdelegationen, bei denen man Angestellter des Entsendelandes bleibt und im Ausland nur eine bestimmte, eng umrissene Aufgabe erledigt (z.B. Inbetriebnahme), findet hier eine zeitweise Versetzung in die lokale Organisation statt. Der damit entstehende intensive Kontakt erfordert ein erhöhtes Maß an Sensibilität. Deshalb sollten zur Vorbereitung interkulturelle Trainings absolviert, ggf. auch Grundlagen der fremden Sprache erlernt werden. Wer hier in seiner Studentenzeit schon internationale Erfahrungen sammeln konnte, verfügt über einen Startvorteil.

Die Dauer des Auslandsaufenthaltes kann variieren – von einigen Monaten bis zu Jahren. Auf jeden Fall sollte ein klarer Plan vereinbart werden, wie anschließend die weitere Entwicklung gedacht ist. Dass hier die Unternehmen noch Nachholbedarf haben, zeigen Vorbehalte junger Ingenieure gegen Auslandsaufenthalte, die gerade gegen einen Aufenthalt in Asien mit seinen dynamischen Wirtschaftsgebieten besonders hoch sind (Bild 1).