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Arbeitsmarkt für Elektroingenieure

Wann springt der Jobmotor wieder an?

17. Juni 2020, 13:10 Uhr   |  Corinne Schindlbeck


Fortsetzung des Artikels von Teil 3 .

Und der Nachwuchs?

Für die Studierenden und Absolventen sei die Situation derzeit allerdings »extrem ungewöhnlich«, findet Hegger, der auch im VDE-Ausschuss Studium, Beruf und Gesellschaft aktiv ist. »Da wir einen zehnjährigen Aufschwung ohne Rückschläge hatten und die Unternehmen mehr oder weniger kontinuierlich eingestellt und neue Stellen geschaffen haben.« In den letzten zehn Jahren sei es normal gewesen, als Studierender zum Abschluss des ET-Studiums einen Vertrag in der Tasche zu haben oder zwischen verschiedenen Angeboten wählen zu können.

»Das hat sich mit der Corona-Situation und den derzeitigen minimalen Hiring-Aktivitäten reduziert«, so Hegger. Man müsse weit zurückgehen, bis Mitte der 1990er-Jahre, um eine vergleichbare Situation zu finden. »Damals hatten wir eine Phase, in der es „normal“ war, dass ET-Absolventen mehrere Monate gesucht haben, bis eine Einstiegsstelle gefunden worden ist.« Damals sei es auch nicht ungewöhnlich gewesen für Absolventen, erstmal an einer staatlich geförderten Weiterbildungsmaßnahme teilzunehmen.

Die Zurückhaltung der Unternehmen könnte noch bis Ende des Jahres anhalten, damit rechnet Hegger nach Gesprächen mit Kunden. »Mein Eindruck ist, dass viele Unternehmen die Situation nach den Sommerferien neu bewerten werden. Sollten die Bewertungen positiv ausfallen, wird in den Arbeitsmarkt wieder Bewegung zurückkommen.«

VDE-Verbandskollege Prof. Michael Berger von der FH Westküste sorgt sich ein bisschen um den Nachwuchs. Seiner Beobachtung zufolge sähen Unternehmen Corona zwar nicht als strukturelle Krise, sondern eher als Unterbrechung. Verschiedene Signale deuteten auf einen „Green Deal“ hin; dieser und die jetzt eher noch verstärkte Digitalisierung sprächen also weiterhin für E-Ingenieure.

Doch für viele seiner Studierenden sei das Studium ohne Präsenzbetrieb gerade nicht einfach. »Wir müssen sehr aufpassen, dass es keinen „verlorenen Jahrgang“ geben wird. Die guten Studierenden kommen irgendwie zurecht, aber im mittleren Leistungsbereich, gerade mit Defiziten auch bei der Studierfähigkeit, knirscht es doch offenbar sehr.« Dazu kommt Furcht vor (noch) weniger Studienanfängern in der E-Technik: »Die neuen Studienplatzbewerber sind noch sehr zögerlich, auch hier könnte sich das Abwarten in deutlich sinkenden Zahlen bemerkbar machen«, so Berger. Für eine Bestandsaufnahme sei es freilich ein klein wenig zu früh, die Informationen noch zu „klamm“, weil Corona-bedingt das Gespräch in größerer Runde fehle. »Man bekommt kein richtiges Gefühl für die Lage. In den Videokonferenzen sind alle sehr konzentriert, Randgespräche finden nicht statt.«

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1. Wann springt der Jobmotor wieder an?
2. Also Land in Sicht?
3. Es wird weiterhin eingestellt - aber auch ausgedünnt
4. Und der Nachwuchs?

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