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Arbeitsmarkt für Elektroingenieure

Wann springt der Jobmotor wieder an?

17. Juni 2020, 13:10 Uhr   |  Corinne Schindlbeck


Fortsetzung des Artikels von Teil 2 .

Es wird weiterhin eingestellt - aber auch ausgedünnt

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© Markt&Technik

Personalberaterin Renate Schuh-Eder, SchuhEder Consulting: »Wir haben in der Krise so viel gearbeitet wie lange nicht mehr und hatten keine Stornos.« (Das Foto wurde vor Corona aufgenommen).

Im Bereich Vertrieb, Entwicklung und Management wird weiterhin eingestellt, aber nur, wenn die Besetzungen strategisch wichtig sind, berichtet Renate Schuh-Eder. Sind sie auch gleichzeitig schwierig, kommen Personalberater wie sie ins Geschäft. Personalberater suchen die Nadel im Heuhaufen, wenn die Firmen selbst nicht weiter kommen. In der Menge jedoch sei der Arbeitsmarkt „on hold“ und auf dem Prüfstand; freigegeben würde nur, was direkte Priorität und Dringlichkeit habe.

Unternehmen dünnten ihre Belegschaft auch aus, offiziell wegen Corona. Was in Boomzeiten noch durchgerutscht sei, stünde nun bisweilen auf dem Prüfstand. Der Eingang von Eigenbewerbungen sei folglich signifikant angestiegen, berichtet die Beraterin. Und beruhigt gleichzeitig: »Gut ausgebildete Ingenieure brauchen sich keine Sorgen machen.« Zumal wenn sie ein Skillset für die anstehenden Change-Prozesse mitbrächten: »eigenen Antrieb« und eine »ausgewogene Balance zwischen rechter und linker Gehirnhälfte«, so Schuh-Eder.

Auch die Beratungsgruppe Wirth+Partner sieht aktuell Veränderungen bei den Anforderungsprofilen der Kunden, etwa im Vertrieb: »Hier wurde in den letzten Jahren oft der Typ Kundenbetreuer, Umsatzverwalter bzw. -verteiler gebraucht« – künftig gefragt sei aber mehr der Typ »Jäger und Gestalter«, der in der Lage sei, »New Business« zu schaffen, melden die Personalberater Udo und Stefan Wirth. Sie rechnen damit, dass es »ähnliche Veränderungen auch in anderen Tätigkeitsfeldern geben müsse«. Solche Bewerber gebe es auch jetzt in der Krise nicht reihenweise.

Die weiteren Aussichten? »Die Knappheit der Bewerberzielgruppe war und ist quantitativ zu groß, zumal die Firmen diese mit allen Kräften zu halten versuchen«, so Wirth weiter. Wechselwillige Kandidaten seien gerade Mangelware und blieben lieber »im sicheren Hafen«. Wer jetzt auf dem Markt schnell verfügbar sei, entspreche in der Regel »nicht dem Wunsch-Profil« der Kunden. Und auch die Ansprüche der Ingenieure blieben hoch, würden zusätzlich um die Aspekte Sicherheit und Marktstellung »extrem verstärkt«. Mit dem Ergebnis, dass Bewerber weiterhin »zeitaufwändig gewonnen« werden müssten.

Für Ingenieure ist das gut: »Die Herausforderungen der Zukunft wie Energie- & Mobilitätswende, Digitalisierung, 5G oder Industrie 4.0 bleiben auch trotz Corona bestehen, und der Elektroindustrie kommt als Lösungsanbieter eine hohe Bedeutung zu«, kommentiert der ZVEI die Frage nach den Aussichten am Arbeitsmarkt. Die Hälfte der vom ZVEI befragten Unternehmen plane sogar, aufgrund von Corona »mehr in die Digitalisierung« zu investieren. Den Bedarf an MINT-Beschäftigten über den deutschen Arbeitsmarkt zu decken stelle sich für Unternehmen »als eher schwierig dar, besonders bei den Fachrichtungen Informatik, Software, Data Science sowie Elektrotechnik.

Oder wie es Thomas Hegger beschreibt, selbst Personalberater in der Elektronik und parallel Arbeitsmarktexperte beim VDE: » Die Digitalisierung schreitet immer weiter und schneller fort und wird überwiegend von Ingenieuren entwickelt, installiert, in Betrieb genommen, überwacht oder verkauft. Die Berufsaussichten sind daher weiter positiv, während immer mehr Ingenieure demografiebedingt aus dem Job ausscheiden.«

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1. Wann springt der Jobmotor wieder an?
2. Also Land in Sicht?
3. Es wird weiterhin eingestellt - aber auch ausgedünnt
4. Und der Nachwuchs?

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