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Deloitte-Studie zu den Jobs von morgen

Berufswelt 2035

17. November 2020, 09:23 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

Berufswelt 2035
© Bild: Adobe Stock

Wenn Kollege Roboter übernimmt, wird die Arbeit kreativer und kommunikativer und erfordert hohe Expertise und Spezialisierung, zeigt eine neue Studie der Beratung Deloitte. Die Gefahr, dass Berufe komplett verschwinden, sei gering. 

Immer mal wieder werden Studien publiziert, die das Verschwinden von Berufen durch  Automatisierung zum Gegenstand haben, die populärste und meist zitierte ist sicherlich die von Frey/Osborne von der Universität Oxford aus dem Jahr 2013. Ein paar Jahre später sorgte der »Job.Futuromat« der ARD-Themenwoche »Zukunft der Arbeit« für Aufregung, weil ihm zufolge auch Ingenieursarbeit zu einem hohen Anteil maschinell ersetzbar sein soll. 

Nun gibt es eine weitere Studie »Jobs der Zukunft« aus der Reihe »Datenland Deutschland« von der Unternehmensberatung Deloitte. Sie beschreibt, wie Nachfrageveränderungen und neue Technologien die Arbeitswelt bis 2035 beeinflussen werden. Laut der Analyse sind im Durchschnitt knapp zwei Drittel (65 Prozent) der Tätigkeiten, die ein berufstätiger Mensch in seiner täglichen Arbeitszeit verrichtet, nicht durch technische Lösungen zu ersetzen. Außerdem werden mehr neue Jobs geschaffen als technologiebedingt wegfallen.

Die Sorge, »weg automatisiert« zu werden, scheint dieser Studie zufolge also für die meisten Menschen gering zu sein. Menschliche Arbeit werde durch die Digitalisierung nicht überflüssig, im Gegenteil. In vielen Bereichen sei der Mensch weiterhin unverzichtbar und könne weder durch Robotik noch Data Analytics ersetzt werden. 

»Überall dort, wo es auf Interaktion mit anderen, auf Empathie und Kreativität ankommt, werden auch künftig Menschen gebraucht. Das gilt insbesondere für das Gesundheitswesen sowie Lehre und Ausbildung, aber auch für das Management in vielen Bereichen«, erklärt Dr. Alexander Börsch, Chefökonom bei Deloitte. »Die Nachfrage nach den entsprechenden Tätigkeiten wird in den nächsten Jahren steigen. Die Jobs der Zukunft zeichnen sich durch zwischenmenschliche Kommunikation und Teamfähigkeit aus.«

2,1 Millionen neue Arbeitsplätze könnten laut Studie bis 2035 in Bereichen entstehen, in denen der Mensch unersetzlich ist und die überdurchschnittlich nachgefragt werden. Demgegenüber stehen 1,1 Millionen Jobs, die verloren gehen könnten, da sie weniger nachgefragt und leicht ersetzt werden können. 

Wachstumsbereiche Gesundheit, Lehre, Management

Hinsichtlich ihres Zukunftspotenzials liegt das Berufsfeld Gesundheit durch eine hohe Nachfrage und geringe Ersetzbarkeit der Tätigkeiten ganz vorne. Die Studie prognostiziert dort ein Stellenplus von rund 759.000 (+26 Prozent). Andere Jobs der Zukunft liegen in der Lehre und Ausbildung mit über einer halben Million neuen Arbeitsplätzen (+20 Prozent) sowie im Bereich »Unternehmensführung und -organisation, Recht und Verwaltung« mit 427.000 zusätzlichen Stellen (+9 Prozent).

Doch auch in anderen Berufsfeldern sollen nur selten ganze Berufsbilder wegfallen, sondern vielmehr Teilbereiche davon – Routineaufgaben - automatisiert werden. Dementsprechend ist der Routineanteil in den Jobs der Zukunft nur halb so groß wie in anderen Berufsgruppen. Die abwechslungsreichen Bestandteile dieser Berufe sind vor allen Dingen interaktive und analytische Tätigkeiten wie Patienten- und Kundeninteraktion oder Projektplanung. 

Affinität für zwischenmenschliche Kommunikation sowie kreatives und strategisches Denken sind Fähigkeiten, die man laut Studie für die Jobs der Zukunft mitbringen sollte. Vor allem Spezialisten und Experten werden demnach gefragt sein, die Zukunftsjobs bestünden mindestens zur Hälfte aus Berufen, die eine akademische Qualifikation erfordern, so Deloitte.

Schlüsseltechnologien Robotics und Data Analytics 

Auch wenn Automatisierungstechnologien den Menschen nicht ersetzen könnten, spielen sie laut der Analyse künftig eine zentrale Rolle, weil sie im Durchschnitt rund 35 Prozent der jetzt noch von Menschen erbrachten Arbeitszeit bzw. der entsprechenden Tätigkeiten übernehmen sollen und den Menschen so unterstützen könnten. Den größten Einfluss unter sechs von Deloitte betrachteten Technologien haben dabei Robotics und Data Analytics. Von den 35 Prozent übernehmen die Robotics-Technologien rund die Hälfte. Durch Data Analytics lassen sich 8 Prozent der automatisierbaren Aufgaben erledigen.

»Es zeigt sich: Das Automatisierungspotenzial digitaler Technologien wird überkompensiert. Unter dem Strich entstehen also mehr Arbeitsplätze als durch Automatisierung wegfallen. Dennoch wird es große strukturelle Änderungen geben – mit mehr fachlicher Spezialisierung und einer gesteigerten Bedeutung von Kommunikation. Generell hängt der zu erwartende Einfluss der Automatisierung vom jeweiligen Beruf, der Branche und den Fähigkeiten ab. Eine der interessantesten Fragen wird sein, wie sich einzelne Berufsbilder durch eine andere Schwerpunktsetzung gewissermaßen ‚neu erfinden‘«, resümiert Nicolai Andersen, Managing Partner Consulting bei Deloitte. 

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