Schwerpunkte

Ingenieure als Freelancer

10. Januar 2008, 12:55 Uhr   |  Christine Demmer, Markt+Technik


Fortsetzung des Artikels von Teil 2 .

»Allein auf frühere Kontakte darf man sich nicht verlassen«

In der Person des 49-Jährigen vereinen sich Boss, Finanzchef, Marketingleiter, Pressesprecher, Einkäufer, Buchhalter und Vertriebler - mithin die komplette Belegschaft seiner Ein-Mann-Firma hs consulting. Seit mehr als 13 Jahren ist Schrader als Manager und Problemlöser auf Zeit unterwegs. Seine beruflichen Wurzeln liegen in der Automobilwirtschaft und in der Logistik, doch inzwischen ist er auch auf vielen anderen Feldern zu Hause. Von Null auf Hundert ging das bei dem gebürtigen Sauerländer allerdings auch nicht. Die Basis seines Geschäfts, nämlich die ihm als Angestellten von Kunden und Projektmitarbeitern überlassenen Visitenkarten, entpuppte sich ziemlich schnell als Luftnummer. »Früher hörte ich immer wieder: Komm ruhig zu mir, wenn Du einen Auftrag brauchst, aber wenn ich dann anrief und vorbei kam, versandete das Gespräch rasch.« Sein Fazit: »Allein auf frühere Kontakte darf man sich nicht verlassen. Wer glaubt, während seiner Berufszeit so viele potenzielle Kunden kennen gelernt zu haben, dass die allein das Geschäft tragen, wird enttäuscht werden. Das ist nur die Initialzündung, das trägt nicht komplett «.

Langsam aber sicher baute sich Schrader sein zweites Netzwerk als Freiberufler auf. Das ist heute zum Rückgrat seines Geschäftes geworden, »zur Generierung neuer Aufträge, als Backup bei Krankheit und zur Gewinnung zusätzlicher Kompetenzen für ein Projekt«, zählt er auf. Wer alleine unterwegs sei, laufe Gefahr, immer wieder eine Sinuskurve zu durchlaufen: Von Vollauslastung bis Leerlauf, aber nichts dazwischen. »Natürlich will jeder eine mittlere Auslastung haben, aber das gelingt einem als Einzelkämpfer meistens nicht«, sagt das Wahl-Nordlicht. »Entweder liegt man deutlich darunter oder darüber. Hinzu kommt: Wenn man gerade in einem Projekt arbeitet, hat man für die Akquisition von Folgeprojekten wenig Zeit.« Mit solchen Schwankungen muss man umgehen können, und das bedeutet: Ein gewisses Finanzpolster sollte vorhanden sein, um in Zeiten der Unterauslastung nervlich nicht durchs Feuer gehen zu müssen.

Neben der sorgfältigen Planung hängt vieles ab vom richtigen Zeitpunkt für den Sprung ins kalte Wasser. Jochen Schmid aus Offenburg gründete sein Ein-Mann-Unternehmen namens Promaprod im Juli 2005. Damals zeigten sich die ersten Silberstreifen am Himmel der Konjunktur. Vier Monate später konnte Schmid seinen ersten Auftrag fakturieren, und seitdem hat der Einspringer kaum eine ruhige Minute. Und damit muss man - und auch die Familie - umgehen können.

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1. Ingenieure als Freelancer
2. Nicht jeder ist dafür geschaffen
3. »Allein auf frühere Kontakte darf man sich nicht verlassen«
4. Bausteine des Freelancer-Erfolgs
5. Besuchen Sie Existenzgründungsseminare

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