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Unbeliebtes Homeoffice

Führungskräfte vertrauen ihren Angestellten nicht

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Kontrolle ist besser - das finden 38 Prozent der deutschen Führungskräfte in einer LinkedIn-Umfrage.
© SvetaZi | Shutterstock

Deutsche Führungskräfte sind einer aktuellen Studie von YouGov im Auftrag von LinkedIn zufolge noch nicht vollständig von New Work überzeugt. 38 Prozent fürchten, dass ihre Leute zuhause vor allem die Füße hochlegen. Nur: zum begehrten Arbeitgeber wird man so nicht.

Fast zwei von fünf (37 Prozent) fürchten negative Folgen für Ihr Unternehmen, wenn sie ihren Mitarbeitern flexibles Arbeiten ermöglichen. Im internationalen Vergleich ist diese Sorge nur noch unter den Teilnehmern aus Irland größer (40 Prozent).

Die größten Bedenken der deutschen Führungskräfte sind, dass Mitarbeiter, die nicht im Büro sind, ihrer Arbeit nicht nachgehen. In keinem anderen Land außer den Niederlanden war dieser Wert so hoch wie in Deutschland (38 Prozent).

Befragt wurden insgesamt über 2.000 Manager auf Führungsebene aus elf Ländern, wie sich die Arbeitsmodelle in ihren Unternehmen infolge der COVID-19-Pandemie verändert haben, zu den Auswirkungen dieser Veränderungen und welche Prioritäten sie künftig setzen wollen.

 Als Folge der COVID-19-Pandemie und der Erfahrungen der letzten zwanzig Monate setzen sich sowohl Unternehmen als auch Arbeitnehmer verstärkt damit auseinander, wie sie künftig arbeiten wollen und was sich dafür ändern muss.

Laut Studie verspürt die Mehrheit der Führungskräfte aus Deutschland (74 Prozent) Druck, die Arbeitsplatzrichtlinien anzupassen, um Mitarbeitern mehr Flexibilität zu ermöglichen. Damit sind sie in einer Sandwich-Position, denn dieser Druck geht gleichermaßen von den Mitarbeitern (40 Prozent) und der Managerebene (39 Prozent) aus.
 
Die meisten Befragten (71 Prozent) sind zwar optimistisch im Hinblick auf ihre eigenen Fähigkeiten, eine räumlich verteilte Belegschaft zu führen, wissen aber auch um mögliche Herausforderungen: So befürchten sie, dass die Zusammenarbeit innerhalb der Teams schwieriger wird und auch, dass sich Mitarbeiter, die im Homeoffice arbeiten, bei Beförderungen oder in ihrer Karriereentwicklung benachteiligt fühlen könnten.

Das entscheidende Problem ist allerdings Vertrauen: Da fast zwei von fünf deutschen Managern (38 Prozent) ihren Teammitgliedern nicht vertrauen, zuhause tatsächlich zu arbeiten, verwundert es nicht, dass die Mehrheit von ihnen (70 Prozent) ihre Mitarbeiter künftig weiterhin zwischen drei und fünf Tagen in der Woche im Büro sehen will. Einzig in den Niederlanden ist dieser Wert mit 82 Prozent noch höher.
 
Barbara Wittmann, Country Managerin bei LinkedIn DACH: „Führungskräfte in Deutschland müssen lernen, ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen mehr zu vertrauen – nur so können Sie die Chancen nutzen, die sich durch den derzeitigen Wandel in unserer Arbeitswelt auftun, und nur so können sie sich langfristig als begehrter Arbeitgeber auf dem umkämpften Arbeitsmarkt positionieren. Gleichzeitig erfordert dieser Wandel auch eine Neuausrichtung der Unternehmenskultur, um sicherzugehen, dass sich alle im Team gleichermaßen gesehen und gefördert fühlen.”

Wird Homeoffice zum Trumpf im Recruiting?
 
Prof. Dr. Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomie und neue Technologien ergänzt: „Schon vor der Pandemie scheiterten flexible und hybride Arbeitsmodelle weniger an technologischen oder organisatorischen Hindernissen, sondern eher an der Ablehnung durch die Vorgesetzten. Dabei bietet die Option ‚Homeoffice‘ Unternehmen nachweislich Vorteile, gerade im Recruiting – sie können ihren Suchradius ausdehnen und bei der immer größer werdenden Gruppe an Kandidat:innen punkten, die Flexibilität schätzen oder voraussetzen. Wer zum alten Status quo zurückkehrt, wird künftig mehr Schwierigkeiten haben, neue Mitarbeiter:innen zu finden.“

Trotz aller Vorbehalte glauben mehr als vier Fünftel der Manager in Deutschland (84 Prozent) durchaus, dass hybride und flexible Arbeitsmodelle die Diversität von Teams positiv beeinflussen. Etwa, weil sie dadurch auch Bewerber einstellen können, die diese Flexibilität beispielsweise aufgrund familiärer Verpflichtungen benötigen oder die nicht in der unmittelbaren Umgebung leben. Dies kommt den Führungskräften entgegen: Mehr als zwei Drittel von ihnen (70 Prozent) wollen in den nächsten sechs Monaten besondere Priorität auf die Diversifizierung ihrer Belegschaft legen.

Gleichzeitig wollen drei Viertel der Führungskräfte (75 Prozent) neue Arbeitsweisen etablieren und ihre Mitarbeiter bei der Umstellung unterstützen, zum Beispiel durch Trainings für eine bessere Zusammenarbeit trotz physischer Distanz. 86 Prozent halten solche Lernmöglichkeiten für wichtig und haben sie deshalb bereits für alle Mitarbeiterlevel eingeführt oder befinden sich derzeit in der entsprechenden Planung.

Einen besonderen Fokus sollten Unternehmen zudem auf die Förderung jüngerer Arbeitskräfte setzen: fast neun von zehn Managern (89 Prozent) glauben, dass diese besonders benachteiligt sind, wenn sie nicht im Büro arbeiten, weil ihnen wichtige Erfahrungen sowie Möglichkeiten zum Lernen und Netzwerken entgehen.
 


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