Schwerpunkte

Timo Lehne, Managing Director SThree

»Der Wunsch etwas zu bewirken, treibt viele Bewerber an«

18. Februar 2021, 12:17 Uhr   |  Corinne Schindlbeck


Fortsetzung des Artikels von Teil 2 .

Wechselwillig oder nicht? Es gibt genügend offene Stellen

Unter welchen Voraussetzungen lassen sich Bewerber aus IT und Elektronik aktuell zum Stellenwechsel bewegen? Und welche Rolle spielt dabei die Pandemie?
Die Pandemie legt die Vermutung nahe, dass Bewerber jetzt lieber bei ihrem sicheren Job bleiben. Doch das stimmt nicht ganz. Gerade jetzt, wenn Mitarbeiter beispielsweise in Kurzarbeit sind und die wirtschaftliche Lage ihres Arbeitgebers unsicher ist, sind sie auf der Suche nach etwas Neuem. Und, ganz unabhängig von der Corona-Pandemie: Wenn jemand bei seinem Arbeitgeber unzufrieden ist, ist die Bereitschaft zu wechseln groß – dafür ist das Angebot an offenen IT- und Elektronik-Stellen einfach groß genug. 

Doch welche Benefits und Rahmenbedingungen bewegen dann auch tatsächlich zum Stellenwechsel? Bereits in unserer repräsentativen ‘So arbeitet Deutschland’-Studienreihe konnten wir abfragen und feststellen, dass besonders attraktives Gehalt, sichere Arbeitsumgebungen und die Möglichkeit zu Homeoffice absolute Köder für die Zufriedenheit im Job sind. Da Remote Work in Zeiten von Social Distancing noch wichtiger geworden ist, und aktuell die Vereinbarkeit von Familie und Job durch beispielsweise Homeschooling essenziell ist, sind das aus meiner Sicht die größten Punkte, die einen Wechsel hervorrufen könnten, falls nicht gegeben. Ebenfalls zu erwähnen scheint mir die intrinsische Motivation von Bewerbern. Besonders im MINT-Sektor arbeiten die Leute an zukunftsfähigen Produkten und Ideen –Impfstoffentwicklung, Krebsforschung, KI, Suche nach erneuerbaren Energiequellen – ein Teil dieser Entwicklung zu sein, der Wunsch etwas zu bewirken, treibt viele Bewerber sicherlich an, aktiv ihre Karriere in entsprechende Bahnen zu lenken.
Hierfür benötigen sie im Umkehrschluss allerdings die nötige Infrastruktur und Vision des Unternehmens. Ohne attraktive Angebote und einer Top-Ausstattung wird kein Wechsel stattfinden.

Welche Anforderungen an den neuen Arbeitgeber stellen Bewerber aus diesem Bereich?
Unternehmenskultur und Attraktivität des Arbeitgebers sind in meinen Augen entscheidend für einen Jobwechsel. Der Cultural Fit hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen – Wertvorstellungen und Unternehmenskultur müssen passen. Die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu kennen ist eine Grundvoraussetzung, um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein.

Dass hier noch oft Nachholbedarf herrscht, zeigt auch unsere So arbeitet Deutschland-Studie, die Wunsch und Wirklichkeit der Arbeitswelt von Berufstätigen in Deutschland gegenüberstellt – und die klaffen oft auseinander. Insgesamt zeichnet die Studienreihe ein klares Bild: Viele Wünsche spiegeln das wider, was New Work, aktuell Remote Work, auszeichnet. So wünschen sich die Menschen herausfordernde und interessante Tätigkeiten – insbesondere MINT-Experten reizt es häufig, an den Innovationen von morgen zu arbeiten. Hier überzeugen dann auch diejenigen Unternehmen, die für ihre zukunftsfähigen Produkte und Technologien unter den Bewerbern einen Namen haben. Zudem muss das Arbeitsumfeld stimmen. Hier zählt nicht nur ein attraktiver Standort, sondern für die meisten vor allem Flexibilität hinsichtlich Arbeitsort und -zeit. So wünschen sich manche inzwischen 100% remote arbeiten zu können. Beruf und Familie müssen in der heutigen Zeit vereinbar sein und Unternehmen sind aufgefordert, die passenden Strukturen zu schaffen. Doch wer denkt, es kommt nur auf „weiche“ Faktoren an, der irrt. Das Gehalt ist immer noch der Hauptgrund, warum Menschen den Job wechseln – auch wenn es zunehmend auf die „richtige Mischung“ verschiedenster Benefits ankommt. 

Sie wollen als „MINT-Stimme“ auftreten. Wofür plädieren Sie?
Damit möchte ich folgendes sagen: Im MINT Bereich klafft eine große Lücke, denn wir haben es keinesfalls mit einem Generationenwechsel im Unternehmen zu tun. Auf 10 MINT-Fachkräfte, die in Rente gehen, folgen aktuell nur 7 Nachwuchskräfte. Und das ist entschieden zu wenig. Diese enorme Lücke muss meines Erachtens noch viel mehr ins Bewusstsein gerückt werden, weshalb wir es bei SThree zu unserer Aufgabe gemacht haben, als Sprachrohr für die MINT-Welt aufzutreten und aufzuwecken. Ohne Anpassungen, wie die Etablierung von Freelancern, die Suche nach ausländischen High Performern sowie die Öffnung des MINT-Marktes für Frauen, können wir diesem Mismatch nicht entgegentreten. Wie wichtig der Sektor für die Zukunftsfähigkeit und den Wohlstand des Wirtschaftsstandortes Deutschland ist, sollte spätestens jetzt klar geworden sein.

(Fragen: Corinne Schindlbeck)

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1. »Der Wunsch etwas zu bewirken, treibt viele Bewerber an«
2. Dann eben ins Ausland?
3. Wechselwillig oder nicht? Es gibt genügend offene Stellen

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