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Brexit-Scherbenhaufen

Wirtschaft hofft und bangt

16. Januar 2019, 08:13 Uhr   |  dpa, Heinz Arnold


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Wirtschaftsverbände sind entsetzt

Die wichtigsten deutschen Wirtschaftsverbände sehen die Ablehnung des Brexit-Abkommens durch das britische Parlament dagegen als schlechte Nachricht für die Unternehmen hierzulande an.

Auch asiatische Unternehmen fürchten, dass die Auswirkungen für Asien große seien: Die Firmen müssten ihre Investmentstrategien überdenken, Regierungen neue Handelsabkommen mit Großbritannien aushandeln.

Zunächst zu den Reaktionen in Deutschland: Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnt vor dramatischen Folgen. »Unternehmen diesseits und jenseits des Ärmelkanals hängen weiter in der Luft. Ein chaotischer Brexit rückt in gefährliche Nähe«, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang am Dienstagabend in Berlin. Es drohe eine Rezession in der britischen Wirtschaft, die auch an Deutschland nicht unbemerkt vorüberziehen würde. Jede Unklarheit gefährde Zehntausende von Unternehmen und Hunderttausende von Arbeitsplätzen in Deutschland und vor allem in Großbritannien.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag betonte, die Unternehmen müssten sich jetzt verstärkt vorbereiten. »Ohne Abkommen droht der Brexit völlig ungeregelt abzulaufen«, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer am Dienstagabend in Berlin. Für die deutsche Wirtschaft stehe viel auf dem Spiel. Großbritannien sei Deutschlands fünftwichtigster Handelspartner, das Handelsvolumen betrage 122 Milliarden Euro. Eine mögliche Verschiebung des EU-Austritts von Großbritannien um einige Wochen würde die Unklarheit wohl nur aufschieben, meinte Schweitzer.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) bezeichnete die Ablehnung des Brexit-Abkommens in London als »politisch fahrlässig«. Es drohten schwerwiegende Konsequenzen für Bürger und Unternehmen in Großbritannien und Europa, sagte VDA-Präsident Bernhard Mattes. »Ohne geordnete und praktikable Lösungen für den Wirtschaftsverkehr stehen auch Jobs in der Automobilindustrie, insbesondere auf der britischen Seite, auf dem Spiel.« Alle Beteiligten sollten jetzt daran arbeiten, einen ungeregelten Brexit noch abzuwenden. Vor diesem Hintergrund könne die Verschiebung des Austrittsdatums sinnvoll sein.

Ifo-Präsident Clemens Fuest forderte Großbritannien und die EU auf, die Verhandlungen zu einem Brexit-Abkommen wieder aufzunehmen. »Ein harter Brexit mit seinen riesigen Kosten muss vermieden werden«, sagte Fuest. Das Abkommen müsse so angepasst werden, dass es für beide Seiten akzeptabel ist, »alles andere wäre ein nicht akzeptables Politikversagen.«

In Asien überwiegen die Befürchtungen

Eine plötzliche Änderung der Handelsbeziehungen zwischen Großbritannien und der EU hätten ernste Auswirkungen auf die britische Industrie. Mit diesen Worten zitiert Nikkei Asian Review einen Sprecher von Nissan. Nissan betreibt in Großbritannien sein größtes Werk in Europa. Hyundai Motor fertigt in Slowenien und in Tschechien und befürchtet, dass sich Einfuhrzölle gegenüber den Wettbewerbern, die in Großbritannien fertigen, negativ auswirkten. Honda Motor ist über potenzielle neue Grenzkontrollen besorgt, die das europäische Netz ihrer Just-in-Time-Lieferungen durcheinander wirbeln könnten.   

Märkte bleiben gelassen

»Die Märkte bleiben ruhig. Es hat den Anschein, als seien Händler und Investoren gut vorbereitet gewesen», sagte Chefstratege Michael McCarthy vom Broker CMC Markets.

Größere Schwankungen gab es vor und nach der Abstimmung vor allem beim britischen Pfund. Mittlerweile hat sich die Lage aber auch hier beruhigt. Die britische Währung notiert zum US-Dollar in etwa wieder auf dem Stand von vor dem Brexit-Votum. »Das zeigt, wie unsicher der Austrittsprozess bleibt und wie wenig mit der gestrigen Entscheidung erreicht worden ist«, sagte Analyst Craig Erlam vom Broker Oanda.

Der Broker IG taxierte den Dax knapp zwei Stunden vor Handelsstart 0,15 Prozent höher auf 10.908 Punkte. Der britische Leitindex FTSE 100 wurde kaum verändert taxiert. An der Wall Street hatten die großen Börsenindizes am Vorabend mit Gewinnen geschlossen. In Fernost melden die Aktienmärkte überwiegend leichte Aufschläge.

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