"Ein verlorenes Jahrzehnt": Neue Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Reallöhne gesunken: Gestiegene Anforderungen werden nicht honoriert

In den vergangenen zehn Jahren reichten die Lohnsteigerungen in Deutschland kaum aus, um die Teuerung auszugleichen, meldet heute das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Auch hochqualifizierte Arbeitnehmer haben real Geld verloren. Insgesamt sanken die monatlichen Bruttoerwerbseinkommen im Mittel um 4,2 Prozent.

Stagnierende oder sogar rückläufige Reallöhne seinen mittlerweile ein weit verbreitetes Phänomen, das Männer und Frauen, Teil- und Vollzeitbeschäftigte, einfache Arbeiten und Akademikerjobs, niedrige und gehobene Gehaltsklassen treffe, so das DIW. Das zeige eine neue Arbeitsmarktstudie. Für ihre Untersuchung werteten die Autoren Karl Brenke (Derselbe Autor, der 2010 auch den Fachkräftemangel in Frage stellte) und Markus M. Grabka neue Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) aus.

Ihr Fazit: Die Beschäftigungsstrukturen haben sich merklich verändert. Vor allem sind die beruflichen Anforderungen an die Arbeitnehmer gewachsen. Aber obwohl qualifizierte Arbeit zugenommen hat – insbesondere solche Jobs, deren Ausübung ein Studium voraussetzt – blieb die Lohnentwicklung schwach. Die gut qualifizierten Arbeitskräfte kamen im Schnitt nicht einmal auf einen Lohnanstieg, der die Inflation ausgleichen konnte. Die Autoren führen das auf eine Veränderung der Vergütungsstruktur zurück: Einmalzahlungen (Boni) nähmen zu, während das Einkommenskonzept gleich bliebe.

Die Monatseinkommen sanken ebenfalls, sie wurden auch wegen des Trends zur Teilzeitarbeit gedrückt. Zwischen 2000 und 2010 sanken die durchschnittlichen realen Bruttoerwerbseinkommen der Arbeitnehmer pro Monat bei  acht von zehn Gehaltsgruppen. Die Spannbreite des Rückgangs lag dabei zwischen etwa einem und 23 Prozent. Lediglich die beiden obersten Gruppen konnten zwischen 2000 und 2010 reale Einkommenssteigerungen verbuchen. Insgesamt sanken die monatlichen Bruttoerwerbseinkommen im Mittel um 4,2 Prozent.