Entwicklerkonferenz Uplinq 2012 Qualcomm-CEO lässt Butter auf Smartphones schmelzen

Auf Qualcomms Entwicklerkonferenz Uplinq im kalifornischen San Diego hat CEO Dr. Paul Jacobs seine Keynote ganz auf Qualcomms Partner und App-Entwickler zugeschnitten – ganz durften die eigenen Snapdragon-Chips natürlich nicht fehlen: An Hand von Butter auf Smartphones zeigte Jacobs deren besondere Energieeffizienz.

Es war eine Ansprache der anderen Art: Statt wie fast auf allen Konferenzen üblich die eigene Firma und deren Produkte in den Himmel zu loben, fokussierte sich Dr. Paul Jacobs (Bild 1) primär auf die Entwicklergemeinde, die für die erfolgreichen Snapdragon-SoCs, die sich in 100 % aller Smartphones befinden, die mit dem Betriebssystem Windows Phone laufen, die Apps entwicklen und Qualcomms Partner – vom Handy-OEM bis zu den Betriebssystem-Lieferanten Google (Android) und Microsoft.

Bis 2016 werden 66 Milliarden Apps aus den App-Stores dieser Welt heruntergeladen sein  – „die haben Sie mit Ihrem Talent und Ihrer Eingebung kreiiert“, so lobte Jacobs die mit knapp 2000 Personen reichlich versammelte Entwicklergemeinde und weiter: „Ihr Erfolg ist unser Erfolg“.

Qualcomms Rolle beschränkt sich dabei – so Jacobs bescheiden – darauf, den Entwicklern eine Plattform in Form von Chips und Entwicklungstools zur Verfügung zu stellen. Diese hat übrigens mittlerweile in einer Version ohne integrierten Basisband-Prozessor auch in Smart-TVs Einzug gehalten. Weitere Einsatzgebiete sieht Jacobs zukünftig auch in der Medizinelektronik und im Automobil sowie in der Fernsteuerung des Hauses z.B. der Klimaanlage – eine vernetzte Welt, in der alle Geräte miteinander über 3G, 4G und WiFi kommunizieren können.

Hierzu stellte Jürgen Kurz, CEO der deutschen Softwareschmiede Nero, eine Software in Aussicht, die in Echtzeit Content auf allen denkbaren Geräten vom PC über Smartphone und Tablet bis zum Fernseher im richtigen Format zur Verfügung stellen wird – eine Art geräteunabhängige Mega-Echtzeit-iCloud.

Dann kam Jacobs auf Snapdragon und die Energieeffizienz dieser SoCs zu sprechen. Diese war nur möglich, weil man keine Standard-IP einkaufte, sondern CPU-Core und GPU von Grund auf neu entwickelte. Als Beweis der Überlegenheit und als Beweis dafür, dass Quadcore- nicht schneller als Dual-Core-Chips sein müssen, liess Qualcomm den Snapdragon S4 gegen Nvidias Tegra-3 in nicht weniger als 13 Benchmarks antreten, vom SunSpider (JavaScript-Performance) über Linpack, Basemark bis hin zu GLBenchmark. Das Ergebnis: In 9 von 13 ist Snapdragon 20 % schneller, in 3 sogar mehr als 100 % besser (Linpack SingleThread + 104 %, Basemark Hover + 145 % und Basemark Taijii + 146 %).

Jeder dieser Tests brachte die Prozessoren logischerweise an ihr Limit, was mit einer entsprechenden Wärmeentwicklung verbunden ist. Um zu zeigen, dass Snapdragon nicht nur schnell, sondern auch energieffizient rechnet, präsentierte Jacobs drei Smartphones, von denen das linke in Bild 2 mit dem Tegra-3 und das mittlere mit einem TI OMAP-4-Chip ausgerüstet war. Auf alle drei Geräte wurde ein Stück Butter gelegt und der Benchmark-Test gestartet.

Wie in Bild 3 ersichtlich ist, schmolz die Butter auf dem Tegra-3-Gerät am schnellsten (es wurde 55 °C heiss), gefolgt von OMAP – das Snapdragon-Handy, wen wundert es, blieb am Kühlsten. Das die beste CPU alleine ohne entsprechende Grafik-Unterstützung nichts bringt, erklärte Jacobs auch gleich, dass Qualcomm 2011 mehr Adreno-GPU-Cores für Mobilgeräte ausgeliefert hat als jeder andere Chip-Hersteller. Dazu führte er ein extrem anspruchsvolles 3D-Grafik-Spiel mit 5 unterschiedlichen Lichtquellen und drehenden Windrichtungen vor, was zu entsprechend anspruchsvoller Berechnungen von Schatten und Fahnenwehen führt.

Von den vier Cores des Snapdragon S4 Pro wurde dabei nur einer voll ausgelastet (Bild 4). Das Spiel erreicht definitiv das Niveau professioneller Spielekonsolen, wie Kollegen von enstprechenden Magazinen bestätigten. Qualcomm stellt Spielentwicklern mit dem Snapdragon GamePack dazu mehr als 100 Software-Routinen für Android und Windows zur Verfügung, die helfen sollen, die Hardware richtig auszureizen. Ein Android-SDK für Tablets mit Snapdragon liefert APIs u.a. für Audio (u.a. Echounterdrückung) und die Gesichtserkennung, z.B. wird erkannt, wenn eine Person lächelt um dann automatisch ein Foto auslösen zu können.

Dann kam Jacobs noch auf Windows RT zu sprechen. Nach Jacobs Überzeugung wird dieses die Aufmerksamkeit der Entwicklergemeinde, die ja bislang fast nur auf Apple und Android gerichtet ist, zu Microsoft zurückbringen. Hierzu wird es zum Start von Windows RT erste Geräte mit Snapdragon-Chips geben. Tony Garcia, einer der renommiertesten Spieleentwickler und -Produzenten überhaupt (u.a. war er für Electronic Arts und Lucasfilm tätig), stellte in seiner Rolle als Business Developer bei Unity Technologies, einem rennomierten Tool-Hersteller für 3D-Spiele, dann auch gleich das Ergebnis der Zusammenarbeit mit Qualcomm vor – ein für Snapdragon optimierten Windows-RT-Produkt.

Um Windows RT voranzubringen, rief Jacobs einen Programmierwettbewerb für Metro-Style-Apps aus, der mit 200.000 Dollar dotiert ist – mitmachen kann man bis zum 1. Oktober.

Last but not least kam Jacobs noch auf HTML 5, dem neuen Standard für Webseiten, zu sprechen. HTML 5 bietet vielfältige neue Funktionalitäten wie unter anderem Video, Audio, lokalen Speicher und dynamische 2D- und 3D-Grafiken, die von HTML 4 nicht direkt unterstützt werden, sodass bislang zusätzliche Plugins eingesetzt werden müssen, zum Beispiel Adobe Flash. Hier ist es Qualcomms Anspruch, die beste „User-Erfahrung in der mobilen Welt“ bereitzustellen. Jacobs erklärte, dass der SunSpider-Benchmark auf einem Dual-Core-S4 rund 10 % schneller laufe als auf dem Quadcore-Tegra-3 von Nvidia. Es können sogar 12x mehr Sprites gerendert werden, und das noch ruckfreier. Für alle denkbaren Einsatzfälle wird Qualcomm den Entwicklern entsprechende APIs zur Verfügung stellen.