Prozessor-Upgrade durch Übertakten

Mit der Freigabe des Hochleistungs-Chipsatzes X38 von Intel kündigen die Board-Hersteller erste Boards an. Der X38 hat eingebaute Features zum Übertakten von Prozessoren und ist bereits ...

Mit der Freigabe des Hochleistungs-Chipsatzes X38 von Intel kündigen die Board-Hersteller erste Boards an. Der X38 hat eingebaute Features zum Übertakten von Prozessoren und ist bereits für die kommende Penryn-Chipgeneration vorbereitet. Asus wartet mit einem besonderen Clou auf: Board mit billigem Prozessor bestücken und durch Übertakten die Leistung eines wesentlich teureren Prozessors erzielen.

Der X38-Chipsatz von Intel bildet das Spitzenprodukt der neuen „3er“-Chipsatzgeneration G3x/Q3x/P3x. Er soll länger verfügbar sein als die anderen Desktop-Chipsätze und zielt auf Hochleistungs- und Gaming-Workstations. Von den anderen Varianten unterscheidet sich der X38 durch seine zwei möglichen PCI-Express-Grafikslots und den von Intel abgesegneten Features zum Übertakten. Genau genommen sind sogar drei Grafikkarten-Steckplätze möglich – zwei direkt an der Northbridge angebunden sowie einen über Parallel-PCI an der Southbridge ICH9. Beide PCI-Express-Grafikschnittstellen (PEG) sind mit 16 Lanes ausgestattet. Manche Hersteller spalten auch einen ×16-PEG-Kanal in zwei ×8-Kanäle auf.

Asus integriert den neuen Chipsatz u.a. in sein Flagschiff „P5E3 Deluxe/WiFi-AP“. Wie der Name andeutet, ist das Board auch mit WLAN-Empfänger und Access Point ausgestattet, und zwar nach „Draft-n“, dem kommenden WLAN-Standard. An der ATX-Blende befinden sich neben den anderen Steckverbindern auch zwei Antennenbuchsen. WLAN nach IEEE 802.11n arbeitet mit mehreren Antennen, um Datenrate und Empfangsqualität zu verbessern.

„Prozessor-Aufrüstung“ per BIOS

Ganz offiziell von Intel entwickelt wurden die Übertaktungs-Fähigkeiten des Chipsatzes. Dies ist insofern ein Novum, als Intel früher sogar durch fest eingestellte Teiler für konstante und nicht manipulierbare Taktverhältnisse in seinen Prozessoren sorgte. Mit Übertaktung begibt sich ein Hersteller jedoch auf gefährliches Terrain, da die Übertaktung auch das Timing, die Spannungen und die Wärmeentwicklung im System beeinflusst. Alle diese Parameter müssen aufeinander abgestimmt sein, damit auch ein hochgetaktetes System noch zuverlässig arbeitet. Nicht nur für den Prozessor, auch für den Chipsatz hat Asus deshalb eine aufwendige Heatpipe-Kühlung vorgesehen. Die Kupferkühler sind dabei nicht mit Kühllamellen, sondern mit Kühlstiften (sieht aus wie ein stilisierter Igel) ausgelegt, um die Luftzirkulation zu verbessern. Für „Power Gamer“ wird es sogar eine Board-Ausführung mit Wasserkühlsystem geben. Dabei muss nur noch die Wasserleitung an den auf dem Board angebrachten Wärmetauscher angeschlossen werden.

Derart ausgerüstet kann eine CPU um zwei Leistungsstufen höher getaktet werden, also z.B. ein Core2 Quad Q6600 von Intel kann so zum QX6850 werden. Das Praktische im Asus-BIOS ist, dass hier nicht irgendwelche Taktfrequenzen eingestellt werden müssen, sondern dass der Anwender die CPU, die sonst als Konstante angezeigt wird, einfach im Rahmen der von Asus erlaubten Optionen (max. zwei Leistungsstufen höher) auswählen kann. Diese Option ist besonders für die neuen Quad-Cores interessant, da das Preisgefälle bei diesen Prozessoren noch besonders hoch ist (Tabelle). George Chen, Director der Motherboard-Entwicklung von Asus in Taiwan, sagt dazu mit einem vielsagenden Lächeln: „Wir machen das so lange, bis Intel es uns verbietet.“ Um den Energieverbrauch der sehr stromhungrigen X38-Systeme zu zügeln, hat Asus auf dem P5E3 Deluxe/ WiFi einen Microcontroller für das Powermanagement eingebaut, der als „EPU“ (Energy Processing Unit) beworben wird. Dieser Controller passt Spannungen und Taktfrequenzen an die Lastsituation an. Im Leerlauf wird das System heruntergeregelt. Ein 3-GHz-Prozessor E6850 wird dann statt mit 1,3 V Core-Spannung nur noch mit 1,08 V und 1,8 GHz Taktfrequenz versorgt. Auf diese Weise sinkt die Leistungsaufnahme von 53,8 W auf knapp unter 30 W. Unter Last wird das System im Automatik-Modus hochgetaktet, auf 5 % über Nennwert, so dass hier sogar mehr als die volle Nennleistung zur Verfügung steht. Mit einem von Asus mitgelieferten Software-Tool kann die Systemleistung auch manuell auf feste Werte eingestellt werden.

Ein praktisches Feature dieses Boards ist ferner eine Fünf-Sekunden-Schnellstart-Funktion mit eingebettetem Linux-Betriebssystem. Das System bietet nach der BIOS-Initialisierung ein Auswahlmenü an. Wird der „Express Gate“-Schnellstart gewählt, bootet das System nicht das auf Festplatte installierte Betriebssystem, sondern eine auf einem fest verlöteten Flash gespeicherte Linux-Umgebung, die die Funktionen E-Mail, Web-Browser, Musik-Wiedergabe und Skype-Telefonie umfasst. Auf dem 512 Mbyte großen Flash-Speicher können Voreinstellungen, Cookies und Browser-Favoriten gespeichert werden, aber der Download von Dateien aus dem Internet ist nicht möglich. (Joachim Kroll)


DDR3-Speicher

Der X38-Chipsatz arbeitet sowohl mit DDR2- als auch DDR3-Speicher zusammen. Der Board-Hersteller muss sich beim Design für eines der beiden Speicher-Interfaces entscheiden. Das Asus P5E3 arbeitet mit einer Dual-Channel-DDR3-Architektur. Der Speicherbus ist mit 1800 MHz getaktet. Passende Module, die mit Asus auf Kompatibilität getestet sind, bietet z.B. Kingston an. Das DDR3-1800-Modul mit 1 Gbyte soll 184 Euro inkl. MwSt. kosten. Zum Vergleich: Ein DDR2-800-Modul mit ebenfalls 1 Gbyte, passend zur Vorgänger-Chipsatzgeneration 965, geht für rund 30 Euro über den Ladentisch.