NXP: »Das Jahr 2009 wird einige Akquisitionschancen eröffnen«

Frans van Houten, CEO und President von NXP Semiconductors im Interview über seine langfristige Wachstumsstrategie, seine Ausrichtung auf vier Marktsegmente und die Folgen der Finanzkrise für die Halbleiterindustrie.

Konsequent setzt Frans van Houten, CEO und President von NXP Semiconductors, NXPs Weg zu einem klar auf vier Marktsegmente fokussierten Anbieter fort. Angesichts der einbrechenden Automotive-Umsätze warnt er vor kurzsichtigen Überreaktionen und plädiert für eine auf langfristigen Return ausgerichtete Strategie. Akquisitionen zählen weiter zu seiner Wachstumsstrategie, aber wohl nicht vor der zweiten Jahreshälfte 2009. Die Zukunft der europäischen Halbleiterbranche sieht er in partieller Kooperation bei gleichzeitiger Stärkung der jeweils eigenen Schwerpunkte.

Markt&Technik: Wann begann sich die globale Finanzkrise im realen Halbleitergeschäft von NXP Semiconductors niederzuschlagen, und mit welchen Folgen rechnen Sie aus heutiger Sicht?

Frans van Houten: Aus unserer Sicht war das dritte Quartal noch o.k., wir haben unsere dort gesetzten Ziele erreicht, doch seit Mitte September schlägt sich der Abschwung der Weltwirtschaft nun auch in unseren Auftragsbüchern nieder. Mit als erstes betroffen war der Automotive-Bereich, aber auch für Consumer-Electronics ist ein Rückgang der Nachfrage festzustellen. Vor diesem Hintergrund werden wir unsere ursprünglichen Ziele im vierten Quartal wohl nicht erreichen können. Wir rechnen derzeit mit einem Rückgang von 8 bis 14 Prozent gegenüber unseren ursprünglichen Erwartungen im vierten Quartal.

Weltweit stehen Autos inzwischen bereits auf Halde. Namhafte Autohersteller setzen teilweise die Produktion aus. Welche Konsequenzen hat das langfristig für das Automotive-Geschäft?

Als Halbleiterhersteller werden wir mit den Auswirkungen dieses ökonomischen Abschwungs sicherlich bis in die erste, vielleicht auch die zweite Hälfte 2009 zu tun haben. Trotz dieser krisenhaften Entwicklung und der notwendigen Korrekturen, die jetzt nötig sind, dürfen wir aber in den Entwicklungsanstrengungen für die nächste Autogeneration, die ab 2010/11 auf den Markt kommen wird, nicht nachlassen. Krisen wie diese unterstreichen einmal mehr nicht nur die Bedeutung von Langzeitinvestitionen, sondern auch die Ausrichtung an langfristig ausgerichteten Business-Konzepten und Kundenbeziehungen.

Der Auftragsrückgang hat sich zuletzt deutlich auf die Auslastung Ihrer Fertigungen ausgewirkt. Die Quote sank von 78 Prozent im August auf 68 Prozent im September. Halten Sie aktuell ein Absinken auf 50+X für möglich?

Wir haben entsprechende Schritte eingeleitet, unter anderem überführen wir unsere Produktion schrittweise auf größere Wafer, wir wollen konkret von 5 Zoll auf 8 Zoll migrieren, das gilt beispielsweise für den Bereich der diskreten Halbleiter. Veränderungen wie diese werden sich aber erst im nächsten Jahr auswirken. Für den Rest dieses Jahres habe ich ja bereits unsere reduzierten Erwartungen angesprochen. Ich bin nicht optimistisch, dass sich diese wirtschaftlichen Aussichten noch kurzfristig aufhellen werden.