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Forum Künstliche Intelligenz (2)

Nur was für die Großen?

30. August 2019, 09:38 Uhr   |  Iris Stroh


Fortsetzung des Artikels von Teil 3 .

"Zivilen Anforderungen stehen bei uns im Mittelpunkt..."

Goymann_Pascal19 TU Clausthal
© Markt&Technik

Pascal Goymann, TU Clausthal: »In der Informatik hat man versucht, die Funktionsweise des menschlichen Gehirns nachzubilden, und hat es deshalb künstliche Intelligenz genannt.«

Wobei die anderen Teilnehmer davon überzeugt sind, dass KI sehr wohl zu den europäischen Industrien, wie beispielswese Automotive, Industrie, Medizintechnik oder Pharmaindustrie, passt, weshalb Krüger erklärt: »Da muss ich vehement widersprechen. Ich denke, dass es damit zu tun hat, dass bei uns die zivilen Anwendungen im Vordergrund stehen und weniger die militärischen.« Historisch betrachtet sei es immer so gewesen, dass große Forschungsdurchbrüche in der Informatik letztendlich immer mit militärischen Themen erreicht wurden, »da wurden auch Gelder freigegeben. Man wäre naiv, das außen vorzulassen. Die Anwendungsbereiche in Europa sind super, das ist nicht das Problem«, betont Krüger abschließend.

Ein Definitionsversuch
Kleinere Streitigkeiten
Selbst bei großen KI-Konferenzen mit vielen Experten wird immer wieder betont, dass der Begriff KI zunächst einmal definiert werden muss. Das war auch beim Markt&Technik-Forum der Fall, wobei sich gezeigt hat, dass eine genaue Definition auch notwendig ist, denn das Wort KI löst bei manchen »alles andere als Begeisterung aus«. Dr.-Ing. Ron Melz, Leiter Entwicklungsmethodik/künstliche Intelligenz automatisiertes Fahren bei Audi, erklärt, dass KI ein übergeordneter Begriff ist. »Geht es aber um die Anwendung, dann steht KI in 90 Prozent aller Fälle für Maschinenlernen, mit einem ganz großen Hype auf Deep Learning, und damit verbunden Reinforcement-Learning«, so Melz. Und genau in den häufig synonym verwendeten Begriffen KI/ML liegt das Problem. Heinrich Munz, Lead Architect Industrie 4.0 bei Kuka, erklärt nämlich: »Ich rede über die industrielle Automatisierung, und hier gibt es KI schlichtweg nicht. Hier gibt es Maschinenlernen.« Er hält den Begriff KI grundsätzlich für fragwürdig, weshalb er auch alle Diskussionen darüber, ob Roboter mal die Menschheit vernichten könnten, für absolut hinfällig hält.

Dr. Christoph Angerer, Manager AI Developer Technologies EMEA, Russia and India bei Nvidia, wiederum erklärt: »KI ist ein Algorithmus, der noch nicht fertig ist, sondern der noch datengetrieben nachoptimiert wird.« Für ihn ist dabei aber wichtig, dass man deutlich zwischen allgemeiner und spezialisierter KI unterscheidet. Mit der allgemeinen KI werde mehr die menschliche Intelligenz assoziiert, während es bei der spezialisierten KI um Algorithmen geht, die speziell auf eine Anwendung optimiert wurden. Angerer: »Die spezialisierte KI ist die einzige, die momentan im Einsatz ist. In der allgemeinen KI wird zwar geforscht, aber es gibt sie noch nicht. Wenn darüber diskutiert wird, dass sich Roboter irgendwann gegen uns erheben, dann geht es eher um die allgemeine KI.«

Und diese allgemeine KI ist noch in weiter Ferne. Melz würde sogar grundsätzlich ein dickes Fragezeichen hinter die Frage setzen, ob wir »das in unseren Lebenszeiten noch erleben oder ob das überhaupt irgendwann jemand noch erlebt.«
Die Angerer-Aussage bestätigt Tanja Krüger, Geschäftsführerin bei Resolto Informatik, mit anderen Worten: »KI wird eingeteilt in eine starke und eine schwache KI. Die starke KI haben wir noch nicht, vielleicht in fünfzig Jahren. Aber eine schwache KI haben wir und die schwache KI ist die anwendungsbezogen trainierte Algorithmik.«

Ob jetzt der Begriff KI günstig ist oder nicht, sei dahingestellt. Aber einen Vorteil hat der Begriff wohl: »Es ist die Frage, ob wir so viel über das Thema reden würden, wenn wir es nicht KI, sondern numerische Optimierung genannt hätten.« Was Munz dahingehend kommentiert: »Hätten wir es nicht Industrie 4.0, sondern datengetriebene Anlagenoptimierung genannt, wäre das wahrscheinlich auch nicht so gelaufen.«

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1. Nur was für die Großen?
2. Roboter über die Cloud verbinden
3. KI in die Breite bringen
4. "Zivilen Anforderungen stehen bei uns im Mittelpunkt..."

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