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Forum Künstliche Intelligenz (2)

Nur was für die Großen?

30. August 2019, 09:38 Uhr   |  Iris Stroh


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Roboter über die Cloud verbinden

Krüger_Tanja19 Resolto
© Markt&Technik

Tanja Krüger, Resolto: »Um den Mittelstand beim Thema KI zu erreichen, braucht man Berater, denen die Mittelständler vertrauen.«

Heinrich Munz, Lead Architect Industrie 4.0 bei Kuka, erzählt von einem Versuch bei Kuka, bei dem mehrere Roboter über die Cloud miteinander verbunden waren. Dank dieser Tatsache konnte »der Roboter in dem Moment, in dem er etwas gelernt hatte, sein Wissen in die Cloud speichern und den anderen Robotern zur Verfügung stellen«, so Munz. Damit konnte die Lernkurve deutlich schneller durchlaufen werden, Munz spricht von einer exponentiellen Verbesserung und fügt hinzu: »Nicht nur Reinforcement-Learning für sich, sondern diese Information auch teilen, darin sehen wir einen großen, weiteren Schritt in die Zukunft.«

Angerer weist auf einen grundsätzlichen Vorteil hin: Wenn mit einem Computersystem gearbeitet wird, können viele Dinge deutlich schneller ablaufen als ohne Computer. Was das heißt, macht er am Beispiel Nvidia-Plattform „Isaac“, ein End-to-End-Robotersimulationssystem für das Training und Testen von KI-basierten Robotern, deutlich: Damit ist es möglich, den Computer eines Roboters mit denselben Bildern zu trainieren, wie sie im realen Umfeld von Kameras aufgenommen werden würden, aber eben virtuell: Die Roboter existieren nicht, sondern nur im Computer. Und damit ist es möglich, nicht nur einen, acht oder zehn Roboter zu trainieren, sondern zigtausende. Solche Systeme gibt es natürlich auch für andere Anwendungsfälle wie zum Beispiel autonomes Fahren.

Dass große Unternehmen die Möglichkeiten haben, neue Technologien schnell aufzugreifen und nutzbar zu machen, steht außer Frage. Aber wie sieht es beim Mittelständler aus?

Abhängigkeiten sind unerwünscht

Tanja Krüger, Geschäftsführerin bei Resolto Informatik, erklärt, dass sie als Dienstleister oft damit konfrontiert wird, dass die Anwender sich eine gewisse Unabhängigkeit wünschen. Viele Unternehmen würden KI sehr oft mit dem Begriff Cloud verbinden, sodass es häufig naheliegt, dass große Datenmengen kontinuierlich dorthin übertragen werden, um sie dort zu interpretieren. »Da stellen sich dann Fragen zu den Rechten über die Daten. Und hier wünschen sich die Anwender Autonomie«, so Krüger weiter.

Hinzu kommt noch das Problem, dass KI mittlerweile zum Hype-Thema geworden ist, was auch der eine oder andere Forumsteilnehmer bissig bestätigt. Munz merkt beispielsweise an, dass in jedem Förderantrag KI drin stehen müsse, weil er sonst nicht mehr genehmigt wird. Melz erklärt weiter: »Von den Startups, die heute gegründet werden und die KI anführen, machen nur 40 Prozent wirklich KI.« Außerdem bestätige die Gartner-Kurve, die den Entwicklungsstand von Technologien analysiert, dass »KI kurz hinter dem ersten Zenit steht. So ist das aber mit allen Hype-Themen. Wir werden ein, zwei Jahre lang einen KI-Winter haben, und danach werden wir produktiv damit umgehen«, so Melz weiter.

Also »muss es letzten Endes darum gehen, ein Verständnis zu schaffen, welcher Mehrwert mit KI gehoben werden kann. Wir müssen realistische Bilder erzeugen!«, so Krüger weiter. Es sei am Markt eine Verunsicherung zu spüren. Das Management mache den Hype gerne mit, die operative Ebene wolle aber wissen, welchen Mehrwert sie dadurch habe, also ganz konkret die Antwort auf die Frage „Was kann ich damit, was ich bislang noch nicht kann“. Tja, und manchmal ist der Mehrwert gar nicht so offensichtlich, weil klassische Condition-Monitoring-Systeme auch schon sehr viel können. Krüger: »Dann muss man sich erst einmal klar machen, wo hier der Mehrwert liegt, wenn ich auf neue Methoden umstelle.«

Dass in KI aber mehr als in Condition-Monitoring-Systemen steckt, macht Krüger an einem Beispiel deutlich: ein Fertigungsprozess mit vielen verschiedenen Maschinen unterschiedlicher Hersteller. »Hier ein vernünftiges Metabild zu bekommen, wie rund das Gesamtsystem läuft, ist mit Programmierung fast nicht möglich«, fährt Krüger fort. Also bietet sich an, einen Algorithmus lernen zu lassen, wie das System rund läuft. »Der Algorithmus lernt also nicht die Fehler, sondern das gesunde System kennen. Das bedingt eine ganz andere Komplexität, das schafft aber Maschinenlernen«, so Krüger. Im nächsten Schritt können dann Abweichungen erkannt und Alarm gegeben werden.

Munz_Heinrich19 Kuka
© Markt&Technik

Heinrich Munz, Kuka: »Künstliche Intelligenz ist nur eine Blase am Horizont, die nicht existiert. Was aber sehr wohl existiert, ist Maschinenlernen.«

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1. Nur was für die Großen?
2. Roboter über die Cloud verbinden
3. KI in die Breite bringen
4. "Zivilen Anforderungen stehen bei uns im Mittelpunkt..."

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