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Interview mit Dr. R. Ploss, Infineon

Innovationen, auch digitale, sind kein Selbstzweck

08. Februar 2021, 09:37 Uhr   |  Joachim Kroll


Fortsetzung des Artikels von Teil 2 .

Herausforderungen bei KI und Quantencomputing

Neue Technologien wie KI werden leider oft auch missbraucht. Welche Herausforderungen sehen Sie da auf die Industrie zukommen? 

Dr. Ploss: Wir von Infineon wollen das Leben der Menschen einfacher, sicherer und umweltfreundlicher machen. Der Aspekt Sicherheit spielt also eine zentrale Rolle. Ohne ausreichend Schutz können wir digitale Systeme nicht zuverlässig und nutzenbringend einsetzen. Dass Kriminelle sich Technologien der künstlichen Intelligenz zu Nutze machen, darunter Machine- und Deep-Learning, ist nicht neu. Mit denselben Mitteln werden Malware-Angriffe detektiert und abgewehrt. Wir müssen wachsam bleiben, damit die Guten einen Vorsprung vor den Bösen behalten. Wenn man es richtig macht, ist der Nutzen von Technologie und Innovation größer als die Bedrohung. Richtig machen heißt für mich: Wir müssen Neues wagen, es ausprobieren, lernen, es nutzen, bei Bedarf korrigieren und verbessern. Wir können nicht alles richtig vorausdenken. Deshalb müssen wir schrittweise vorgehen und zügig Anpassungen vornehmen, wenn wir Fehlentwicklungen erkennen. Im besten Sinne brauchen wir Agilität, um Innovationen zum Nutzen der Menschen zu entwickeln. 

Was bedeutet Quanten-Computing für die Security von Embedded-Systemen? Wie sieht der Horizont dazu aus?

Dr. Ploss: Infineon treibt schon seit einigen Jahren aktiv das Thema Post-Quantum-Kryptografie. Diese soll sicherstellen, dass auch dann noch eine ausreichende Sicherheit bei der Datenverschlüsselung gewährleistet ist, wenn wir das Zeitalter leistungsfähiger Quantencomputer erreicht haben. Infineon hat dazu den New-Hope-Algorithmus mitentwickelt, ein System zum Austausch digitaler Schlüssel. Allerdings wird es noch eine Weile dauern, bis Quantencomputer in der Kryptografie in der Breite zum Einsatz kommen. Schon deutlich eher erwarten wir den Einsatz früher Formen von Quanten-Computing – etwa bei der Simulation chemischer Prozesse oder im Finanzsektor. 

Welche Probleme sehen Sie bezüglich dieses Bereichs?

Dr. Ploss: International sehe ich bei diesem Thema Europa in einer ähnlich paradoxen Situation wie in anderen Bereichen der Digitalisierung. Während es exzellente Forschung hierzulande gibt, sind andere Länder in der wirtschaftlichen Verwertung der Ergebnisse besser und schneller. Aber eigentlich gibt es keinen Grund, warum wir das nicht auch schaffen sollten. Infineon nimmt daher Teil am Innovationsdialog, bei dem Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft die Bundesregierung beraten. Daneben haben wir uns im Expertenrat engagiert, der für die Regierung eine konkrete Roadmap zum Quantencomputing erarbeitet hat. Ich bin überzeugt: Auch im Zeitalter von Quantencomputing können wir Sicherheit bieten.

Joachim Kroll: Herr Dr. Ploss, vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.

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1. Innovationen, auch digitale, sind kein Selbstzweck
2. Europa und die Digitalisierung
3. Herausforderungen bei KI und Quantencomputing

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