Ein Geschäft mit besonderen Anforderungen Lukrativ: Leistungselektronik für Solarwechselrichter

Joachim Fietz, Vincotech: »Aus Sicht des Leistungselektronik-Spezialisten ist der Solarinverter-Markt extrem volatil, oft wissen unsere Kunden auch vier Wochen im Voraus nicht, was auf sie zukommt. Vincotech hat sich daher die Themen „Speed and Flexibility“ auf die Fahne geschrieben.«
Joachim Fietz, Vincotech: »Aus Sicht des Leistungselektronik-Spezialisten ist der Solarinverter-Markt extrem volatil, oft wissen unsere Kunden auch vier Wochen im Voraus nicht, was auf sie zukommt. Vincotech hat sich daher die Themen „Speed and Flexibility“ auf die Fahne geschrieben.«

Mehr als 30 Prozent seines Jahresumsatzes, der 2011 bei etwa 80 bis 90 Mio. Euro liegen wird, erzielt Vincotech mit Applikationen im Solarwechselrichterbereich. Ein extrem volatiler Anwendermarkt, der, wie Vincotech-CEO Joachim Fietz erläutert, ein hohes Maß an Flexibilität und Schnelligkeit erfordert.

Als Leistungs-Modul-Spezialist bedienen Sie neben Industrie-Kunden seit einigen Jahren auch Hersteller von Solarinvertern. Wie hoch ist der Anteil dieses Geschäfts, und wie stark ist es Schwankungen unterworfen?

Joachim Fietz: Wir sind stark im Photovoltaik-Bereich engagiert, und für die Photovoltaik war 2011 bislang ein schwieriges Jahr. Durch die Dynamik am Markt hat die Pull-In- und Push–Out-Thematik stark zugenommen. Da hieß es erst »Rein in die Pantoffeln und dann ganz schnell wieder raus aus den Pantoffeln« Zuerst brauchten die Händler auf einmal die doppelte und dreifache Menge des ursprünglichen Forecasts, vier Wochen später hieß es dann, eigentlich brauchen die Händler überhaupt nichts mehr, am liebsten würden sie gar nicht mehr abnehmen wollen, was sie eben noch bestellt hatten. Mit diesen extremen Schwankungen haben unsere Kunden, die Solarwechselrichter herstellen, natürlich extrem zu kämpfen. Wir haben dann versucht, Material, das schon fix bestellt war, doch noch zeitlich zu verschieben, und Fertigungskapazitäten, die wir reserviert hatten, mit anderen Produkten auszulasten.

Wie muss man sich die Liefersituation in der Hochphase des letzten Jahres und zu Beginn dieses Jahres im Leistungshalbleiter-Bereich vorstellen?

In manchen Fällen mussten wir Komponenten mit einer Vorlaufzeit von 40 Wochen bestellen, das hat sich inzwischen natürlich wieder geändert. Aber diese Leadtimes waren der Rahmen, den wir unseren Kunden kommuniziert haben und nur vor diesem Hintergrund konnten wir ihre Aufträge bedienen. Natürlich ist diese Auftragslage letztlich nur virtuell. Aber durch die Situation am Markt, wurde die komplette Lieferkette gezwungen, Bestellungen für einen Zeitraum abzugeben, der eigentlich nicht seriös überblickbar ist. Je näher dann der wirkliche Lieferzeitpunkt kommt, desto mehr muss man dann mit entsprechenden Push-Out- und Pull–In-Maßnahmen auf die wirklichen Bedarfe der Kunden reagieren.

Es soll im letzten Jahr und auch noch zu Beginn 2011 durchaus Lieferanten gegeben haben, die Kunden ohne Forecast ganz einfach nicht beliefert haben. Wäre das in Ihrem Fall vorstellbar?

Das Photovoltaik-Geschäft war und ist sehr spannend. Wir haben uns diesen Absatzmarkt ja bewusst ausgewählt und uns in diesem Zusammenhang auch die Maximen »Speed und Flexibility« auf die Fahnen geschrieben. Das gilt nicht nur für Aufschwungphasen, sondern auch für Zeiten, wenn das Pendel mal in die andere Richtung schwingt. Da können wir dann, wenn es mal schwierig wird, nicht anfangen, uns wie ein Großunternehmen zu verhalten und dem Kunden sagen, du hast das aber zu dem und dem Zeitpunkt so bestellt. Marktschwankungen können nicht immer nur in eine Richtung gehen, unsere Aufgabe besteht eben auch darin, diese Bedarfsschwingungen sowohl für den Kunden als auch für uns auszutarieren.

Sie sprachen davon, dass das Photovoltaik-Geschäft für einen Leistungsmodul-Hersteller sehr volatil ist. In welcher Umsatzspannbreite bewegt sich der Photovoltaik-Umsatz für Sie?

Unser Photovoltaik-Geschäft ist sehr volatil. Ich erwarte, dass es im 1. Quartal sehr klein sein wird, vielleicht kaum über 10 Prozent des Umsatzes. Das ist aber nicht beunruhigend, das gehört zur Tradition in diesem Markt. Im Winter werden eben kaum Anlagen montiert. In den drei verbleibenden Quartalen, kann der Anteil der Photovoltaik an unserem Gesamtumsatz aber durchaus bis auf 50 Prozent hochgehen, da ist dann erfahrungsgemäß alles möglich.