Schwerpunkte

Weltweiter Leistungshalbleitermarkt

Wachstumssieger IGBT

13. April 2017, 08:36 Uhr   |  Engelbert Hopf

Nach den Rückschlägen des Jahres 2015 konnte die Leistungshalbleiterbranche im Vorjahr die Kerbe auswetzen und die Umsatzrückgänge des Jahres 2015 in fast allen Bereichen ausgleichen.

Richard Eden, IHS.jpg
© IHS Markit Technology

Richard Eden, IHS Markit Technology: »Mit einem Umsatzwachstum von 8 Prozent wies der IGBT-Bereich im Vorjahr das höchste Wachstum auf. MOSFETs, Rectifier und Thyristoren lagen jeweils bei rund 5 Prozent. In Summe erwarten wir für die Leistungshalbleiterbranche 2017 ein Wachstum von 4,9 Prozent.«

Bis 2020 kann die Branche, nach Einschätzung der Analysten von IHS Markit Technology, voraussichtlich mit konstanten mittleren einstelligen Wachstumsraten rechnen.

Auch wenn nicht alles Gold war, was glänzte: Bezogen auf das große Ganze, war das Jahr 2016 ein gutes Jahr für die Leistungshalbleiterbranche, und das nicht nur im Vergleich zum von Einbrüchen gekennzeichnete Vorjahr 2015. Wie Richard Eden, Senior Analyst für Leistungshalbleiter beim Marktforschungsunternehmen IHS Markit Technology, erläutert, wuchs der Gesamthaltleitermarkt im Vorjahr um 1,8 Prozent. Im Vergleich dazu fiel das Plus bei Leistungshalbleitern mit 2,8 Prozent etwas deutlicher aus.

Diese positive Marktentwicklung scheint sich fortzusetzen: Für 2017 erwartet Eden ein Wachstum von 4,9 Prozent im Bereich Leistungshalbleiter, »nach unseren bisherigen Einschätzungen liegt jedes Quartal dieses Jahres um rund 5 Prozent über dem des Vorjahres«. Auf diesem Niveau scheint es in etwa auch weiterzugehen. Für 2018 liegt die Prognose von IHS bei 4,9 Prozent. Mit 6 Prozent klettert sie im Folgejahr sogar noch etwas höher, um dann 2020 einen Wert von 5,2 Prozent zu erreichen.

Doch bevor der Blick in die Zukunft schweift, noch einmal ein Blick zurück auf die Basis, von der das Wachstum des Jahres 2016 ausging: Das Jahr 2015 war wahrlich kein Freudenjahr für die Leistungshalbleiterbranche. Der Branchenumsatz sank gegenüber 2014 um 4,3 Prozent. Die Gründe dafür waren vielfältig, unter anderem der unerwartet starke Rückgang im Computerbereich, aber auch die Turbulenzen der chinesischen Börsen- und Marktentwicklung. Im Vorjahr nun gelang es, diese Dellen im Wesentlichen auszubügeln. So erhöhten sich die Leistungshalbleiter-Verkäufe im Industrie-Segment um 3 Prozent. Damit wurde der Einbruch von –3,7 Prozent im Jahr 2015 fast ausgeglichen. Der Automotive-Markt war 2015 nur in geringem Umfang in Mitleidenschaft gezogen worden, bedingt vor allem durch den gegenüber dem Euro und dem Yen steigenden Dollar. Im Jahr 2016 legten die Leistungshalbleiter-Verkäufe im Automotive-Bereich nun um 5,7 Prozent zu.

Mit 6,9 Prozent wies im Vorjahr der kleinste Anwendungsmarkt, Wired Communications, das größte Wachstum gegenüber dem Vorjahr auf. Zurückzuführen ist das laut Eden auf einige große Date-Center-Aufträge und gestiegene Server-Verkäufe. Nur der Bereich „Wireless Communication“ musste gegenüber 2015 einen leichten Umsatzrückgang von –1,1 Prozent hinnehmen. Laut den Marktforschern liegt das an einer geringeren Anzahl von neu installierten Base-Stations und einem unter dem Eindruck der Samsung-Probleme schwächelnden Handy-Markt.

Bei der Betrachtung der Entwicklung in den regionalen Märkten fällt auf, dass China, nach einem leichten Rückgang um 0,5 Prozent im Jahr 2015, im letzten Jahr bei den Leistungshalbleiter-Umsätzen wieder um 4,2 Prozent zulegen konnte. China baut damit seine bereits seit Jahren bestehende Position als weltweit größter Absatzmarkt für Leistungshalbleiter weiter aus. In den USA setzte sich die Markterholung der letzten Jahre weiter fort und schlug sich in einem Wachstum der Leistungshalbleiter-Umsätze von 3,7 Prozent nieder. Unterstützt wurde dieses Wachstum vom erstarkenden Dollarkurs.

In Europa wuchs der Umsatz mit Leistungshalbleitern nach Angaben von Eden im Vorjahr um 4,1 Prozent. Gleichwohl nahmen die Stückzahlen stärker zu als die Dollarumsätze, was vor allem dem schwachen Euro geschuldet war. In Japan erhöhte sich der Umsatz mit Leistungshalbleitern 2016 um 1 Prozent. Südkorea legte um 4,1 Prozent zu, nur für Taiwan stellten die Analysten von IHS einen Rückgang um 0,2 Prozent gegenüber 2015 fest.

Auf einzelne Produktgruppen heruntergebrochen, ergeben sich für 2016 durchaus verschiedene Marktentwicklungen. So wuchsen Power-Management-ICs im Vorjahr nach Angaben von IHS um 1,8 Prozent. Mit verantwortlich für dieses gedämpfte Wachstum dürften vor allem die Probleme mit dem Samsung S7 und dem daraus resultierenden Rückruf gewesen sein. Zwar haben andere Handy- und Smartphone-Hersteller versucht, diese Lücke zu schließen, aber über das dafür notwendige Stückzahlvolumen verfügen nur die wenigsten. Hinzu kommt, dass nach Angaben von Eden der Absatz von Data Processing Equipment wie Laptops und Desktops geringer ausfiel, als ursprünglich erwartet.

Der Gewinner des letzten Jahres, da sind sich die Marktforscher von IHS sicher, ist der IGBT. Für diesen Bereich ermittelten sie ein Umsatzplus von 8 Prozent für 2016. Damit wäre der Umsatzeinbruch von 8,9 Prozent im Jahr 2015 fast wieder ausgeglichen. Bei den Wachstumszahlen für MOSFETs, Rectifiers und Thyristoren haben die Marktforscher ein Wachstum von jeweils rund 5 Prozent ermittelt. Das kleinste Wachstum wiesen 2016 die Bipolar-Transistoren auf: Sie konnten nur um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegen.

Angesichts der Tatsache, dass die Marktforscher für den gesamten Halbleitermarkt von 2018 bis 2020 von einem stabilen mittleren einstelligen Wachstum ausgehen und sich dabei vor allem auf das Wachstum in den Bereichen Industrie, Automotive und drahtlose Infrastruktur stützen, dürfte die Leistungshalbleiterbranche mit ihren Hauptanwendungsbereichen Industrie, Consumer, drahtlose Kommunikation, Automotive, Data Processing und drahtgebundene Kommunikation von dieser prognostizierten Entwicklung im vollen Umfang profitieren.

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