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Europas KI-Strategie

Künstliche Intelligenz jenseits der Cloud

29. August 2019, 09:30 Uhr   |  Iris Stroh

Künstliche Intelligenz jenseits der Cloud
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Eine Studie von PwC bescheinigt den europäischen Halbleiterherstellern bei KI-Chips einen erheblichen Nachholbedarf im Vergleich zu den US-amerikanischen und asiatischen Wettbewerbern.

Aus Sicht von Infineon und NXP ist dieser Vorwurf jedoch nicht gerechtfertigt, wie die Unternehmen auf Nachfrage von Markt&Technik erklärten. Vielmehr verfolge Europa bei KI-Bausteinen eine eigene Strategie, die deutlich von der des Wettbewerbs abweiche. »Unsere Chance ist Edge- bzw. Embedded-KI«, betont Professor Wolfgang Ecker, Senior Principal Engineer bei Infineon Technologies und Mitglied der Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz“ des Deutschen Bundestages.
Konkret sollen die ohnehin vorhandenen Kompetenzen etwa in den Bereichen Automotive, Maschinenbau, Automatisierung oder funktionale Sicherheit um KI-Lösungen erweitert werden. Entsprechende Bausteine unterliegen jedoch einem ganz anderen Anforderungsprofil als KI-Chips für Cloud-Lösungen.

Während bei diesen vor allem eine enorme Rechenleistung gefragt ist, rücken bei Edge-Anwendungen andere Faktoren in den Vordergrund. Dazu gehören etwa die Leistungsaufnahme, der Speicherbedarf oder auch die Integrierbarkeit analoger Schnittstellen zu Sensoren sowie von Leistungselektronik für Aktoren.
Ecker sieht eine Stärke Europas gerade in den für solche Zielsetzungen sinnvollen „More than Moore“-Prozessen. Bei den für Cloud-KI-Chips erforderlichen Halbleitertechnologien mit kleinsten Strukturen hätten die Wettbewerber eindeutig die Nase vorn, aber von diesen Technologien hat sich die europäische Halbleiterindustrie schon vor Jahren verabschiedet, und das aus gutem Grund. Dementsprechend erklärt Ecker weiter: »Grob geschätzt würde es etwa zehn Jahre dauern, bis Europa in diesem Bereich überhaupt konkurrenzfähig sein könnte.« Aber: Für anwendungsnahe Edge- bzw. Embedded-KI komme es auf Halbleiterprozesse an, die niedrige Standby-Power mit kostengünstigen Speichertechniken sowie einer guten Eignung für analoge Lösungen vereinen. Und da wiederum sei Europa führend.

Bei NXP sieht man das ganz ähnlich. In Europa werde der Schwerpunkt der Innovationen auf der Weiterentwicklung etwa von KI-Beschleunigern in Edge-Devices liegen, so Lars Reger, CTO von NXP Semiconductors. Es gehe nicht darum, unbegrenzte Rechenleistung bereitzustellen oder neue riesige Rechenzentren zu bauen. »Stattdessen wird sich die Wertschöpfung der europäischen Industrie auf die Entwicklung von KI-Lösungen in Edge-Umgebungen sowie die Realisierung einer angemessenen Sicherheit für maschinelles Lernen konzentrieren.«
Die vollständigen Stellungnahmen von Infineon und NXP sind auf www.markt-technik.de/KI_in_Europa zu finden. Darüber hinaus beschäftigt sich unser Thema der Woche ab S. 20 mit weiteren Aspekten der künstlichen Intelligenz.

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