Organische Elektronik in Sachsen Kleine Unternehmen, großes Know-how

Mit der organischen Elektronik ist ein neuer Branchenzweig der sächsischen Mikroelektronik herangewachsen, der derzeit der größte in Europa ist. Es gibt völlig neue Produkte, junge Unternehmen, die weltweit führend auf ihrem Gebiet sind und vor allem steigende Mitarbeiterzahlen. Ein Einblick in die Szene von Herstellern, Zulieferern und Forschungseinrichtungen vor Ort.

Zuletzt stand mit Plastic Logic ein Unternehmen des sächsischen Clusters für organische Elektronik besonders im Licht der Öffentlichkeit. Zur Erinnerung: Im August hatte die Geschäftsführung überraschend mitgeteilt, das elektronische Lesegerät »Que« nicht mehr auf den Markt bringen zu wollen und stattdessen ein Nachfolgeprodukt zu entwickeln. Die Einführung des A4-großen »Que« mit Schwarz-Weiß-Display hatte sich zu lange hinausgezogen und so kam es, wie es manchmal kommt: der Wettbewerb zog über Nacht an dem Gerät vorbei, das als Lesegerät für Zeitungen und Geschäftsunterlagen gedacht war. Allen voran Apple mit seinem iPad, das sich im Laufe des Jahres zum absoluten Verkaufs-Hit entwickelte.  

Die Rettung für Plastic Logic kam schließlich im November aus Russland, vom staatlichen Unternehmen Rusnano, das in Projekte und Unternehmen investiert, die für die technische Entwicklung des Landes als relevant angesehen werden.

Rusnano wird zusammen mit anderen Investoren einen gewaltigen Betrag in Plastic Logic stecken, wobei ein großer Teil der insgesamt 700 Millionen Dollar für eine neue und größere Fab im russischen Zelenograd vorgesehen ist. Dort soll schon ab 2014 die Massenfertigung von Displays auf Basis der organischen Transistoren von Plastic Logic beginnen. Aber auch in Dresden wird es weitergehen. So soll in diesem Jahr ein zweistelliger Millionenbetrag in neue Ausrüstung und den Ausbau der Fab investiert werden. Über das Nachfolgeprodukt hält sich das Unternehmen derzeit bedeckt.

Plastic Logic steht beispielhaft für einen Teil der Entwicklung in der organischen Elektronik Sachsens. Es ist der Teil einer kleinen Szene von jungen Start-up-Unternehmen, die ein völlig neues Verfahren für völlig neue Produkte entwickelt haben und damit versuchen erfolgreich zu sein. Im Gegensatz zum internationalen Unternehmen Plastic Logic sind die meisten Start-ups zwar lokale Eigengewächse aber sie haben ähnlich spannende Produkte und befinden sich in ähnlichen Entwicklungsphasen. Sie stehen ganz am Anfang und sind daher zumeist noch von Investoren oder Förderprojekten abhängig.

Die effizienteste organische Solarzelle

Da ist zum Beispiel Heliatek. Das 2006 gegründete Unternehmen setzt auf organische Solarzellen, die auf einfacher PET-Folie aufgebracht sind. Seltene Erden braucht die Herstellung nicht. Beim Wirkungsgrad dieses Typs hält Heliatek schon jetzt mit 8,3 Prozent den Weltrekord. 2012 will das Unternehmen bereits die Serienfertigung starten.

Eine Phase weiter ist Novaled, Spezialist für die Dotierung organischer Halbleiter.
Das 2003 gegründete Unternehmen ist ähnlich wie Heliatek eine Ausgründung der TU Dresden und des Fraunhofer-Instituts für Photonische Mikrosysteme (IPMS). Seine OLED-Materialien und sein Fertigungs-Know-how verkauft Novaled mittlerweile weltweit. Nach einem kräftigen Umsatzanstieg 2010 erwartet das Unternehmen in diesem Jahr erstmalig einen Gewinn.

Neben dieser kleinen aber aktiven Start-up-Szene zeigt die gewaltige Investition von Rusnano in Plastic Logic aber auch, dass die organische Elektronik an Bedeutung gewinnt, denn noch nie ist so viel Geld in diesen Bereich geflossen. Von 2001 bis 2009 wurden »gerade einmal« 127 Millionen Euro in die sächsischen Unternehmen, Institute und Projekte investiert, die sich mit der organischen Elektronik befassen.

Diese steigende Bedeutung lässt sich auch an der Entwicklung der Mitarbeiter feststellen, wie aus den Zahlen des 2008 gegründeten Vereins »Organic Electronics Saxony« hervorgeht. Zu  dem Verein gehören 22 Hersteller, Zulieferer und Forschungseinrichtungen mit insgesamt 728 Mitarbeitern in der organischen Elektronik (Stand 2009). Diese Zahl soll bis 2015 auf 2.100 wachsen und sich damit verdreifachen. Dass das keine Wunschvorstellungen sind lässt ein Blick auf die derzeit offenen Stellenangebote von Plastic Logic, Novaled oder Heliatek erkennen.

In der organischen Elektronik scheint das gut zu klappen, womit der gesamte Halbleiterstandort Sachsen eine Zeit lang Probleme hatte. So gab es eine große Basis an Forschung & Entwicklung aber verhältnismäßig wenige Neugründungen von Unternehmen. Neben einer Verbesserung der Frühförderung fällt speziell in der organischen Elektronik  immer wieder die Rolle eines Mannes auf: die von Prof. Dr. Karl Leo, dem Leiter des Instituts für Angewandte Photophysik (IAPP) und des Fraunhofer-Instituts für Photonische Mikrosysteme. Er war bei vielen Ausgründungen dabei und ohne ihn, so ist immer wieder zu hören, gäbe es diesen Standort in der jetzigen Form nicht.

So sind nicht zuletzt auf Leos Initiative in den letzten Jahren eine Handvoll neuer Unternehmen als Ausgründung der TU Dresden oder des IPMS entstanden. Auch die größten von ihnen, Novaled und Heliatek gehören dazu. Davon profitieren wiederum die Zulieferer, kleine Ingenieurbüros und die Attraktivität des Standortes für ausländische Unternehmen.

Zu den Zulieferern, die von den neuen Unternehmen der organischen Elektronik profitieren gehört zum Beispiel 3D-Micromac aus Chemnitz. Der Mittelständler ist auf die Laser-Strukturierung in mehreren Industriezweigen spezialisiert. Bei der organischen Elektronik übernimmt 3D-Micromac etwa die Strukturierung der Anoden-Schicht von OLEDs oder die Strukturierung organischer Solarzellen. Der Vorteil gegenüber dem Ätzverfahren bei anorganischen Solarzellen ist, dass bei der Herstellung keine giftigen Chemikalien benötigt werden.

Weitere Zulieferer, die sich speziell auf die Beschichtung organischer Schichten im Vakuum spezialisiert haben sind etwa der etablierte Anlagenbauer von Ardenne oder auch ganz neue Unternehme wie Dresden Thin Film Technology (DTF) oder Creaphys.