Interview mit Dr. Helmut Gassel Infineons 300-mm-Dünnwafer-Projekt in Dresden läuft nach Plan

Dr. Helmut Gassel, Division President Industrial Power Control (IPC): »Wir werden das zusätzliche Volumen der 300-mm-Dünnwafer-Fertigung in Dresden ab 2016 ausschließlich durch zusätzliches Wachstum füllen.«
Dr. Helmut Gassel, Division President Industrial Power Control (IPC): »Wir werden das zusätzliche Volumen der 300-mm-Dünnwafer-Fertigung in Dresden ab 2016 ausschließlich durch zusätzliches Wachstum füllen.«

Ab 2016, so Dr. Helmut Gassel, Division President Industrial Power Control (IPC), werde Infineon in Dresden IGBTs auf 300-mm-Dünnwafern in Serie produzieren. Zudem fragten wir ihn, was das Unternehmen zur PCIM Europe vorstellen wird und wie die Integration von International Rectifier läuft.

Herr Dr. Gassel, die Integration von International Rectifier schreitet voran. Wie groß in etwa wird der Anteil sein, den Ihre Unternehmenseinheit im Zuge dieses Prozesses von International Rectifier erhält?

Dr. Helmut Gassel: International Rectifier war in fünf Business-Units unterteilt, und IPC wird den Bereich integrieren, der sich »Energy Saving Products« nannte. Dazu gehören unter anderem IGBTs, IPMs und die »iMotion«-Plattform. In Summe dürfte das in etwa 20 Prozent des bisherigen Umsatzes von International Rectifier ausmachen.

Besteht in diesem Bereich eine hohe Überlappung der Produktportfolios, und in welchem Bereich sehen Sie eine besondere Stärkung der Marktstellung von Infineon durch die Akquisition?

Naturgemäß sind beide Marken in ihren jeweiligen Heimatmärkten besonders stark. In Asien sehe ich uns und International Rectifier bei den jeweiligen relativen Anteilen in etwa gleichauf. Deutliche Unterschiede gibt es in der Art, wie die Produkte an den Kunden gebracht werden. Während International Rectifier etwa zwei Drittel des Geschäfts über die Distribution gehandhabt hat, ist es bei uns genau anders herum. Im IGBT-Bereich liegt die Stärke von IR zudem im Bereich von 600 bis 1200 V. Applikationsbezogen ist IR vor allem im Home-Appliance-Markt führend, wir sind es im Industriebereich. Selbst im Home-Appliance-Markt, in dem wir auch tätig sind, gibt es geringe Überschneidungen. So ist International Rectifier im Bereich Antriebe stark, wir sind es bei Inductive Heating. Aus meiner Sicht ergibt sich daraus eine sehr gute Ergänzung mit einer minimalen Überlappung.

Unabhängig davon gibt es doch einzelne Linien, die zueinander in Konkurrenz stehen. Wird man sich in solchen Fällen für die Weiterführung nur einer Linie entscheiden?

Letztlich wird die weitere Akzeptanz am Markt zeigen, welche Linien in einem solchen Fall von den Anwendern präferiert werden. Die Entscheidungsprozesse hierzu sind bei uns also noch im Gange. Wir werden aktiv keine Produktlinien abkündigen.

Wie verteilt sich aktuell der Umsatz Ihres Geschäftsbereichs im Hinblick auf die Weltregionen und auf die wichtigsten Anwendungsbereiche?

Wir erwirtschaften rund 50 Prozent unseres Umsatzes in Asien inklusive Japan. Auf Europa entfallen 40 Prozent des Umsatzes und auf den im Vergleich dazu wesentlichen kleineren US-Markt die restlichen 10 Prozent. Unser wichtigster Abnehmermarkt ist der Bereich Industrieantriebe mit einem Anteil von 40 bis 45 Prozent. Erneuerbare Energien in Form von Wind und Photovoltaik rangieren mit rund 20 Prozent auf Rang 2. Auf Platz 3 folgt der Bereich Home Appliances. Hier profitieren wir ganz klar von der kontinuierlich fortschreitenden Inverterisierung der Braunen und Weißen Ware. Der Bereich Traktion, also alles, was auf Schienen unterwegs ist, steuert rund 10 Prozent zum Markt bei.

Dr. Helmut Gassel: International Rectifier war in fünf Business-Units unterteilt, und IPC wird den Bereich integrieren, der sich »Energy Saving Products« nannte. Dazu gehören unter anderem IGBTs, IPMs und die »iMotion«-Plattform. In Summe dürfte das in etwa 20 Prozent des bisherigen Umsatzes von International Rectifier ausmachen.

Wie verteilt sich aktuell der Umsatz Ihres Geschäftsbereichs im Hinblick auf die Weltregionen und auf die wichtigsten Anwendungsbereiche?

Wir erwirtschaften rund 50 Prozent unseres Umsatzes in Asien inklusive Japan. Auf Europa entfallen 40 Prozent des Umsatzes und auf den im Vergleich dazu wesentlichen kleineren US-Markt die restlichen 10 Prozent. Unser wichtigster Abnehmermarkt ist der Bereich Industrieantriebe mit einem Anteil von 40 bis 45 Prozent. Erneuerbare Energien in Form von Wind und Photovoltaik rangieren mit rund 20 Prozent auf Rang 2. Auf Platz 3 folgt der Bereich Home Appliances. Hier profitieren wir ganz klar von der kontinuierlich fortschreitenden Inverterisierung der Braunen und Weißen Ware. Der Bereich Traktion, also alles, was auf Schienen unterwegs ist, steuert rund 10 Prozent zum Markt bei.

Infineon und International Rectifier: Was sagen andere Marktteilnehmer?

Insgesamt 3 Milliarden Dollar war Infineon Technologies im letzten Jahr die Übernahme von International Rectifier wert. Nach der Übernahme liegt der Marktanteil von Infineon am stark fragmentierten Leistungshalbleitermarkt laut IHS Technology nun bei fast 18 Prozent. Im MOSFET-Bereich hat das Unternehmen laut IHS nun sogar einen Marktanteil von 25 Prozent erreicht.

Doch ergibt 1 + 1 wirklich 2? Für Jonathan Harper, Regional Technical Marketing Manager High Voltage and Industrial bei Fairchild Semiconductor, sind beide Unternehmen nach wie vor zwei sehr aktive Mitbewerber, »da hat sich bis vor kurzem nichts geändert, beide Unternehmen sind noch getrennt am Markt aufgetreten«. Ähnlich sieht das Harald Kasteleiner, Section Manager Power & Sensor Solutions bei Glyn: »Wir haben noch nichts von einer größeren Marktmacht bemerkt, vielleicht ist es dafür aber auch noch zu früh, und das größere Momentum macht sich erst in der zweiten Jahreshälfte am Markt bemerkbar.« Er ist auch überzeugt davon, dass die Produktbereinigungen im Rahmen der Integration noch nicht abgeschlossen sind: »Man darf gespannt sein, welche Rosinen sie sich herauspicken.«

Das dürfte nach Einschätzung von Wolfgang Ademmer, Vice President High-Power Products bei Power Integrations, vor allem darauf zurückzuführen sein, »das Infineon noch voll und ganz damit beschäftigt ist, International Rectifier zu integrieren«. Schließlich gebe es im Bereich Low-Voltage MOSFETs einen harten Overlap, »das müssen die geregelt bekommen«. Mit Interesse verfolgt er die Aktivitäten im Bereich IGBT-Treiber. »Da ist ein sehr breites Angebot entstanden, das von ganz kleinen Leistungen mit Junction-isolierten Treibern bis zur Magnet-Koppler-Technologie von Infineon reicht«, erläutert er, »das dürfte noch weiter ausgebaut werden und damit zu einem starken Wettbewerber werden, etwa für Avago Technologies«.