ZVEI-Prognose Halbleitermarkt wächst 2010 um 13 Prozent

Die Krise ist vorbei: Der weltweite Halbleitermarkt wächst in diesem Jahr – konservativ geschätzt – um 18 Prozent. Deutschland hinkt etwas hinterher. Hierzulande sollen es aber immerhin noch 13 Prozent werden, schätzt der ZVEI.

Die Wirtschaftskrise 2008/2009 wird in die Analen der Halbleiterei eingehen, denn innerhalb von sechs Monaten folgte auf den stärksten Einbruch in der Geschichte dieser Industrie der rasanteste Aufschwung, den es bislang gegeben hat. Mittlerweile hat sich die Situation wieder halbwegs normalisiert und Dr. Ulrich Schaefer, Vorsitzender der Fachgruppe Halbleiter Bauelemente im ZVEI-Fachverband Electronic Components and Systems, ist überzeugt, dass sich die Halbleiterindustrie wieder auf dem langfristigem Stückzahlwachstumspfad von 9 Prozent befindet.

Das ist auch der Grund, warum das Jahr 2009 nicht so schlecht ausfiel, wie Anfangs befürchtet. »Im März letzten Jahres gingen wir noch von einem vierzigprozentigem Umsatzrückgang aus und damals wurde ich sogar gefragt, ob dies realistisch sei, sprich ob wir nicht mit einem noch stärkeren Rückgang rechnen müssen«, erzählt Schaefer. Die rasante Erholung führte dazu, dass weltweit der Halbleiterumsatz um 9 Prozent auf etwas über 226 Milliarden Dollar zurrückging. Im laufenden Jahr erwartet Schaefer ein zweistelliges Umsatzwachstum um 18 Prozent auf circa 267 Milliarden Dollar, womit der maximale Umsatz der Branche im Jahr 2007 von knapp über 255 Milliarden Dollar schon im Jahr 2010 übertroffen wird. Diese Entwicklung werde nahezu gleich von den Segmenten ICs mit 18 Prozent, Opto-Halbleiter mit 18 Prozent sowie Diskrete Bauelemente mit 17 Prozent getragen. Einzig der Bereich Sensoren/Aktuatoren werde mit einer Umsatzzunahme von knapp einem Drittel weltweit überdurchschnittlich stark wachsen.

Der deutsche Halbleitermarkt hinkt diesem Trend etwas hinterher und wächst in diesem Jahr voraussichtlich um 13 Prozent auf knapp acht Milliarden Euro. Dr. Schaefer erläutert, das Wachstum werde gestützt durch einen Umsatzanstieg von 15 Prozent bei den Diskreten Bauelementen, Opto-Halbleiter und Sensoren/Aktuatoren sowie von zwölf Prozent bei IC. Im vergangenen Jahr war der Halbleitermarkt um 24,6 Prozent auf knapp sieben Mrd. Euro zurückgegangen. Auf Dollar-Basis betrug der Umsatzrückgang minus 30 Prozent.

In Deutschland reduzierte sich 2009 der Umsatz bei den Produktsegmenten »Diskrete Bauelemente, Opto-Halbleiter und Sensoren/Aktuatoren« um 18,5 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro, nach einer Stagnation im Jahr 2008. Für das Jahr 2010 wird ein Umsatzwachstum für diesen Bereich von 15 Prozent erwartet. Mit einem Umsatzrückgang von 26,4 Prozent verzeichneten die ICs im Jahr 2009 auch in Deutschland einen sehr starken Absatzeinbruch. Für 2010 erwartet der ZVEI für diese ein Umsatzwachstum von 12 Prozent.

»Aufgrund der Weltwirtschaftskrise hat sich die Entwicklung im Abnehmersegment Automotive im Jahr 2009 stark verschlechtert«, berichtet Dr. Schaefer nicht wirklich überraschendes. Der Umsatz ging 2009 um 31 Prozent zurück. Die sogenannte Abwrackprämie konnte hierbei noch Schlimmeres verhindern. Durch diese vergrößerte sich jedoch der Klein- und Mini-Kraftfahrzeuge-Marktanteil mit geringerem Umsatz und Elektronikanteil pro Fahrzeug, wohingegen die größeren Fahrzeugklassen Marktanteile verloren haben. Hierdurch hat sich der Automotive-Marktanteil in Deutschland um drei Prozentpunkte auf 35 Prozent verringert. »Trotzdem muss deutlich herausgestellt werden, dass das Automotive-Segment in Deutschland in den letzten 12 Jahren mit 14 Prozent Wachstum des Marktanteiles am stärksten hinzugewonnen hat«, so Dr. Schaefer.

Einen ebenfalls starken Umsatzeinbruch von 21 Prozent verzeichnet für 2009 die Datentechnik, nach einem ähnlich starken Einbruch von 17 Prozent im Vorjahr. Trotz dieses Einbruches gewinnt diese einen Marktanteil von einem Prozentpunkt und liegt nun bei 30 Prozent. Gleichermaßen hat die Industrieelektronik – trotz einer Reduzierung des Umsatzes in 2009 von ebenfalls 21 Prozent – ihren Marktanteil um einen Prozentpunkt auf 21 Prozent gesteigert. Der Marktanteil des Segments Kommunikation ist in 2009 mit bei einem Umsatzrückgang von 20 Prozent von zehn auf elf Prozent gestiegen. Die trotz der starken Umsatzreduzierung gewonnenen Marktanteile der Segmente Datentechnik, Industrieelektronik sowie Kommunikation basieren dabei hauptsächlich auf dem extremen Umsatzeinbruch im Automotive-Bereich. Die Konsumelektronik behält trotz eines Umsatzverlustes von 20 Prozent ihren Marktanteil von drei Prozent.

»Die Zahlen zeigen, dass weiterhin die Bereiche Automotive, Datentechnik und Industrieelektronik die drei Stützpfeiler des deutschen Halbleitermarktes darstellen«, so Dr. Schaefer. Das Kommunikationssegment, einer der früheren Stützpfeiler, verliere hingegen immer mehr an Bedeutung. Trotz des sehr starken Markteinbruchs bleibe die Automobilelektronik mit 35 Prozent Marktanteil das stärkste Segment in Deutschland. Die Datentechnik als zweitstärkster Bereich liegt in den letzten 12 Jahren nahezu konstant bei circa 30 Prozent Marktanteil. Der Marktanteil des dritten Stützpfeilers Industrieelektronik ist im gleichen Zeitraum um acht Prozentpunkte auf 21 Prozent gestiegen. Im Gegensatz hierzu hat die Kommunikationstechnik mit einem Marktanteil von heute elf Prozent in den letzten zwölf Jahren 18 Prozentpunkte abgegeben. Abgeschlagen auf den letzten Platz kommt die Konsumelektronik mit drei Prozent Marktanteil.