Kommentar Drohendes Verbot von Indiumphosphid: Einmischen lohnt sich!

Dass der III-V-Verbundhalbleiter Indiumphosphid praktisch auf der »Schwarzen Liste« Europas (Substances of Very High Concern, SVHC) gelandet ist, hat die Industrie offenbar aufgerüttelt. Jetzt hat sie reagiert.

Hersteller und Anwender von Substanzen, die zu den III-V-Halbleitern gehören, haben sich in einer Arbeitsgruppe, der IMAT (Innovative Materialien für nachhaltige High-Tech-Elektronik, Photonik und andere relevante Industrien), zusammengeschlossen, um dafür zu sorgen, dass die Klassifikationsverfahren des RAC endlich nach wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt werden. Aus aktuellem Anlass konzentriert sich das IMAT zunächst auf die III-V-Halbleiter, grundsätzlich kümmert sich die IMAT aber um alle Substanzen, die das RAC untersucht.

Denn hier ist bisher einiges schief gelaufen: Die EU-Behörden, die potenziell gefährliche Stoffe untersuchen sollen, stehen unter einem gewissen Druck, zu Ergebnissen zu kommen. Einordnungen von Substanzen, die einem Verbot in Europa gleichkommen, sind da durchaus erwünscht und gelten als positiv zu bewertendes Ergebnis. Bleiben solche Ergebnisse aus, dann fragen gewisse Stellen, wofür solche Aktivitäten bezahlt werden. In den Behörden, die einem solchen Druck ausgesetzt sind, kommt es fast zwangsläufig zu fragwürdigen Verfahren. Wird Kritik an solchen Verfahren laut, dann kann dies zu Abschottungs-verhalten führen - auch und gerade in Organisationen menschelt es.

Dass darunter die Mitarbeiter solcher Organisation ebenfalls leiden, wird oft vergessen. Innerhalb der RAC scheint derzeit eine schlechte Stimmung zu herrschen, die Mitarbeiter sind nicht erfreut darüber, dass sie dazu verdonnert werden, wider besseres Wissen unwissenschaftlich, aber dafür »ergebnisorientiert« arbeiten zu müssen - und bezeichnen sich selber sarkastisch als Fortschrittsverhinderer.

Dass sich das ändert, dazu will das IMAT beitragen. Es will das RAC mit Informationen versorgen, um damit einen freien wissenschaftlichen Austausch zu ermöglichen und Transparenz in die Entscheidungsprozesse zu bringen. Außerdem kommt es darauf an, dass eine vernünftige Risikoabschätzung Einzug hält.  

III-V-Halbleiter - dieser Begriff sagt dem größten Teil der Bevölkerung gar nichts. Nur den Fachleuten ist bekannt, dass Vieles, was für uns heute selbstverständlich ist, ohne III-V-Halbleiter nicht funktionieren würde. Dazu zählen LED-Beleuchtungen, Laser, Handys, WLAN, Radar und die Hochgeschwindigkeitsdatenübertragung. Weil aber nur wenige Firmen III-V-Halbleiter in relativ kleinen Mengen produzieren, sollte ausgerechnet mit ihrer Hilfe wohl ein Exempel statuiert werden.

Deshalb ist es gut, dass die betroffenen Firmen sich nun zusammenschließen und gemeinsam handeln. Denn es geht nicht darum, dass die Industrie aus Profitstreben giftige Materialien in Umlauf bringen will. Es geht um transparente Prozesse, mit deren Hilfe dann wirklich gefährliche Substanzen nicht in Umlauf gebracht werden können. Unsaubere Klassifizierungsprozesse würden schlussendlich das Gegenteil dessen bewirken, was beabsichtigt ist.

Das Beispiel zeigt aber auch: Die EU-Behörden sind nicht so unzugänglich, wie manche behaupten. Allerdings müssen sich die Betroffenen einbringen, was zugegebenermaßen mit etwas Aufwand verbunden ist. Aber er lohnt sich.

Ihr Heinz Arnold