Interview mit Rohm-President Sawamura »Die vertikale Integration ist unsere Differenzierung«

Satoshi Sawamura, Rohm: »Weil wir vom Wafer bis zum fertigen Produkt alle Fertigungsschritte unter Kontrolle haben, können wir eine hohe Qualität und eine gute Rückverfolgbarkeit erreichen.«
Satoshi Sawamura, Rohm: »Weil wir vom Wafer bis zum fertigen Produkt alle Fertigungsschritte unter Kontrolle haben, können wir eine hohe Qualität und eine gute Rückverfolgbarkeit erreichen.«

Ein breites Produktspektrum und außergewöhnliche Fertigungstiefe erlauben es, nicht nur sehr energieeffiziente Einzelkomponenten, sondern komplette Systeme mit hohem Wirkungsgrad zu realisieren, erklärt Satoshi Sawamura, President von Rohm: »Die Strategie der vertikalen Integration werden wir deshalb weiter ausbauen.«

Markt&Technik: Rohm bietet ein sehr breites Produktespektrum an, von digitalen über analoge, diskrete und passive Bauelemente bis zu Modulen und Endprodukten wie LED-Beleuchtungen. Wie passen diese Produkte zusammen, und welche Synergien ergeben sich?

Satoshi Sawamura: Eine der Stärken von Rohm ist es, die verschiedenen Produkte zu durchgängigen Systemen kombinieren zu können. Traditionell ist Rohm führend in den Sektoren analoge ICs, Sensoren und Leistungselektronik. Weil sich Lapis Semiconductor auf die digitalen ICs konzentriert hatte, können wir nun zusammen einen sehr weiten Technologiebereich abdecken.

Es gibt den Trend, diskrete Komponenten auf einem IC monolithisch zu integrieren. Weil aber die Geräte immer mehr diversifizieren und die Anforderungen an die Elektronik sich deutlich unterscheiden, gehe ich davon aus, dass wir auch weiterhin Systeme aus verschiedenen einzelnen Chips und Modulen aufbauen müssen. Deshalb sind wir mit unserem umfangreichen Produktspektrum gut aufgestellt, um solche Systeme und Module aus analogen, digitalen und passiven Komponenten zusammenstellen zu können. So haben wir Leistungsmodule entwickelt, in denen wir ICs und passive Komponenten zusammen mit dem Substrat in einem Gehäuse unterbringen. Außerdem bieten wir Multichipmodule an, auf denen Leistungs-ICs und Transistoren oder Controller, Transistoren und Treiber-ICs genau aufeinander abgestimmt integriert sind. Wir werden diese Strategie, verschiedene Techniken zu kombinieren, noch ausbauen.

Rohm setzt also mehr auf den diskreten Aufbau von Systemen als auf monolithische Integration?

Wir setzen auf beides. Erstens arbeitet Rohm daran, die Energieeffizienz der Einzelkomponenten selber zu verbessern. Zweitens setzen wir stark auf die Module, um den Gesamtwirkungsgrad der Elektronik zu steigern und kleinere Bauformen zu ermöglichen. Wir bieten bereits eine breite Palette an Modulen für den Einsatz in Smartphones und Autos. Genau das erlaubt uns unser breites Produktspektrum: Um etwa eine hocheffiziente Stromversorgung realisieren zu können, sind die gut aufeinander abgestimmten analogen und digitalen ICs, die Leistungshalbleiter und die Module die Voraussetzung. So können energieeffiziente SiC-MOSFETs ihre Vorteile nur ausspielen, wenn die übrige Elektronik genau auf ihre Eigenschaften zugeschnitten ist. Weil der Bedarf an energie-und platzsparenden Systemen steigt, rechnen wir damit, dass die Nachfrage nach unseren SiC-Modulen und nach unseren Modulen für Beleuchtungen stark wachsen wird.

Welchen Anteil am Umsatz erreichen die Module derzeit?

Gegenwärtig generieren die Module rund 10 Prozent des Gesamtumsatzes.

Wird Rohm weiterhin die eigenen Prozesse entwickeln und im eigenen Haus fertigen?

Rohm verfolgt die Strategie der vertikalen Integration: wir führen die Entwicklung, das Design und die Fertigung im eigenen Haus durch. Rohm produziert auch die Wafer selber, die meisten anderen Halbleiterhersteller kaufen sie zu. Wir expandieren sogar noch in Richtung der vertikalen Integration. Weil wir vom Wafer-Ingot bis zum fertigen Produkt alle Fertigungsschritte unter Kontrolle haben, können wir eine hohe Qualität und eine gute Rückverfolgbarkeit erreichen. Außerdem können wir so die Forschung & Entwicklung, die Fertigung, die Prozesstechnik und das Design sehr genau aufeinander abstimmen. Das ist ein wichtiger Differenzierungsfaktor und erlaubt es uns, sehr flexibel zu sein und unseren Kunden sehr schnell neue Produkte zu liefern, die ihnen einen interessanten Mehrwert bieten.

Mit LED-Beleuchtungen bietet Rohm auch Endprodukte an. Entsteht hier nicht Wettbewerb zu den eigenen Kunden?

Seit den 70er-Jahren entwickeln wir LEDs, LED-Treiber, Leistungsmodule und Sensoren und haben diese Komponenten an die Beleuchtungshersteller geliefert. Weil wir im Haus alle Komponenten fertigen, die für die Produktion von Beleuchtungen erforderlich sind, wollen wir mit den Anwendern der Beleuchtungen direkt zusammenarbeiten, um all ihre Anforderungen zu verstehen. Indem wir die LEDs, die Treiber-ICs, die Stromversorgung, die Funkeinheiten und verschiedene Sensoren aufeinander zuschneiden, können wir auch Beleuchtungen für bestimmte Nischen jenseits der konventionellen Produkte selber fertigen. Daraus können wir dann wieder lernen und die Komponenten verbessern, die wir an die Hersteller der konventionellen Beleuchtungen liefern. Deshalb treten wir nicht in Wettbewerb zu unseren Kunden.

Rohm hat 2009 mit Kionix einen Hersteller von MEMS gekauft. Wird Rohm auch im eigenen Hause MEMS entwickeln?

Wir sind überzeugt davon, dass Sensorsysteme, die Bewegung, Helligkeit, Temperatur, Lebensfunktionen und Gerüche erkennen und messen können, künftig Schlüsseltechniken im Umfeld der Elektronik und der Biotechnologie sind. Im Rahmen unserer R&D-Aktivitäten haben wir in diesem Umfeld auch schon selber entwickelt. Über den Zukauf von Kionix haben wir uns Zugang zu einer Technik verschafft, die wir bisher nicht im Hause hatten: Sensoren, die Beschleunigungen auf Basis von MEMS erkennen. Damit zielen wir vor allem auf den Einsatz in Mobiltelefonen und Spielen ab.

Es sieht so aus, als ob Japan künftig in der Energieversorgung den Weg geht, den Anteil der erneuerbaren Energien zu erhöhen. Was kann Rohm zum Umbau des Energiesystems beitragen, der ja auch in anderen Weltregionen stattfindet?

Nach dem großen Erdbeben in Japan bleibt es weiterhin eine Herausforderung, die Energieversorgung des Landes sicherzustellen, und wir müssen Energie sparen. Aber Energie zu sparen und den CO2-Ausstoß zu reduzieren, steht ja auch weltweit auf der Tagesordnung. Leistungshalbleiter spielen dabei eine wichtige Rolle, die zum Wachstum von Rohm überdurchschnittlich beitragen werden. Besonders die Entwicklung von SiC-Komponenten haben wir beschleunigt. Damit können wir den Leistungsverlust gegenüber Si-Komponenten auf ein Zehntel reduzieren. Schon jetzt finden SiC-Komponenten zunehmend in Haushaltsgeräten und in der Industrie Einsatz. In Europa steigt der Bedarf an SiC-Schottky-Barrier-Dioden für Wechselrichter in PV-Anlagen.