Die Tops und Flops des Jahres 2009

Am 31.12. geht ein bemerkenswertes Jahr für die Chipindustrie zu Ende. Eine noch schlimmere Krise als nach dem Platzen der Internet-Blase 2001. Aber: Für einige Unternehmen lief 2009 außergewöhnlich gut. Unsere persönlichen Tops und Flops des Jahres.

Top 1: Die Refinanzierung von Infineon

2010 hätte zum Schreckensjahr für Infineon werden können, denn man brauchte dringend ganz viel Geld, um die Wandelanleihen zurückzahlen zu können. Durch eine Kapitalerhöhung mittels Unterstützung der Investmentfirma Apollo bekam der Chiphersteller nach Abzug der Apollo-Provision und Bankgebühren 687 Mio. Euro in die Kasse gespült. Laut Vorstandssprecher Bauer konnten damit »die Refinanzierungsfragen mit dem heutigen Schritt als gelöst betracht werden«. Man darf jetzt sogar daran denken, dass 2010 das erste profitable Jahr nach dem Börsengang werden könnte. Da kann man nur sagen: »Frohe Weihnachtem am Campeon«.

Top 2: Das krisensichere Geschäftsmodell von Linear Technology

Innovation war schon immer ein guter Ratgeber, ein Unternehmen durch eine Krise zu steuern. Niemand hat dies 2009 so erfolgreich umgesetzt wie Linear Technology: Umsatzrenditen von mehr als 25 Prozent selbst in den übelsten Monaten Januar, Februar und März steigerten sich auf mittlerweile wieder mehr als 40 Prozent. Damit wird nicht nur die direkte Konkurrenz im Analog-Bereich sondern u.a. auch Chip-Gigant Intel weit hinter sich gelassen. Was kann man daraus lernen? Offenbar lassen sich auch in Krisenzeiten gute Preise erzielen, wenn man die richtigen Produkte hat.

Top 3: Mikrocontroller-Startup lässt etablierte Hersteller alt aussehen

Wenn man an Mikrocontroller mit einem ARM-Cortex-M3-Core denkt, fallen einem als erstes große Hersteller wie NXP, Texas Instruments, STMicroelectronics oder Toshiba ein. Diese mussten 2009 allesamt zur Kenntnis nehmen, dass es ein kleines 30-Mann-Startup-Unternehmen aus Norwegen geschafft hatte, einen Mikrocontroller mit exakt demselben Cortex-M3 zu bauen, der nicht 10 Prozent oder 20 Prozent energieeffizienter arbeitet als die versammelte Produktvielfalt der etablierten Hersteller (was schon bemerkenswert genug wäre), sondern die theoretische Batterielaufzeit um Faktor 4 verlängert. Da ist der Firmenname »EnergyMicro« quasi das Programm.

Top 4: AMD bittet Intel zur Kasse und darf jetzt überall Chips bauen

Intel und sein kleiner Rivale AMD haben Frieden geschlossen. AMD zieht sämtliche Klagen gegen Intel wegen illegalen Geschäftsgebarens zurück. Intel seines Zeichens verklagt AMD nicht wegen Verstosses gegen das x86-Cross-Lizensierungsabkommens. Dort steht zu lesen, dass AMD x86-Prozessoren nur in eigenen Fabs oder in Fabs von Tochterunternehmen produzieren darf. Nach dem neuen Abkommen darf AMD zukünftig unabhängig von einer Firmen-Beteiligung in jeder beliebigen Foundry produzieren lassen. Letztendlich zahlt Intel noch 1,25 Mrd. Dollar an AMD und verpflichtet sich zukünftig zur Einhaltung der üblichen Geschäftsgebaren. Das war doch schon ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk.

Top 5: Endlich Flash-Videos auf ARM-Prozessoren

Der neue Feind Nr.1 von ARM heißt nicht mehr ARC, Tensilica oder MIPS. Er heißt, seit der Atom-Prozessor 2008 vorgestellt wurde, nur noch Intel. Mit Genuss zeigte der Chipgigant, wo immer sich die Gelegenheit bot, dass ARM-basierte Plattformen das Internet-Erlebnis deutlich schmälern. Der Grund: Keine Unterstützung für Adobes Flash-Player. Zwar war seit Jahren eine Portierung angekündigt, sie scheiterte jedoch u.a. daran, dass uralter Code von Programmierern, die längst in Rente sind, undokumentiert hinterlassen wurde. Im Oktober konnte ARM-CTO Mike Muller endlich stolz einen ARM-Netbook zeigen, auf dem Adobe’s Flash Player in Version 9 läuft. So könnte ARM-CEO Warren East für Millionen Chinesen, die von Billig-Netbooks träumen, nicht nur am 24.12. den Weihnachtsmann spielen.

Top 6: Texas Instruments kauft 300mm-Ausrüstung für Analog-Fab zum Spottpreis

Die bereits vor einigen Jahren fertig gestellte RFAB in Richardson bei Dallas in Texas soll ab Ende 2010 die Fertigung auf 300mm-Wafern aufnehmen. Damit ist das Werk das erste weltweit, das 300-mm-Wafer zu Analog-ICs verarbeitet. Die Entscheidung für die 300-mm-Analog-Fab fiel auch deshalb, weil TI für vergleichsweise günstige 172,5 Mio. Dollar Anlagen aus dem ehemaligen Qimonda-Werk in Virginia kaufen konnte. Die Ansage an die Konkurrenz Fairchild, International Rectifier, Vishay, ON Semiconductor und andere ist daher klar: Wir können billigere Produkte herstellen als ihr. Das Problem für die Wettbewerber: Es wird quasi unmöglich sein, zu nur ähnlichen Konditionen eine gebrauchte 300-mm-Fabrikationslinie zu kaufen – diese stehen ja nicht wie Pilze im Wald herum. Bei einem Neukauf hingegen dürfte die Rechnung auf Grund der Abschreibungen jedoch nicht mehr aufgehen. Texas Instruments könnte und dürfte daher ab Ende 2010 gnadenlos die Preiskarte ausspielen – zum Leidwesen der Konkurrenz.

Top 7: Das Fabless-Geschäftsmodell sagt Danke zu Gordon Moore

Hohe Abschreibungen auf Fabs und explodierende Kosten bei schrumpfenden Prozessgeometrien (Moore's Law) kann sich nicht mehr jeder leisten. Zu dieser Erkenntnis kommen nach und nach immer mehr Hersteller. Vor allem, da die Prozesstechnik nicht mehr als Differenzzierungsmerkmal taugt. Hat sie in der Analogtechnik und Leistungselektronik noch einen hohen Anteil an der Wertschöpfung, ist ist bei CMOS-Bauteilen nicht der Fall. Fabless-Firmen wie Broadcom oder Qualcomm generieren Jahr für Jahr wachsende Gewinne. Auch wenn sich das Fabless-Modell durchgesetzt hat und noch weiter durchsetzen wird, gibt es kritische Stimmen: Die Abhängigkeit des Gesamtmarktes von den grossen taiwanischen Foundries TSMC und UMC wird steigen, die Fab-Ausrüster werden weniger, dafür aber größere Kunden mit mehr Einkaufsmacht haben.

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