Schwerpunkte

Thomas Rosteck, Infineon Technologies

»Die Marktdynamik zum Laufen bringen«

27. September 2019, 10:33 Uhr   |  Iris Stroh


Fortsetzung des Artikels von Teil 3 .

Voraussetzungen für Digitalisierung

Braucht ein Quantencomputer-resistenter Algorithmus mehr Rechenkapazitäten?

Nein, nicht zwangsläufig.

Dann wäre das Problem mit einem einfachen Software-Update behebbar?

Das ist noch nicht entschieden. Infineon hat vor zwei Jahren gezeigt, dass es einen Post-Quantum-Algorithmus gibt, der auf einer Chip-Karte laufen kann, also nicht sonderlich Ressourcenintensiv ist. Dieser und ein weiterer Vorschlag von uns sind derzeit im Rahmen einer Ausschreibung der NIST (Anm. d. Red.: National Institute of Standards and Technology, USA) zusammen mit anderen Algorithmen auf dem Prüfstand.

Voraussichtlich wird in den nächsten drei bis fünf Jahren eine Entscheidung fallen, welche Algorithmen als Standard genutzt werden sollen. Wir sind mit unseren Vorschlägen bereits in der zweiten Runde. Doch was immer am Ende herauskommt, wir werden es implementieren. Der erwähnte Kaffeemaschinenhersteller wird sich nicht um diese komplexen Themen kümmern müssen. Er wird wahrscheinlich noch nicht einmal wissen, dass er ein Problem gehabt haben könnte.

Noch einmal zu den verschiedenen Märkten zurück. Haben die deutschen Hersteller die Wichtigkeit von Security erkannt?

Unterschiedlich. Es gibt einige große Firmen, die das Thema sehr ernst nehmen. Beispielsweise nutzt VW unsere Trusted-Platform-Modules (TPMs), um die Kommunikation von Fahrzeugen mit der Außenwelt zu schützen. Es gibt auch große Industriefirmen wie Siemens, die sehr viel Augenmerk auf dieses Thema legen. Bei Herstellern von Weißer Ware, würde ich sagen, sieht es dagegen noch sehr gemischt aus. Es gibt Hersteller, die bereits an ersten Ansätzen arbeiten; andere ignorieren das Thema aber leider noch komplett.

Bis die Marktdynamik funktioniert, müssen gesetzliche Vorgaben helfen. Wenn fehlende Sicherheit ein negativer Differenzierer ist, dann ist eine gesetzliche Regulierung nicht mehr notwendig.

Schneller geht es vielleicht mit gesetzlichen Regularien, aber regelt das der Markt nicht selbst? Denn je häufiger es negative Schlagzeilen gibt, desto mehr werden die Konsumenten selbst darauf achten.

Da bin ich mir nicht sicher. Das Interesse der Konsumenten wird von Studien bestätigt, aber ein Hersteller muss diese Forderung in ein beworbenes Produkt umsetzen. Und hier sind die Entwicklungen mehr als schleppend, lediglich bei Smart-Home-Hubs wird inzwischen Sicherheit beworben.

Um die Voraussetzungen dafür zu schaffen und Digitalisierung bzw. Vernetzung sicherer zu machen, bieten wir unsererseits zertifizierte Sicherheitslösungen, die die Hersteller einfach und effizient in ihre Produkte integrieren können.

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1. »Die Marktdynamik zum Laufen bringen«
2. "Wir brauchen Regularien und verbindliche Vorgaben"
3. Botnet ist ein Problem für alle
4. Voraussetzungen für Digitalisierung

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