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»Ein Feinstaub-Sensor wäre der Knüller«

Consumer- und Automotive-MEMS: 5% Plus

18. Januar 2017, 11:08 Uhr   |  Von Jérémie Bouchaud, Director und Senior Principal Analyst MEMS & Sensors bei IHS Markit


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Automotive-MEMS

Für den Bereich der Automotive-MEMS erwarten wir für 2017 ein moderates Wachstum von rund 3%. Auch hier gilt: Der Markt wächst nicht mehr so schnell wie im Zeitraum zwischen 2010 und 2013. Für das damalige Wachstum waren verschiedene gesetzliche Vorschriften zur Einführung von Reifendrucksensoren  sowie ESP verantwortlich. Inzwischen gibt es jedoch neue staatliche Vorgaben , die dazu führen könnten, dass das Wachstum im Automotive-MEMS-Bereich im Zeitraum 2018 bis 2020 höher ausfallen könnte, als wir das bisher erwartet haben. So wurde im September in China der zukünftige Einsatz von Reifendrucksensoren festgelegt. In Indien sollen Airbags und hohe Emissionsstandards Vorschrift werden. Indien will bei der Emissionskontrolle dabei direkt von einem Level, das mit der Euro-4-Stufe vergleichbar ist, auf ein Niveau vergleichbar mit dem Euro-6-Standard gehen. Das dürfte für einen zusätzlichen Bedarf von MEMS-Drucksensoren im Antriebsstrang führen.

Im Bereich der Advanced Driving Assistance Systems (ADAS) spielten MEMS bislang keine große Rolle. Das dürfte sich in Zukunft ändern. Wir gehen davon aus, dass MEMS verstärkt nach 2020 auch hier zum Einsatz kommen. Eine mögliche Applikation sind MEMS-Scanner für LIDAR (Light detection and ranging). Vor diesem Hintergrund dürfte auch die jüngste Akquisition von Infineon Technologies zu sehen sein: Mit der Übernahme des Start-ups InnoLuce kann Infineon neben der Radar-Technologie nun auch LIDAR anbieten.

Grafik: IHS Markit
© Grafik: IHS Markit

Die wilden Jahre mit zweistelligen Umsatzzuwächsen gehören im Consumer-Bereich inzwischen der Vergangenheit an. Doch während der Umsatzanteil des Bereichs Data Processing über die Jahre bis 2020 zurückgeht, nimmt der Umsatzanteil von Consumer und Automotive auch in Zukunft kontinuierlich zu.

Ein weiterer Hoffnungsträger sind Hochleistungs-Trägheitssensoren für Koppelnavigation. Derzeit evaluieren eine ganze Reihe von OEMs und Tier 1 die Anforderungen, die diesbezüglich an Gyroskope und Beschleunigungsaufnehmer gestellt werden. Die dafür verwendeten MEMS-Sensoren werden eine deutlich höhere Performance aufweisen müssen als die heute für ESC-Applikationen eingesetzten MEMS. Das gilt vor allem für Gyroskope, die für diese Applikation eine viel geringere Drift aufweisen müssen.

Zu einer weiteren Schlüsseltechnologie für MEMS dürfte sich Adaptive Lighting entwickeln. Aktuell werden MEMS-Scanner und DLPs evaluiert, um adaptive Lichtstrahlen zu unterstützen. Bewegung ist auch in den Bereich der industriellen MEMS-Applikationen gekommen. Wir rechnen hier für 2017 mit einem Wachstum von 4%. Bezogen auf den Zeitraum von 2015 bis 2020, gehen wir von einem durchschnittlichen Wachstum von 6% aus.

Zunehmend interessant wird der Einsatz von MEMS-Lösungenfür die Zustandsüberwachung und vorausschauende Instandhaltung. So werden bislang relativ teure Piezo-Keramik-Sensoren (Stückpreis: 100 bis 600 Dollar) verwendet, um kritische Vibrationen etwa an Pumpen, Motoren und Generatoren festzustellen. Analog Devices bietet hierfür MEMS-Vibrations-Sensoren an, die weniger als 10 Dollar kosten. Das bedeutet eine Preisreduzierung um den Faktor 10! ABB als Marktführer im Bereich Niederspannungsmotoren hat damit begonnen, diese Technologie im vierten Quartal 2016 in seine Niederspannungsmotoren zu integrieren. Das Marktpotential im Bereich Niederspannungsmotoren, für die sich ein Einsatz von Piezo-Keramik-Sensoren nie rentieren würde, ist gigantisch: Jährlich werden mehrere 10 Millionen dieser Motoren verkauft.

Welche Auswirkungen wird all dies auf das Ranking der MEMS-Branche haben? Wir halten es für möglich, dass Avago (Broadcom) durch das Geschäft mit BAW-Filtern den bisherigen Branchen-Spitzenreiter Bosch im Umsatz 2017 überrunden könnte. Bosch trägt sich offenbar zudem mit dem Gedanken, Akustica (MEMS-Mikrophone) zu verkaufen. Wir gehen deshalb davon aus, dass das Automotive-Sensor-Geschäft von Bosch 2017 sich besser entwickeln wird als das Consumer-MEMS-Geschäft.

Mehr Umsatz im Automotive-MEMS-Bereich erwarten wir auch für Texas Instruments. Diese Erwartung basiert auf dem verstärkten Einsatz von DLP-Chips für Head-up-Displays im Auto. Wir erwarten auch, dass Qorvo sein zweistelliges Umsatzsatzwachstum 2017 fortsetzt. Bei Knowles hängt die Entwicklung 2017 davon ab, ob Design-Wins bei Apple gelingen.

Eine positive Entwicklung sehen wir auch bei STMicroelectronics. Nach vier Jahren Umsatzrückgang im Folge erwarten wir für 2017 wieder ein Wachstum des MEMS-Geschäfts bei ST. So ist es ST gelungen, seinen Marktanteil bei Low Power IMUs wieder zu erhöhen. Gleichzeitig zieht das Automotive-Geschäft bei STMicroelectronics an. Der Erholungsprozess bei ST hat nach unserer Beobachtung bereits in der zweiten Jahreshälfte 2016 begonnen.

Mit weiter sinkenden Umsätzen im MEMS-Bereich dürften sich dagegen HP und Canon konfrontiert sehen. Hier liegt der Hauptgrund darin, dass der Markt für Tintenstrahldrucker kontinuierlich zurückgeht. Unschlüssig sind wir bei der Einschätzung, welchen Effekt die Übernahme von InvenSense durch TDK für den MEMS-Hersteller haben wird. Nach unserer Einschätzung gibt es keine Synergieeffekte, der kurzfristig zu einem Umsatzwachstum führen könnte. Der Hauptmarkt der Unternehmens, der Bereich Bewegungssensoren für Consumeranwendungen und Mobiles, schrumpft. Nach unserer Einschätzung liegen die größten Chancen für InvenSense in der neuen Fingerprint-Sensortechnologie des Unternehmens.

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