CES: Mehr Aussteller, weniger Spektakuläres

Von der Weltwirtschaftskrise war auf der CES nicht viel zu spüren, im Gegenteil: Die Zahl der Aussteller stieg um 330 auf rund 2.500. Und das Jahr 2009 hat für die Unterhaltungselektronik in den USA auch nicht mit einem Einbruch geendet.

165 Mrd. Dollar haben die Amerikaner im letzten Jahr für Unterhaltungselektronik ausgegeben, ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Weltweit hingegen brach der Umsatz dieser Branche um knapp 8 Prozent ein, obwohl die ausgelieferten Stückzahlen um 10 Prozent stiegen.

Auf der Messe wurden die »Wachstumsbeschleuniger« für 2010 benannt: Internetfähige »Smartphones« machen bereits 30 Prozent aller Mobiltelefonverkäufe aus und werden weiter rasch wachsen. »Netbooks« – die Miniatur-Laptops für das Internet – konnten sich 2009 gegenüber dem Vorjahr nach Stückzahlen im Markt verdoppeln. Dieses Wachstum wird weiter gehen. »BlueRay«-Videoplayer werden – nach Ende der Normungsdebatte in 2009 – ihren Siegeszug weiter fortsetzen.

Der wohl wichtigste Umbruch aber kommt von der Fernsehgeräten: Flache hoch auflösende HD-Fernseher, weiterentwickelt in Richtung auf superflache Geräte, 3D-Fernsehen, Internet-Verbindung und die neue OLED-Technologie. So zeigte Toshiba erneut sein CELL-TV, das alle Bildinhalte in Echtzeit von zweidimensional auf dreidimensional umrechnet (was das Gerät auf rund 10.000 Dollar katapultiert). Die koreanische LG präsentierte ein nur noch 7 mm dünnes LED-Fernsehgerät und Panasonic kam mit dem größten 3D-Plasmafernseher der Welt: 1,65 m Bildschirmdiagonale. Die Preise werden hier weiter sinken, die verkauften Stückzahlen damit steigen – in der Summe wird es ökonomisch ein Nullsummenspiel bleiben.

Beim CES-Start unterstützte Steve Ballmer, CEO von Microsoft, diese neuen Bildschirmentwicklungen - auch für den Einsatz an PCs: Dann nannte er noch das »Cloud Computing« als wichtig (obwohl ihm damit ein Teil seines Geschäfts mit den Betriebssystem Windows 7 entgleiten könnte). 2010 wird die bereits angekündigte XBOX Live-Konsole auf den Markt kommen. Angekündigt wurde das »Project Natale«, ein neuartiges Videospiel, welches keine Spielesteuerung mehr benötigt. Schließlich stellte Ballmer einen eigenen Tablet-PC vor, der keine Tastatur mehr hat, sondern stattdessen ein Berührungs-Display. Das Betriebssystem ist Windows 7, gebaut wird der Tablet-PC von Hewlett-Packard: Auf der CES wollte man Apple zuvorkommen, die nicht auf der Messe waren und in Kürze ein solches Gerät zeigen. Das Thema ist nicht neu, man sah es schon vor Jahren ohne Markterfolg.

Intel-Chef Paul Otellini zeigte sich am Eröffnungstag selbstbewusst: »Intel's job is to invent the future«. Eine Überfülle neuer Techniken unterstrich dies Statement: Neben 3D-Fernsehen wies Otellini auf Fernsehen via Internet-Protokoll hin, auf ein neues System zum Managen des häuslichen Energieverbrauchs und das brandneue WiDi (Wireless Display): Es macht die Verbindung zwischen PC und HD-TV möglich bei der Übertragung von »Streaming Information« wie Videos oder Diashows (obwohl hier die »Dias« digital gespeichert sind).

Was es an Dingen gab, die außerhalb der oben genannten Mainstream liegen? Den CES-Preis »The Best of Innovations« zum Beispiel. Den erhielt ZOMM, ein kleines Start-Up aus Oklahoma: Dort erfand eine Mutter ein »Gimmick«, das Handys unverlierbar macht – eine Art  elektronischer Kette. Ständig haben ihre Kinder über verlorene Handys geklagt und darum auch die Bezeichnung »ZOMM«. Der Name steht für die Anfangsbuchstaben der Vornamen ihrer Kinder Zachry, Olivia und Madison. Das letzte M steht für Mom, also Mama als Mitinitiator der Erfindung. Für den ständigen Handykontakt sorgt eine Bluetooth-Verbindung, die meldet, wo das Handy liegt. Über einen Notruf kann man auch Alarm zum Handy geben.

Eine Unterwasser-Videokamera, die man samt Leuchten am Kopf tragen kann und die somit die Hände frei hält, wurde bei Liquid Image gesichtet. Sie kann in die Tauchermaske integriert werden und lässt sich bis zu 40 m unter Wasser einsetzen. Auch Einzelbilder mit einer Auflösung von 5 Megapixeln lassen sich damit herstellen.

Picor zeigte seinen Microvision Pikoprojektor, der mit Laptops, Mobiltelefonen, Digitalkameras und anderen Mobilgeräten verbunden werden kann. Er projiziert hoch auflösende Bilder auf beliebige Flächen. Der Projektor hat die Größe eines Personal Digital Assistant (PDA), ist netzunabhängig und physikalisch ein Laserprojektor für Farbbilder.
Alles in allem: Vieles war schon vor Weihnachten angekündigt, große neue Trends daher nur zwei Wochen nach dem Weihnachtsgeschäft ohnehin nicht zu erwarten. Wichtiger noch als die vielen kleinen Neuheiten scheint uns, dass die freundliche Konjunkturstimmung für Unterhaltungselektronik sich mit nur kleinen Rückgängen hat halten können – da hat es andere Branchen viel schlimmer getroffen.