Fliegender Wechsel in der Kraftstoff-Versorgung #####

Sowohl beim Erdgas als auch beim „Flex-Fuel“, dem Gemisch aus Bioethanol und Benzin, reicht in Europa die Versorgungs-Infrastruktur nicht aus, um dem Autofahrer einen sicheren Fahrbetrieb zu ermöglichen. Eine Lösungsvariante...

Sowohl beim Erdgas als auch beim „Flex-Fuel“, dem Gemisch aus Bioethanol und Benzin, reicht in Europa die Versorgungs-Infrastruktur nicht aus, um dem Autofahrer einen sicheren Fahrbetrieb zu ermöglichen. Eine Lösungsvariante ist die Konstruktion eines Motors, der mit Erdgas (neuer Name: CNG – Compressed Natural Gas) und Bioethanol-Gemisch betrieben werden kann.

Der Erdgas-Antrieb wird wegen der steigenden Kosten für die fossilen Kraftstoffe zunehmend attraktiv. Da in Europa noch nicht genügend Erdgas-Tankstellen eingerichtet wurden, werden die meisten Erdgas-Fahrzeuge heute mit einem „Bi-fuel“-System ausgerüstet. Interessant wird diese Variante, wenn das Fahrzeug auch mit „Flex-Fuel“ betrieben werden kann, dem Gemisch aus Ethanol und Benzin, das in unterschiedlichen Zusammensetzungen verfügbar ist, typisch ist hier EZ85, das zu 85 Prozent aus Bioethanol besteht. Mit der hohen Klopffestigkeit – die ROZ (Research Oktanzahl) etwa von EZ85 liegt über 108 – erlaubt es eine höhere Leistungsausbeute bei Turbomotoren. Die Verwendung von Ethanol aus biologischem Anbau ist unter bestimmten Voraussetzungen für die generelle CO2-Bilanz günstiger als die Verwendung fossiler Kraftstoffe. Man geht davon aus, dass bei der Verbrennung von Bioethanol nur soviel CO2 entsteht, wie die Pflanzen beim Wachstum der Atmosphäre entzogen haben.

Da das Kraftstoff-Volumen bei gleicher Leistung größer ist, ist es forderdlich, das Steuergerät durch eine spezielle Steuergeräte-Software anzupassen. Darüber hinaus müssen die Kraftstoff-Pumpen und Injektoren beständig sein gegen Ethanol, insbesondere gegen die bei E100 auftretenden, reaktionsfreudigen Hydroxolgruppen. „Flex-Fuel“-Komponenten bietet etwa das Unternehmen Freudenberg Dichtungs- und Schwingungstechnik (www.freudenberg-ds.de). Dichtungen aus Fluor-Kautschuk-Elastomeren (FKM-Werkstoffe) eignen sich hier besonders gut; sie weisen zudem ein gutes Temperaturverhalten auf.

Das Unternehmen Bosch (www.bosch.de) bietet für den „Bi-fuel“-Betrieb unter der Bezeichnung „NGMotronik“ eine Motorsteuerung an, die in Kombination mit seinen Erdgas-Einblasventilen einen wechselnden Betrieb ermöglicht (Bild). Bei der Betankung des Erdgas-Systems gelangt das Erdgas über das Einfüllventil und das Tankabsperrventil in die Fahrzeugtanks und wird dort bei 200 bar gespeichert. Im Fahrbetrieb wird die Hochdruckleitung zum Druckregelmodul durch das Tankventil freigegeben. Es wird ein Systemdruck von 7 bar eingeregelt und in das Gas-Rail mit Gas-Injektoren sowie Niederdruck- und Temperatur-Sensoren eingespeist. Die Gas-Injektoren blasen das Gas in die Saugrohre des Motors ein. Beim Betrieb mit dem Flüssig-Kraftstoff wird das Einblasventil abgeschaltet und der Kraftstoff mit einem Einspritzventil in die Vorkammer eingespritzt. (Dr. Jens Würtenberg)

Siehe auch:

Hybridfahrzeuge im Auftrieb