Industrielle Computersysteme Wie geht es CompactPCI Serial?

Seit März 2011 ist »CompactPCI Serial« als Standard etabliert – höchste Zeit also für eine Zwischenbilanz. Wir wollten von einigen Anbietern wissen, wie diese Plattform vom Markt angenommen wird und wie die beste Strategie für einen Umstieg aussieht.

CompactPCI ist ohne Zweifel ein großer Erfolg gewesen. Doch bereits zu Beginn des 21. Jahrhunderts lösten immer öfter schnelle, serielle Punkt-zu-Punkt-Verbindungen die klassische Bus-Architektur in Rechnern ab. Leider bot der CompactPCI-Standard keine standardisierte Lösung für diese Art von modularer Vernetzung. Das war die Motivation, CompactPCI Serial als Standard zu etablieren. Doch nimmt der Markt diesen Standard auch an? Wir haben bei einigen Anbietern nachgefragt.


Wie hat sich der Markt für CompactPCI Serial entwickelt?

Ein sehr positives Fazit zieht Christoph Adam, Leiter Produktmanagement Heitec: »Zwar ist CompactPCI auch zu seinem jetzt 20-jährigen Jubiläum bei Kunden fest etabliert, aber CompactPCI Serial hat es geschafft, die benötigte Unterstützung von Key-Playern im Embedded-Markt zu bekommen. Dadurch steht jetzt ein umfangreiches Ökosystem an Plattformen, Board-Produkten und Carrier-Karten zur Verfügung, um anspruchsvolle und hoch performante Systeme in 3 HE sowohl technisch wie auch kommerziell erfolgreich umsetzen zu können.«

Für Bernd Kleeberg, Sales & Marketing Manager und Mitglied der Geschäftsleitung von EKF, ist CompactPCI Serial nicht einfach nur eine Nachfolgetechnologie, sondern wird seine eigene Erfolgsgeschichte schreiben: »Nicht nur cPCI Serial, sondern auch die Hybridvariante CompactPCI PlusIO nutzen die Backplane-Kommunikation der seriellen Protokolle PCIe, Ethernet, SATA und USB. Dadurch bleibt CompactPCI modern und zukunftsoffen. Die Systemperformance ist massiv gestiegen und ebnet so CompactPCI Serial den Weg in ein weites Feld von Applikationen, die CompactPCI Classic nicht bedienen konnte.«

Etwas zurückhaltender sieht es Reiner Grübmeyer, Head of Product Management IBT Innovation and Base Technology bei Kontron: »Derzeit gibt es einzelne Anfragen, die aber noch nicht das Volumen des klassischen CompactPCI-Geschäfts erreichen.«

Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Reiner Grübmeyer gibt Folgendes zu bedenken: »Die Umstellung von einer bestehenden Infrastruktur vollzieht sich relativ langsam. Es sind erhebliche Aufwendungen nötig, um alle Komponenten auf die gleiche Technologie zu heben. Der Markt bietet noch nicht alle Schnittstellen, die es bei klassischem CompactPCI seit langem gibt. Es lohnt sich erst dann, wenn die bisherige Technik nicht ausreichend ist und auch der Anbietermarkt entsprechend aufgestellt ist.«

Bernd Kleeberg meint dazu: »CompactPCI Serial ist ein hoch performantes und robustes System mit schlanker Architektur. Der Verzicht auf Shelf-Management reduziert die Systemkosten. Die Entwicklung spezifischer Peripherieboards ist einfacher und reduziert Entwicklungszeiten, sorgt also für eine kürzere Time-to-Market.«

Für Christoph Adam hat CompactPCI Serial vor allem zwei Vorteile: »Einerseits wurden viele sinnvolle Elemente, wie beispielsweise die mechanischen Anforderungen, Eins zu Eins von CompactPCI Classic übernommen. Andererseits wurden die Punkte geändert, die sich beim alten Standard als verbesserungswürdig herausgestellt haben. Dazu zählen zum Beispiel die deutlich höheren Datenraten durch native Unterstützung von seriellen Busstrukturen wie PCIe, USB, SATA und Ethernet. Ein weiterer Vorteil liegt auch darin, dass Kunden nicht auf reine CompactPCI-Serial-Produkte festgelegt sind, sondern auch Mischformen einsetzen können. Mit anderen Worten: Wiederverwendung existierender Boards und Software, gepaart mit höchster serieller Performance dort, wo sie benötigt wird, zu bezahlbaren Preisen.«