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Interview mit Kontron-CEO Rolf Schwirz

Zurück auf Wachstumskurs

16. Oktober 2015, 10:32 Uhr   |  Joachim Kroll


Fortsetzung des Artikels von Teil 2 .

Auch Software im Angebot

Was sind das konkret für Lösungen und was für Software?

Schwirz: Wir arbeiten zur Zeit z.B. mit einem Aufzugshersteller zusammen, der seine Aufzüge ins Netz bringen will. Die Steuerung und die ganzen Sensoren, die in so einem Aufzug verbaut sind, werden in einem Embedded-Computing-System zusammengeführt, das die Betriebsdaten einer Serviceapplikation in der Cloud zuführt. Diese Software kommt nicht von Kontron, sondern von einem namhaften Software-Hersteller. Aber wir sind auf der Geräteebene diejenigen, die die Systeme standardisiert und sicher ans Netz bringen. Das ist unsere Strategie.

Das bedeutet: Kontron wird von einer Hardware-Firma schrittweise zu einer kombinierten Hardware-, Software-, Services-Firma. Wir arbeiten derzeit an einem ersten Produkt unter dem Arbeitstitel „Software Framework“, das dann auf die Hardware aufgesetzt wird und alle die Funktionen beheimaten wird, die ich erwähnt habe.

Im Kommunikationssegment wird immer mehr Hardware durch Software ersetzt. Wollen Sie auch diese Software anbieten?

Schwirz: Nein. Wir wollen kein Anbieter von Software-defined Networks werden. Trotzdem haben wir da unter dem Namen „Symkloud“ innovative Produkte. Damit können wir z.B. – ebenfalls zusammen mit Partnern – einen Live-Videostream transcodieren und gleichzeitig Bildinhalte manipulieren. Beim Sport gibt es die Bannerwerbung im Stadion. Die Werbetreibenden wünschen sich, dass die Banner bei einer Videoübertragung an das jeweilige Zielsendegebiet angepasst werden. Mit Symkloud können wir neben der Anpassung des Bilddatenstroms an die lokalen Übertragungsstandards gleich auch diese Bildinhalte austauschen.

Mal abgesehen von IoT und Industrie 4.0, gibt es noch andere technische Entwicklungen, die alle Ihre Geschäftsbereiche betreffen?

Schwirz: Die Software. Das ist die Herausforderung, vor der alle unsere vertikalen Segmente stehen.

Planen Sie in diesem Zusammenhang auch Akquisitionen?

Schwirz: Derzeit ist nichts Konkretes geplant, aber ich kann das für die Zukunft auch nicht ausschließen. Es gehört zum normalen Instrumentarium einer Firma, zu versuchen, selbst innovativ zu sein oder auch Innovation zuzukaufen, wenn uns das schneller zum Ziel bringt.

Der Umsatz von Kontron hat sich nach einem Einbruch jetzt wieder auf dem Niveau von 2008/2009 stabilisiert. Wie wird es weitergehen?

Schwirz: Wenn Sie das mit den früheren Zahlen vergleichen, müssen Sie die Unternehmensverkäufe berücksichtigen, die wir seitdem hatten. Ein großer Teil geht auf RT Soft in Russland zurück, von denen wir uns getrennt haben, weil es kein Embedded-Unternehmen war, sondern ein IT-Dienstleister. Weitere Verkäufe waren Parpro, Merz, Ubitronix... Insofern muss man die früheren Zahlen um diese Umsatzanteile korrigieren, damit ein fairer Vergleich entsteht. Wenn Sie das tun, werden Sie sehen, dass wir 2014 gewachsen sind. Unsere Planung ist, dass wir auch weiterhin wachsen, mindestens so stark wie der Markt.

Kontron-Fertigung in Augsburg

Gebäude von Kontron
Terrarium bei Kontron Augsburg

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Trotz der Krise im Euroraum seien die deutschen Manager relativ entspannt, schrieb der Spiegel neulich. Trifft das auch auf Sie und Ihre Geschäftsaussichten zu?

Schwirz: Wenn man das mal von der Krise loslöst: Seit dem Eintritt in dieses Unternehmen im Jahr 2013 war ich nie mehr richtig entspannt. Wohlgemerkt: Ich bin keiner, der kurz vor dem Burn-out steht, aber wir hatten und haben hier sehr schwierige Aufgaben. Das gesamte Management-Team arbeitet sehr hart daran, dieses Unternehmen wieder nachhaltig erfolgreich zu machen. Schließlich ist Kontron eines der wenigen High-Tech-Unternehmen in Deutschland, das in seinem Marktumfeld zu den Top 3 weltweit gehört.

Diese ganze Krise im Eurogebiet hat zu einer Abwertung des Euro geführt. Unsere Absätze im Dollar-Raum haben sich dadurch zwar erhöht, gleichzeitig beziehen wir aber rund neunzig Prozent unseres Materials in US-Dollar. Und wir haben über 400 Mitarbeiter, die wir in Dollar und daran angelehnte Währungen bezahlen. Trotzdem haben wir unsere Betriebskosten gesenkt und unsere Gross-Marge bei 25 Prozent gehalten. Das zeigt erneut, wie richtig die Maßnahmen waren, die wir durchgeführt haben. Wenn uns diese Entwicklungen völlig unvorbereitet getroffen hätten, wäre unsere Marge um mindestens zwei Prozentpunkte gesunken. Wir müssen also ständig wachsam sein.

Im Übrigen glaube ich, dass die anderen Unternehmen auch nicht mehr ganz so entspannt sind. Dadurch, dass die Dinge in China nicht mehr so laufen wie bisher, wird die Autoindustrie langsam etwas nervös. Uns kommt da zugute, dass wir derzeit in Asien nur ein relativ kleines Geschäft haben und davon noch nicht so betroffen sind.

Rolf Schwirz
kam im Dezember 2012 als Vorstandsmitglied zu Kontron und wurde dann im Januar 2013 zum Vorstandsvorsitzenden berufen. Dort setzte er die Strategie „New Kontron“ um. Rolf Schwirz hat ein Diplom in Betriebswirtschaft und begann seine Laufbahn 1983 als Systemberater bei Unternehmen wie Siemens Nixdorf und Siemens AG. Zwölf Jahre verbrachte er beim Software-Konzern Oracle, wo er eine Reihe internationaler Managementpositionen innehatte. Er leitete später als CEO die Fujitsu Technology Solutions.
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