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Interview mit Kontron-CEO Rolf Schwirz

Zurück auf Wachstumskurs

16. Oktober 2015, 10:32 Uhr   |  Joachim Kroll


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Radikaler Umbau

Früher waren in Deggendorf die Computermodule, in Roding die Medizingeräte, in Kaufbeuren die modularen Computersysteme, in Augsburg die Fertigung – das klang aus damaliger Perspektive recht schlüssig. War der Umbau in dieser Radikalität nötig?

Schwirz: Diese glasklare Einteilung, die gab es so nicht. Es gab zwar gewisse Spezialisierungen, aber es ist immer leichter, Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen zusammenarbeiten zu lassen, wenn das Ganze unter einem Dach in räumlicher Nähe stattfindet. Was sich auch noch durch die Transformation geändert hat, ist die Unternehmenskultur: Wenn man früher an einen der Standorte kam, fühlte sich das relativ unterschiedlich an. Es waren nicht nur auf dem Papier autonome Standorte oder Subfirmen, sondern es gab auch je eine eigene Firmenkultur. Jetzt setzt sich immer mehr ein gemeinsamer Kontron-Gedanke durch, der geprägt ist durch die gemeinsame Wertschätzung unserer Kunden und die Verantwortung in den Produktbereichen, zum Beispiel bei den Medizinprodukten.

Durch die Zusammenfassung sind die einzelnen Standorte, die wir jetzt haben, gestärkt worden. Ich war vor ein paar Wochen in Pilsen. Das ist jetzt ein wichtiger Standpfeiler für uns und die Motivation bei den Mitarbeitern dort ist so hoch wie nie zuvor, weil sie jetzt wirklich verantwortungsvolle Aufgaben haben. Früher hat man eben das nach Tschechien gegeben, womit sich hier kein Mensch mehr beschäftigen wollte.

Hier in Augsburg, das gebe ich gerne zu, war es anfangs schwierig, weil die Mitarbeiter teils lange Wege zurücklegen müssen. Aber die positive Stimmung setzt sich jetzt auch hier immer mehr durch, weil die Leute einfach sehen, dass es richtig war, was wir gemacht haben.

© Elektronik/Joachim Kroll

Rolf Schwirtz, Vorstandsvorsitzender von Kontron.

Sie haben die Vertragsfertiger auf fünf reduziert. Lassen Sie eigentlich auch bei Fujitsu Technology Solutions fertigen, die ihr Werk ja auch in Augsburg haben und wo Sie vor 2013 als CEO tätig waren?

Schwirz: Nein, wir lassen nicht bei Fujitsu fertigen. In aller Bescheidenheit behaupte ich mal, dass – was Embedded Computing betrifft – Kontron auf einem anderen Niveau arbeitet. Fujitsu ist auf Standard-Hardware spezialisiert. Das ist eine IT-Firma, keine Embedded-Firma.

Wir haben allerdings in Tokio wieder eine Niederlassung gegründet, nachdem wir in Japan eine Zeit lang nur mit Vertriebspartnern gearbeitet haben. Dort ist unser Managing Director, Satoru Hayashi, in Gesprächen mit der Fujitsu-Zentrale, um auszuloten, wie eine Zusammenarbeit in Japan aussehen könnte, welche Produkte von uns so interessant sind, dass sie ihren Weg in Produkte finden könnten, die Fujitsu dann vertreibt.

Da die Umstrukturierung zur „New Kontron“ jetzt so gut wie abgeschlossen ist, haben Sie auf der letzten Hauptversammlung eine neue Strategie angekündigt. Worin besteht die?

Schwirz: Wichtig ist zunächst, dass Kontron ganz klar definiert hat, wo es seinen Platz finden will bei den riesigen Bewegungen, die derzeit im Markt stattfinden, und die heißen: Internet der Dinge, Industrie 4.0 und Industrial Internet. Bei dieser Standortbestimmung haben wir festgestellt, dass die meisten Geräte, die unsere Kunden bisher gebaut haben, nicht ans Netz angeschlossen sind. Da steckt zwar neueste Prozessortechnologie drin, aber der Status der Netzanbindung gleicht dem der ersten Personal Computer der achtziger Jahre. Also ist die Frage: Was muss passieren, damit die existierenden und die neuen Geräte möglichst sicher ans Netz kommen? Dabei wollen wir unseren Kunden helfen, indem wir zusätzlich zu unserem Hardware-Angebot eine passende Software anbieten. Das werden wir sowohl organisch als auch anorganisch durch Partnerschaften herstellen. Damit versetzen wir unsere Kunden in die Lage, „out-of-the-box“ ein System aufzubauen, das ans Netz angeschlossen ist und eine Lösung für den sicheren Datenaustausch implementiert, die weit oberhalb der Ebenen angesiedelt ist, in denen Kontron heute aktiv ist.

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