Entrepreneurs der Stunde, Teil 2 Maker – Startups – Unternehmen

Das »Internet of Things« und die »Maker«-Bewegung sind in aller Munde. Ist das nur ein Hype? Was wird bleiben? In diesem zweiteiligen Beitrag wird gezeigt, welche Merkmale Maker heute auszeichnen und auf welchen Technologiefeldern sie mittlerweile etabliert sind.

Nachdem im ersten Teil dieses Beitrags, erschienen hier, die technologische Basis der Maker-Bewegung und die Finanzierung von Projekten beleuchtet wurden, geht es diesmal um die Kommerzialisierung von Ideen und konkrete Beispiele für erfolgreiche Anbieter im B2B-Bereich.

Um wirtschaftlich aktiv werden zu können, benötigt auch der Maker ein Unternehmen oder er gründet sein eigenes. Maker bilden häufig innovative Startups, um ihre Produktideen in breiterem Rahmen umsetzen zu können. Über diesen Weg können, ggf. kombiniert mit Crowdfunding, die Finanzierung und auch der spätere Absatz gesichert werden. Startups sind Oasen des Optimismus und der Begeisterung in einem unsicheren Umfeld.

Viele, die ein Unternehmen gründen wollen, lassen sich deshalb zuvor bei einem Startup anstellen. Nirgends lernt man schneller und mehr – und jede Menge Kontakte gibt es obendrein [1].

Die mit der Gründung des eigenen Unternehmens einhergehenden Bedingungen und Fragen lernt man auf diesem Weg, zumindest teilweise, ohne eigene Blessuren kennen. Außerdem ist der Spirit eines Startups im täglichen Miteinander erlebbar. Wann man für das eigene Startup bereit ist, kann dann begleitend evaluiert werden. Hilfestellung finden Wagemutige hierzu u. a. in Portalen wie t3n.de [2].

Das Profil eines Startup-Mitarbeiters ist nicht jenes eines typischen Angestellten. Mitarbeitende bei Jungunternehmen wollen die internen Entscheide mittragen. Sie wollen Teil der Unternehmerfamilie sein und brauchen Unterstützung, damit sie sich entfalten können. Dafür ist eine offene Kommunikation nötig. Wie in [3] dargestellt ist, sind instabile Arbeitsverhältnisse und Sieben-Tage-Wochen aber Gift für das Firmenklima. Auch in Jungfirmen braucht es klare Strukturen. Dies gilt selbst dann, wenn die Mitarbeitenden über Beteiligungskonzepte zu Mitunternehmern gemacht werden. Auch dann bleibt zwischen Angestellten und den eigentlichen Firmeninhabern immer eine Distanz. Nicht jeder Mitarbeiter ist so gestrickt wie die Gründer, sodass man auf keinen Fall zu viel unternehmerische Leistung mit «Rund-um-die-Uhr-Commitment» der Mitarbeiter verlangen sollte.

Die Gründung eines Startups selbst ist dann nochmal eine eigene Geschichte. Hier sollte unbedingt professionelle Hilfe hinzugezogen werden. An dieser Stelle kann aber nur auf Portale wie »Für-Gründer« (https://www.fuer-gruender.de) u. a. verwiesen werden.

Unternehmen

Branchen, die durch eine hohe Dynamik gekennzeichnet sind, stehen unter massivem Innovationsdruck und dürfen den Anschluss an technologische Entwicklungen nicht verlieren.Aus der Sicht der etablierten Unternehmen bieten Startups häufig die Technologien, die dringend für deren Innovationen und Portfolioerweiterungen benötigt werden. Außerdem können innovative Startups den etablierten Firmen insofern gefährlich werden, das sie oft von außerhalb des bestehenden Marktsegmentes herkommen und neue Dinge in einer Weise vorstellen, die der bestehende Markt so einfach nicht erwartet.

Die steigende Zahl internationaler Firmenzukäufe (Mergers & Acquisitions) widerspiegelt diese Art der Portfolioerweiterung deutlich. Bild 1 zeigt eine Übersicht der angezeigten Mergers & Acquisitions für den Bereich Biotechnologie und Pharma. Bild 2 zeigt die Entwicklung für den Bereich Healthcare Equipment (Ausrüstung für das Gesundheitswesen).

Die Zusammenarbeit innovativer Startups mit etablierten Unternehmen kann bei geschicktem Management beider Welten zu einer Win-Win-Situation für beide Seiten führen.

Beispiele von Startup-Innovationen

Den Beitrag möchte ich nicht schließen, ohne einige durch Maker getriebene Startup-Innovationen zu erwähnen. Außerdem bin ich gespannt auf Maker-Veranstaltungen wie zuletzt die »Make Munich«. Vielleicht ist auf solchen Veranstaltungen die eine oder andere Idee zu sehen, die eine zukünftige Innovation darstellen kann.

Bento Lab

Das »bento lab« ist ein Lab Device von Bento Bioworks zur DNA-Analyse, bestehend aus einem Thermocycler zur Prozessierung der Polymerase-Kettenreaktion (PCR), einer Zentrifuge und einer Gel-Elektrophorese-Einheit mit blauer LED-Beleuchtung. Es richtet sich an Hobbybiologen und Bildungseinrichtungen, aber auch Forscher mit wenig Budget, die nur eingeschränkt professionell ausgestattete Labore nutzen können. Bild 3 zeigt das kompakte Lab Device im Laboreinsatz. Über eine Kickstarter-Kampagne soll die Serienproduktion finanziert werden.

BioPrinter

Als weltweit ersten Hackerspace für Biotechnologie bezeichnet sich BioCurious (http://biocurious.org), im Herzen des Silicon Valley gelegen. BioCurious ist eine Gemeinschaft von Wissenschaftlern, Technikern, Unternehmern und Amateuren, die glauben, Innovationen in der Biologie sollten für alle zugänglich, erschwinglich und offen sein.

Mit dem BioPrinter von BioCurious kann biologisches Material »gedruckt« werden. Was bei BioCurious noch etwas handwerklich aussieht, wird aber auch an anderen Stellen mit Hochdruck bearbeitet. Firmen wie Organovo arbeiten daran, dass künstliche Humangewebe eines Tages die Grundlage für die Behandlung von Patienten mit beschädigtem oder erkranktem Gewebe sein werden.

Die künstliche Erzeugung von Gewebe des Menschen liegt als Forschungszweig im Trend. Die Erfolgsgeschichte eines geförderten, interdisziplinären Projekts in der Schweiz ist zum Nachlesen empfohlen [4].

STED-Mikroskop

Eine weiteres Projekt von BioCurious ist die Entwicklung eines Fluoreszenz-Mikroskops, auch als »Stimulated Emission Deple-tion (STED) Mikroskop« bekannt.
Das STED-Mikroskop weist eine sehr hohe Vergrößerung bei niedriger Beleuchtungsintensität auf und ist nicht auf fixierte Proben angewiesen. Eigenschaften und Funktion des STED-Mikroskops sind in Wikipedia [5] sehr gut beschrieben, weshalb an dieser Stelle auf Details verzichtet wird.

Das Projektziel ist die Veröffentlichung einer Anleitung zum Bau eines STED-Mikroskops (DIY Guide). Bevor dieses Ziel erreicht werden kann sind die folgenden Teilaufgaben zu lösen:

  • Konzeption und Aufbau der Lichtquelle
  • Auswahl eines käuflichen Objektivs
  • Entwurf und Aufbau des Steuerungssystems
  • Entwurf und Aufbau des Objekttisches
  • Entwurf und Aufbau des Fokussierungssystems

Im Projekt-Wiki [6] von BioCurious kann der Fortschritt des im März 2015 begonnenen Projektes verfolgt werden.

Wio Link

Den Abschluss bei den hier gelisteten Innovationen soll das Projekt »Wio Link« des chinesischen Modulhersteller Seeed bilden, dessen Finanzierung gegenwärtig über Kickstarter begonnen wurde. Kern des Wio-Link-Moduls ist das verbreitete ESP8266-SoC mit einem WLAN-Interface. Das Board ist mit sechs Steckern zum Anschluss von Grove-Modulen von Seeed ausgerüstet und kann somit ziemlich einfach als IoT-Knoten konfiguriert werden.

Der Zugriff auf das Modul kann über eine REST-API von einem beliebigen Browser aus erfolgen. Den Internetzugriff gewährt ein Open-Source-Server von Seeed über die URL http://iot.seeed.cc oder man installiert diesen in seinem eigenen Netzwerk z. B. auf einem Raspberry Pi. Außerdem gibt es eine App für Android und iOS, über die das System grafisch konfiguriert werden kann.

Wer im März 2016 bei den Early Birds mit dabei war und außerdem die Kampagne unterstützen möchte, konnte seinen Beitrag bei Kickstarter leisten. Die 1255 Unterstützer haben dafür gesorgt, dass das ursprüngliche Finanzierungsziel von 20.000 Dollar weit übertroffen wurde. Das sind gute Vorzeichen für die Umsetzung dieses IoT-Projekts.

Schlussbemerkung

Die technologischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte bilden die Grundlage für die Umsetzung innovativer Ideen, die von Makern mit Enthusiasmus vorangetrieben werden.

Die Open-Source-Philosophie ist ein wesentlicher Katalysator für diese Entwicklung, da eine breite Tool-Landschaft allen Makern zur Verfügung steht.

Eine breit angelegte Unterstützung und Förderung der Gründung von Startups sowie der Finanzierung von Projekten durch Crowd¬funding begleiten diese Entwicklung gleichermaßen. Im Internet of Things kommen alle diese genannten Beiträge zusammen und die globale Vernetzung bietet Raum für weitere Innovationen, die in einem weiteren Beitrag näher betrachtet werden sollen.

Über den Autor: 

Dr. Claus Kühnel ist verantwortlich bei Lab Devices für die Entwicklung von Embedddd-Systemen. Autor diverser Bücher und Entwicklungen mit Mikrocontrollern. www.ckuehnel.ch