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Vom Hobby-Keller in die Industrie

Der Raspberry Pi im Schaltschrank

21. Januar 2021, 09:00 Uhr   |  Tobias Schlichtmeier


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

»Wir wollen uns bei Studierenden einen Namen machen«

Sind Ihnen mit der Entscheidung für den Raspberry Pi Nachteile entstanden?

Nachteile direkt nicht. Wir haben unsere Komplexität erhöht, weil wir uns mit einem zusätzlichen Prozessor und dem Raspbian-Betriebssystem beschäftigen müssen. Zu Beginn der Entwicklung war das ein gewisser Aufwand, der im Laufe der Zeit aber über die vielfältigen Möglichkeiten der Community mehr als kompensiert wurde. Dass wir an der Stelle nicht unsere etablierten Standardprozessoren verwenden konnten, war dann letztendlich leicht zu verschmerzen, weil wir im Gegenzug ein neues Segment erschließen konnten.

Wie sehen Sie Ihre Chancen, sich mit der PiXtend-Serie gegen namhafte SPS-Hersteller durchzusetzen?

Wir sehen gute Chancen am Markt, da wir keine eigene SPS erfunden haben, sondern mit Codesys eine starke Plattform als Partner haben, mit der unser Produkt in allen Bereichen zum Einsatz kommen kann. Anfangs ist Codesys sogar lizenzfrei. So kann der Anwender die Software erst einmal testen. Gefällt ihm was er sieht, kann er eine Profilizenz erwerben, entweder bei uns oder direkt bei Codesys.

PiXtend
© Kontron Electronics

Die Steuerungsbaugruppen PiXtend basieren auf dem leistungsfähigen Einplatinencomputer Raspberry Pi 3B+ und werden mit I/O-Erweiterungssystemen ergänzt.

Heißt das, der Weg zur Hardware führt über die Software?

Codesys läuft ebenso auf anderen Produkten. Unser Hauptargument ist ein anderes: Der Kunde entscheidet sich bewusst für oder gegen einen Raspberry. Erst dann stellt sich die Frage, mit welcher Software er programmieren möchte. Der große Nutzen ergibt sich deshalb nicht nur über Codesys, sondern vor allem über die vielfältige Software, die der Anwender über die Pi-Community beziehen kann.

Warum sollte ein Kunde dann konkret auf Ihr Produkt als SPS setzen?

Ist der Kunde ein Raspberry-Freund, kommt er zwangsläufig zu uns, denn es gibt nicht viele speicherprogrammierbare Steuerungen auf Pi-Basis. Sind für den Kunden dagegen lediglich seine sonstigen Anforderungen wichtig, bekommt er bei Kontron ein gutes Komplettpaket mit individuellem Service.

Wo vertreiben Sie Ihre Produkte?

 Wir vertreiben das Produkt im Einklang mit allen anderen Produkten von Kontron in nahezu allen Bereichen der Industrie. Ein neuer Vertriebsweg ist unser Webshop. Er wird gerade von jungen Menschen, Studentinnen und Studenten gerne angenommen. So wandern unsere Pi-Produkte in die Hochschulen und Universitäten. Wir wollen es schaffen, uns bei Schülerinnen und Schülern sowie Studierenden einen Namen zu machen. Sind sie erst bei einem Betrieb angestellt, erinnern sie sich an unsere Produkte und kaufen diese dann ein.

Vielen Dank für das Gespräch Herr Wußmann.

Kontron entdeckt den Raspberry Pi

Was sich mit dem Vorstoß von Kunbus bereits andeutete, hat Kontron nun fortgeführt. Der Embedded-Hersteller eröffnet dem Raspberry Pi mit den Produktlinien »Pi-Tron« und »PiXtend« zwei neue Tore in industrielle Anwendungen. Für die Pi-Tron-Linie wurde das Compute Module 3B+ der Raspberry Pi Foundation durch Kontron um ein Baseboard mit industrietypischen Schnittstellen und einer 24-V-Stromversorgung erweitert. Die PiXtend-Linie verwendet die klassische Bauform des Raspberry Pi.

Den Geschäftsbereich hat Kontron im August 2020 von Qube Solutions übernommen und die Produktlinie ins eigene Sortiment eingegliedert. Mit den Pi-Produkten will Kontron sowohl Industriekunden als auch Hochschulen und Universitäten ansprechen. PiXtend kann zum Beispiel als SPS im Schaltschrank und in Automatisierungs-anwendungen zum Einsatz kommen. Displays lassen sich bei beiden Produkten über HDMI anschließen.

 

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