Erfolgreich durch Spezialisierung

Manfred Schmitz und Udo Fuchs, die Gründer von men Mikro Elektronik Nürnberg sprechen anläßlich 25 Jahren MEN über die Börse, das Ende der Standards und den Standort Deutschland.

Die Geschäftsführer Udo Fuchs (Finanzen) und Manfred Schmitz (Technik) leiten die Geschicke von MEN. Sie sprachen über Gegenwart und Zukunft des Unternehmens, über Wachstum und Börse sowie über den Standort Deutschland mit Elektronik-Redakteur Joachim Kroll.

ELEKTRONIK: Im Markt für Industrie- und Single-Board-Computer gab es in den letzten Jahren eine starke Konzentration, siehe das Zusammengehen von Motorola und Force oder die Zukäufe von Kontron. Gerät MEN da nicht zwischen die Mühlen des globalen Wettbewerbs?

Fuchs: Wir haben uns auf Nischenmärkte spezialisiert, auf Boards für harte Umgebungsbedingungen hinsichtlich Schock, Vibration, Temperatur, Feuchtigkeit usw. Da sehen wir bisher keine Veranlassung uns mit irgendjemandem zusammenzuschließen.

ELEKTRONIK: Wie sieht es umgekehrt aus? Könnte es sein, dass sich MEN zusätzliches Know-How einkauft?

Schmitz: Dazu besteht zurzeit kein Anlass. Die kleineren Hersteller, die in Deutschland noch existieren, bearbeiten vor allem den Standard-Industriebereich. Wie man in so einem breiten Markt überleben kann, weiß ich nicht. Wir verfolgen das Ziel der Spezialisierung.

ELEKTRONIK: Warum hat MEN nie einen Börsengang angestrebt? Expansion scheint nicht Ihr vordringliches Ziel zu sein.

Fuchs: Doch, wir expandieren permanent. Mit durchschnittlich 15 Prozent pro Jahr. Dieses Wachstum finanzieren wir aus der Firma heraus. Es geht ja nicht nur darum, finanziell zu expandieren, man muss auch die Organisation und das Personal mitführen. Da sind 15 Prozent schon sportlich genug. Deshalb sehen wir keine Notwendigkeit, zusätzliches Kapital zu beschaffen. Außerdem liegt uns sehr daran, selbständig zu bleiben. Wir haben einen Eigenkapitalanteil von ca. 60 Prozent. Der Rest wird von Banken finanziert. Wir sind also keinem Finanzinvestor Rechenschaft schuldig über das, was wir machen. Wir können völlig frei entscheiden.

ELEKTRONIK: Aber wie sieht die Zukunftsperspektive einer in Privatbesitz befindlichen Firma aus? Was passiert, wenn Sie, die Gründer, sich aus dem Arbeitsleben zurückziehen möchten?

Schmitz: Wir streben an, dass die Firma die Nachfolge aus sich selbst heraus regelt. Wir versuchen, die Organisation so zu entwickeln, dass wir hier guten Gewissens gehen können, ohne dass jemand etwas bemerkt.

ELEKTRONIK: Woher kommt es, dass MEN keine Boards für militärische Anwendungen herstellt? Ihre Produkte wären dafür ideal geeignet.

Schmitz: Der Militärbereich ist kein freier Markt und von daher schwierig berechenbar. In Bereichen wie ziviler Avionik, Medizintechnik, Industrie und Bahntechnik können wir das Risiko für unsere Nischenprodukte besser abschätzen. Im Militärbereich ist man auf die Entscheidungen von Regierungen angewiesen, die kaum vorhersagbar sind.

"Die Zeit der offenen Standards ist vorbei"

ELEKTRONIK: Bei der Einführung des CompactPCI-Standards waren sie ganz vorne mit dabei. Wie lange dauert es, bis sich so ein Standard durchsetzt und die entwickelten Produkte positiv zum Ergebnis beitragen?

Schmitz: CompactPCI war ja noch ein offener Busstandard, wo man viele Boards zusammenstecken kann. Für mich werden solche Standards immer unwichtiger. Für die Kunden sind eigentlich nur noch Standards wichtig, die die Kommunikation regeln, also z.B. Ethernet oder Software-Standards. Durch die hohe Integration hat ein System heute oft nur noch ein Board, deshalb glaube ich, dass die Zeit dieser offenen, mechanischen Standards vorbei ist.

ELEKTRONIK: Was hat Sie - erst im Jahr 2003 - bewogen, sich im Hochlohnland Deutschland eine eigene Fertigung aufzubauen?

Fuchs: Wir haben davor schon in Deutschland fertigen lassen. Allerdings konnte unser Auftragsfertiger nicht mehr das Maß an Flexibilität bieten, das wir brauchten. Deshalb war es für uns langfristig kostengünstiger, eine eigene Fertigung aufzubauen. Auch die "Traceability", die Rückverfolgbarkeit der Bauteile, die die Kunden von uns fordern, konnte der Auftragsfertiger nicht gewährleisten. Und wieso soll eine automatische Fertigung in Europa teurer sein als in Asien? Man muss die Produkte eben so entwickelt, dass sie sich möglichst automatisch fertigen lassen.

ELEKTRONIK: Haben Sie jemals darüber nachgedacht, Entwicklungsaufträge nach Osteuropa auszulagern?

Schmitz: Wir haben das schon ein paarmal ausprobiert. Der Erfolg war aber relativ bescheiden. Da muss ich jetzt mal den Standort Deutschland hochhalten - die Ingenieursleistungen in Deutschland sind einfach besser als im osteuropäischen Ausland. Die Ausbildung ist besser, das Wissen ist besser und damit die Effektivität. Da zählt nicht mehr so sehr der Stundenlohn, sondern das Endergebnis.

ELEKTRONIK: Wo lagen die Probleme?

Schmitz: Erstens brauchen Sie jemanden, der die Arbeit von hier aus koordiniert. Das ist aufwändig und kostet auch Geld. Zweitens muss die Qualität der externen Leistung den Anforderungen entsprechen, und zwar innerhalb einer bestimmten Zeit. Das dritte Problem ist die Wartung. Wenn man z.B. Software im Ausland eingekauft hat und nach zwei, drei Jahren eine Anpassung braucht, dann ist das Wissen weg und wir sind nicht in der Lage, unseren Kunden so zu helfen, wie wir das gerne tun würden