Schwerpunkte

Interview mit Segger Microcontroller

Sicherheit steht über allem

19. Mai 2021, 08:30 Uhr   |  Tobias Schlichtmeier


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Interview Teil 2: Debugging-Trends 2021

Bei Echtzeitbetriebssystemen hat der Kunde die Qual der Wahl zwischen Open-Source- und kommerziellen Produkten. Was spricht für letztere gerade im Kontext von Satefy & Security?

Akemann: Das Echtzeitbetriebssystem (RTOS) ist eine sehr wichtige Komponente in vielen sicherheitskritischen Anwendungen, daher darf man gerade beim RTOS überhaupt keine Kompromisse eingehen. Entwickler können unser »embOS-Safe« verwenden, um sicherheitskritischen Code zu isolieren und zu gewährleisten, dass er ohne Beeinträchtigung anderer Aufgaben arbeitet. Entwickelt wurde embOS-Safe speziell für den Sicherheitsbereich, einschließlich Industrie-, Medizin-, Automobil- und Hausgeräteanwendungen.

Der TÜV Süd hat embOS nach IEC 61508 SIL 3 und IEC 62304 Klasse C zertifiziert. IEC 61508 ist der Standard für funktionale Sicherheit und wird in einer Vielzahl von abgeleiteten Normen in verschiedenen Bereichen referenziert. Erwähnenswert ist hierbei, dass wir für das Zertifizieren ein unmodifiziertes embOS-MPU nehmen konnten und lediglich die Version eingefroren haben, damit das Zertifikat seine Gültigkeit behält. EmbOS-Zertifizierungen nach anderen Standards, einschließlich ISO 26262, können wir ebenso problemlos durchführen. Für Kunden ist keinerlei Aufwand für die RTOS-Zertifizierung erforderlich. EmbOS-Safe wird mit einem Zertifizierungs-Kit geliefert, das alle nötigen Dokumente enthält, einschließlich eines umfassenden Handbuchs.

Noch eine Frage zur aktuellen Situation: Wie ist Segger bisher durch die Corona-Krise gekommen?

Gruener: Bei uns ist von einer Krise nicht die Rede, im Gegenteil, uns ging es 2020 und ebenso derzeit eher wie der Chipindustrie, die sich vor Aufträgen kaum retten kann. Wir wissen, dass wir damit zu den privilegierten Unternehmen gehören und sind uns dessen sehr bewusst. Unsere größte Herausforderung besteht darin, unser Wachstum auch personell zu unterfüttern – der berühmte Fachkräftemangel macht ebenso vor uns nicht halt.

Hatten Sie Lieferschwierigkeiten?

Gruener: Nein, unsere Supply Chain ist zum Glück stabil. Wir haben den großen Vorteil, die vollständige Kontrolle über die Lieferkette und eine In-House-Fertigung zu haben – unsere Hardware-Produkte sind somit »Made in Germany«.

Gibt es einen Trend beim Debuggen, der sich im Jahr 2021 abzeichnet?

Gruener: Es gibt ständig Fortschritte bei den Debugging-Tools, lassen Sie mich exemplarisch einen darstellen: Code-Profiling ist eine Form der Messung der Ausführungszeit und der Ausführungsanzahl von Funktionen, Blöcken oder Anweisungen. Entwickler können es als Metrik für die Komplexität eines Systems verwenden und ihnen aufzeigen, wo Rechenzeit verbraucht wird. Das gibt einen guten Einblick in das laufende System und ist wichtig, wenn es darum geht, Code zu identifizieren, der häufig ausgeführt wird und möglicherweise eine hohe Last auf ein System ausübt. Code-Profiling-Informationen können hierbei helfen, ein System leichter zu optimieren, da sie genau zeigen, welche Blöcke die meiste Zeit benötigen und ein Optimieren wert sind.

Welche Voraussetzungen müssen Debugging-Tools mitbringen, um eine solch umfassende Analyse machen zu können?

Gruener: Das Zauberwort heißt hier »Streaming Trace«, wie wir es zum Beispiel mit unserem J-Trace realisiert haben. Bislang erfassen die meisten Trace-Probes Daten in einem begrenzten internen Speicher und senden die Daten lediglich dann an den Host, wenn das Zielsystem angehalten wird. Nur wenn Sie aber Trace-Daten kontinuierlich in Echtzeit senden, während das Zielsystem läuft, bekommen Sie eine endlose Aufzeichnung des Trace-Streams und eine vollständige Analyse des Systemverhaltens vom Systemstart an.

Trace-Daten sind essenziell für die Fehlersuche in jedem Multitasking- und Interrupt-gesteuerten System, insbesondere um Licht in schwer zu findende Code-Probleme, Timing-Probleme und nicht offensichtliche Ineffizienzen zu bringen, wo konventionelles Breakpoint-Debugging nicht hilft. Das Streamen von Trace-Daten ermöglicht eine weitreichende und dennoch vollständige Analyse solcher Probleme und senkt damit Entwicklungsrisiken und -kosten.

Herr Gruener, Herr Akemann, vielen Dank für Ihre Zeit.

Seite 2 von 2

1. Sicherheit steht über allem
2. Interview Teil 2: Debugging-Trends 2021

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

SEGGER Microcontroller GmbH & Co. KG