Embedded Computing im Jahr 1 n.A.

Wenn man die Trends im Embedded-Computermarkt aufspüren will, dann gab es dafür zwei zentrale Ereignisse: die Embedded World und die Veröffentlichung des Atom-Prozessors von Intel im Jahr 2008, der den Markt beeinflusst hat wie schon lange kein Chip mehr. Wie sieht Embedded Computing im „Jahr 1 nach Atom“ aus?

Wenn man die Trends im Embedded-Computermarkt aufspüren will, dann gab es dafür zwei zentrale Ereignisse: die Embedded World und die Veröffentlichung des Atom-Prozessors von Intel im Jahr 2008, der den Markt beeinflusst hat wie schon lange kein Chip mehr. Wie sieht Embedded Computing im „Jahr 1 nach Atom“ aus?

Die Einführung des Atom-Prozessors durch Intel erfolgte zwar schon im Jahr 2008, doch die Nachwirkungen sind auch an den Produktentwicklungen des Jahres 2009 noch deutlich zu spüren. Gleichzeitig mit dem Atom-Prozessor erschienen auf dem sehr dynamischen Markt der Computermodule mehrere neue Formfaktoren, die auf den neuen Prozessor und seine Peripherie abgestimmt sind. Dazu zählen z.B. CoreExpress, nanoETXexpress und Qseven (Bild 1). Der neue Prozessor führte also zu einem breit gefächerten Angebot neuer Boards und Module, die in der Folge auch neue, kompakte Hutschienen-, Box- und Panel-PCs nach sich zogen (Bild 2). Im Jahr 2009 sind die Kunden damit beschäftigt, die neue Technik in ihre Anwendungen und Produkte zu integrieren. Dass es im „Jahr 1 nach Atom“ wieder etwas ruhiger am Markt wurde, ist wohl nicht nur der Wirtschaftskrise geschuldet, sondern auch diesem technischen Innovationszyklus.

Schwieriges Jahr für Board- und Systemlieferanten

Fraglich ist allerdings, ob eine große Flut an Produktneuheiten im Jahr 2009 einen größeren Absatz zur Folge gehabt hätte, denn einer der Hauptabnehmer von Embedded-Computing-Technologie, die Automatisierungs- und Maschinenbauindustrie, ist von der Krise schwer betroffen. Ende 2008 prognostizierte der VDMA für 2009 noch einen Rückgang von voraussichtlich 3 %. Doch es kam weitaus schlimmer: Angesichts der Halbjahreszahlen rechnen die Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen mit einem Rückgang von 35 bis 45 %, der VDMA-Fachverband Robotik und Automation sprach im Mai 2009 von voraussichtlich 20 % Minus, beim Fachverband Landtechnik sind es minus 25 %.

Die Zahlen bei den industriellen Computerherstellern, die aufgrund ihrer Gesellschaftsform Ergebnisse veröffentlichen müssen, sehen nicht ganz so dramatisch aus, bewegen sich aber ebenfalls im roten Bereich: Bei Kontron ist der Umsatz in den ersten drei Quartalen 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 356 auf 333 Mio. Euro zurückgegangen, also minus 6,4 %. Der amerikanische Hersteller Emerson berichtet von 13 % Umsatzschwund im Geschäftsjahr 2009. Bei Emerson stellt das Embedded Computing allerdings nur einen kleinen Teilbereich dar.

Emerson dürfte hauptsächlich von der Investitionszurückhaltung der IT-Industrie getroffen sein, denn die wichtigsten Standbeine der Firma sind Klimaanlagen und unterbrechungsfreie Stromversorgungen für Rechenzentren. Aber auch das Industriecomputergeschäft scheint nicht besonders gut dazustehen, sonst hätte Emerson auf der Embedded World keinen Strategiewechsel angekündigt. Statt mehr oder weniger ausschließlich auf Telecom und IT wollen die Amerikaner mehr auf Industrie, Verkehr und Militär setzen.