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M&T-Forum „Embedded Systeme“ Runde 1

Druckverschiebungen

07. Mai 2018, 15:46 Uhr   |  Manne Kreuzer


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Was die Kunden machen können

Wie können die Kunden auf diese Entwicklungen reagieren? »Mit einer möglichst genau laufenden Abstimmung zwischen Lieferant und Kunde«, empfiehlt Daniel Piper, Head of Marketing von Garz&Fricke, »damit man vielleicht auch mal eine kleinere Menge liefern kann, außerhalb des Plans.«
»Wenn man wartet, bis das Lager leer ist, dann kommt heute die große Ernüchterung«, warnt Eder. »Die Planung nur über vier Wochen reicht nicht; bei einem halben Jahr oder länger ist das Risiko deutlich geringer. In den letzten Jahren ist ja alles gut gelaufen und da wurde dann die Planung zurück geschraubt und nur wenige verbindliche Zusagen gemacht. Man muss wieder auf eine langfristige Planung gehen.« Was viele Einkäufer auch gerne machen würden – wenn sie dürften. »Die Finanzabteilungen haben in den letzten Jahren zunehmend Einfluss in den Firmen gewonnen und bestimmen, wie das Lagerverhalten ist«, erläutert Wolfgang Eisenbarth, Managing Director von Portwell. »Hinzu kommt: Warum soll sich ein Einkäufer aus dem Fenster lehnen, wenn sein Verkäufer von seinem Kunden auch keinen Forecast geliefert bekommt. Das ist eine Kettenreaktion – je weiter hinten man ist, umso schlimmer wird das Ganze.«
Je nach Marktsegment wird es allerdings für alle Beteiligten schwer, Forecasts abzugeben. »Mit IoT entstehen viele neue Produkte und Ideen, wo die Kunden den Forecast nicht machen können, weil sie nicht wissen, wie es im Markt ankommt«, erklärt Maier. »Das entschuldigt aber nicht, dass es keinen Forecast gibt.« »Die Kunden kennen ihren Markt besser, als es der Lieferant kennen kann – ihre Einschätzung ist besser als das, was wir raten können«, ergänzt Eder.
In der aktuellen Liefersituation hat die Embedded-Computing-Branche einen kleinen Silberstreif am Horizont ausgemacht, der allerdings aus einer anderen Richtung kommt und etwas gemischte Gefühle auslöst: Die verzögerten Generationswechsel bei Intel und ARM. Jens Plachetka, Manager Product Business Unit Board Platforms von MSC, beschreibt die Ambivalenz der Situation: »Zum einen lebt unser Bereich von Innovation und Wettbewerb sowie spannenden neuen Technologien. Zum anderen ist das auch immer ein Thema mit den Entwicklungsressourcen. Wir bei MSC haben 120 Entwickler und die haben bestimmt keine Langeweile. Auf der einen Seite sind wir froh, wenn sich das entschleunigt, auf der anderen Seite ist es nicht so schön, wenn sich die Innovationen und neue Applikationen verzögern.«
Je nach Applikation gewinnen so aber auch andere Anbieter an Chancen. »Wenn man viel Grafik-Performance braucht, dann gibt es momentan nichts Besseres als AMDs Ryzen – darauf haben viele Kunden gewartet«, berichtet Norbert Hauser, Vice President Marketing von Kontron S&T. »Allgemein geht der Trend in Richtung SoC, in dem immer mehr integriert ist und damit die Kosten, Platzbedarf und Stromverbrauch sich reduzieren. Im Fog-Bereich gibt es genug Prozessoren, im Server-Bereich sieht es auch gut aus, aber wo es mehr braucht, ist im Edge-Bereich – mehr Intelligenz vor Ort – und das wird im Wesentlichen über SoCs erreicht werden.«
Eine der größten Erleichterungen für die Embedded-Branche seit Jahren erbrachte allerdings Intel. »Die wichtigste Entscheidung war, die Verfügbarkeit für die ganzen Intel-Embedded-Prozessoren von 7 auf 15 Jahre zu verlängern«, betont Margraf. »Der Druck, ständig updaten zu müssen, hat sich reduziert.« Dies bestätigt auch Blersch: »Es gibt wesentlich weniger Druck, immer das Neuste zu haben. Da wird schon mal geschaut, ob eine Vorgängervariante nicht günstiger ist als die aktuelle – solange die Verfügbarkeit im Zeithorizont des Kunden liegt. »Nehmen wir an, es gibt 15 Jahre Verfügbarkeit und es sind schon fünf Jahre vorbei, dann gibt es den Baustein noch zehn Jahre und der Kunde will ihn acht Jahre lang verwenden – warum nicht? Wenn der Preis oder das Produkt exakt passt, ist das durchaus ein Kriterium, es zu nehmen.«
Es sprechen noch weitere Gründe dafür, nicht immer automatisch auf die neueste Generation zu wechseln. »Die Frage ist, wie viel neue Probleme will man sich aufhalsen oder will ich eine ausgereifte Architektur durch eine Hardware, die schon mehrere Jahre im Markt ist?«, gibt Eisenbarth zu bedenken. »Ja, es gibt Applikationen, wo es immer das Schnellste und Beste sein muss – aber Performance gibt es für viele Applikationen schon genug. Funktionieren muss es und langfristig verfügbar sein.«
»Aber werden alle anderen Bauteile 15 Jahre lang verfügbar sein?«, gibt Eder zu bedenken. »Zum Beispiel das Thema Speicher – alte CPUs wie LX800 sind noch erhältlich, aber wie schaut es mit DDR1-Speicher aus?« – »Dem Kunden das zu versprechen wird für uns immer schwieriger«, räumt Eisenbarth ein. »Da gehört Know-how auf beiden Seiten dazu und man muss mit Themen wie Einlagerungen rechnen«, resümiert Maier. »Aber es braucht Forecasts. Wenn Projekte mal 10 oder 15 Jahre gelaufen sind, dann weiß man, wie es für die nächsten fünf oder sechs Jahre auch noch läuft. Da kommt der Kunde nicht überraschend vorbei und braucht 1000 Stück, ohne dass es vorher geplant war.«

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