Energie- und Materialeffizienz Welchen Nutzen hat Ecodesign?

Ressourceneffiziente Produkte, kurz Ecodesign, sind kein Luxus – sie sind eine Notwendigkeit. Ecodesign ist für viele Firmen die künftige Herausforderung, denn jeder weiß: Verschwendung stört, Verschwendung kostet und Verschwendung belastet unnötig die Umwelt.

Was hindert Firmen, Ecodesign umzusetzen? Zum einen können Firmen vielfach keine Angaben machen, wie das Thema Ressourceneffizienz im Rahmen neuer Produkte und Prozesse angegangen werden soll. Zum anderen befürchten die Firmen mangelnde Wirtschaftlichkeit, großen zeitlichen Aufwand sowie Informationsdefizite. Dass dem nicht so sein muss, zeigt eine aktuelle Broschüre vom Schweizer Hochschulnetzwerk „Sustainable Engineering Network Switzerland“ [1] mit insgesamt sechs Beispielen aus der Maschinen-, Elektro- und Elektronikindustrie.

Mit weniger mehr erreichen – ist nicht so einfach!

Eine kürzlich vom Fraunhofer-Institut durchgeführte Studie [2] im produzierenden Gewerbe zeigt die zunehmende Bedeutung der Ressourceneffizienz und somit auch von Ecodesign. Energieeffizienz (87 %) und Materialeffizienz (77 %) sind mit Abstand die derzeit interessantesten Themen für Industrieunternehmen. Hier sehen die Firmen Unterstützung bei den Unternehmenszielen durch Kostensenkung (87 %) und Wettbewerbsvorteile (77 %) sowie Image und Werbemöglichkeiten (53 %) wie auch Technologievorsprung/Öko-Innovation (49 %).

Eine Studie in der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Elektronikindustrie [3] zeigt, dass ein Ecodesign-Verbesserungspotenzial im Bereich Energieeffizienz von 25 bis 35 % für die nächsten zehn Jahre besteht. Dazu sind aber auch radikalere Verbesserungen, wie „Re-Think“ (andere Funktionsprinzipien, neue Prozessketten in der Herstellung, …) notwendig (Bild 1). Um dieses Potenzial auszuschöpfen, sind weiterführende Optimierungen notwendig.

Einzelne technische Verbesserungen, z.B. die Verwendung von effizienteren Komponenten und Baugruppen, genügen nicht, auch wenn diese relativ einfach durch neue Gesetze verordnet werden könnten – notwendig sind umfassendere Systemoptimierungen im Sinne von „Re-Think“ oder sogar „Business-Innovationen“. Da sprechen wir von „over compliance“. Und dieser Teil, zumindest im Bereich Maschinenbau, ist aufgrund unserer Erfahrungen rund vier Mal größer als das durch Gesetze und Verordnungen direkt angesprochene Verbesserungspotenzial.

Warum ist dem so? Gesetze und Normen sind regelbasiert; typischerweise werden damit im industriellen Kontext einzelne Komponenten und Baugruppen angesprochen. Ein Beispiel dazu sind effizientere Antriebssysteme. Diese sind aber nur Teil des ganzen Produkts. Wesentlich ist, zu erkennen, dass diese Produkte unterschiedlich intensiv betrieben und genutzt werden können. So werden selbst Standardmaschinen durch die spezifische Anwendung und die Integration in eine Halle, beispielsweise bei Betrieb in einem klimatisierten Raum, zur Erzielung hoher Präzision zu Sondermaschinen.

Eine umfassende Systembetrachtung und Systemoptimierung wird jetzt notwendig. Beim Beispiel Produktionsmaschine ist gleichzeitig die Maschine, die Art der Anwendung wie auch die Halleninte­gration (Abgleich mit der Haustechnik) zu optimieren. Mit dieser umfassenderen Systembetrachtung erweitert sich auch der Lösungsraum und damit auch das Optimierungspotenzial. Die Ausgangslage für Verbesserungen wird attraktiver – die Planungssituation wird aber deutlich anspruchsvoller. Deshalb ist zusätzliches Wissen notwendig. Erleichternd ist, dass erfolgreiche Unternehmen bereits über hohe eigene technische und organisatorische Kompetenzen verfügen; sie sind es gewohnt, neue Herausforderungen mit einem strukturierten Vorgehen anzugehen.