2027: 73,4 Milliarden Dollar Umsatz Marken setzen auf gedruckte Elektronik

Biosensor und Display in einem: Gedruckte Elektronik in Form von Sensoren nimmt Vitaldaten des Patienten auf und visualisiert sie gut in Form eines flexiblen Displays direkt am Patienten. Der Einsatz ist denkbar in der Notfallversorgung ebenso wie für den Aufenthalt im Krankenhaus oder die Pflege und Überwachung des Patienten in der Nachversorgung zu Hause
Biosensor und Display in einem: Gedruckte Elektronik in Form von Sensoren nimmt Vitaldaten des Patienten auf und visualisiert sie gut in Form eines flexiblen Displays direkt am Patienten. Der Einsatz ist denkbar in der Notfallversorgung ebenso wie für den Aufenthalt im Krankenhaus oder die Pflege und Überwachung des Patienten in der Nachversorgung zu Hause

Aktuell dominieren noch die Bereiche OLED-Displays und leitfähige Tinten das Geschäft der gedruckten Elektronik. Die Umsatztreiber der Zukunft werden aber High-Potential-Industrien wie Mobility und Automotive sowie Wellbeing und Healthcare sein.

Ihnen wird vor allem die Aufgabe zukommen, das aktuelle Umsatzvolumen der gedruckten Elektronik, das die OE-A (Organic Electronic Association) aufgrund mehrerer internationaler Marktstudien aktuell auf 34,8 Milliarden Dollar veranschlagt, bis 2027 auf 73 Milliarden Dollar etwa zu verdoppeln.

Auf der LOPEC 2018 in München zeigte sich Dr. Jeremy Burroughes, CTO der Cambridge Display Technology und Chairman des OE-A Boards, zuversichtlich, dass die Verdoppelung gelingen kann: »Der entscheidende Unterschied zu den Anfangstagen dieser Branche liegt darin, dass wir es heute nicht mehr nur mit einem Technologieschub zu tun haben, der aus den Labors kommt, sondern auf eine schnell steigende Marktbereitschaft treffen, diese Enabling-Technologie auf breiter Front in wichtigen Industriesektoren auch wirklich einzusetzen.«

Auf ihrem Weg in die verschiedenen Schlüsselanwendungsbranchen der organischen und gedruckten Elektronik (OPE), wie etwa Automotive, Unterhaltungselektronik, Gesundheitswesen, Internet der Dinge, Druck & Verpackung sowie smarte Gebäude, werden es nach Überzeugung von Dr. Burroughes und Wolfgang Mildner, General Chair LOPEC, »häufig hybride Systeme sein, welche das geringe Gewicht und die hohe Flexibilität der organischen und gedruckten Elektronik wirkungsvoll mit hochleistungsfähigen, siliziumbasierten Chiplösungen kombinieren«.

Wie die Zukunft aussehen könnte, zeigte etwa Ikea auf der LOPEC. Das schwedische Möbelhaus will mit Hilfe der gedruckten Elektronik Prozesse optimieren und zugleich einen Mehrwert für die Kunden schaffen. Geplant ist die Auszeichnung der Ikea-Produkte mit E-Labeln, etwa in Form hauchdünner, gedruckter Displays, die sich an bestimmten Punkten der Wertschöpfungskette programmieren lassen. Länderspezifische Informationen, nachträgliche Änderungen oder Aktualisierungen wären so einfach umzusetzen. Auch über den Einsatz von gedruckten RFID- und NFC-Tags denken die Verantwortlichen bei Ikea intensiv nach.

Fahrzeugdesigner schätzen vor allem die Gestaltungsfreiheit, die ihnen geschwungene Displays, OLEDs und andere Formen gedruckter Elektronikbauteile bieten. Dünner und leichter als herkömmliche Bauteile, spart gedruckte Elektronik Platz und trägt zur Gewichts- und Treibstoffverbrauchsreduzierung bei. OLED-Rückleuchten halten inzwischen in Serienlimousinen Einzug, wie ein ausgestellter Audi A8L auf der LOPEC zeigte. Seine Rückleuchten ermöglichen u.a. auch Animationen und sogar 3D-Effekte. Einen zusätzlichen Schub dürfte das Thema OLED im Auto ab 2021 bekommen, wenn, wie die aktuelle siebte OE-A-Roadmap prognostiziert, gebogene OLED-Displays im Auto Einzug halten.

Welche Möglichkeiten gedruckte Sensoren in der Medizinelektronik der Zukunft spielen werden, erläuterte Teemu Alajoki, Wissenschaftler am Technischen Forschungszentrum Finnland, VTT: »Mit gedruckten Sensoren lassen sich die verschiedensten Parameter überwachen; das Spek­trum reicht vom Monitoring der Körpertemperatur und der Atemfrequenz bis zum Einsatz in der Elektrokardiografie, der Elektroenzephalografie oder der Pulsoximetrie.« Flexibilität ist bei diesen Anwendungen ein entscheidendes Kriterium für den Tragekomfort, aber auch die geringen Herstellungskosten der gedruckten Elektronik spielen eine entscheidende Rolle.

Wie stark das Interesse an ­organischer und gedruckter Elektronik in den letzten Jahren gewachsen ist, lässt sich an der Entwicklung der LOPEC ablesen. Sie feierte in diesem Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum. Gestartet 2009 auf einer Ausstellungsfläche von 600 m2 mit 50 Ausstellern und 600 Besuchern, liegt die Fläche heute bei 1620 m2. Die Zahl der Aussteller betrug nun 154 und die Zahl der Besucher lag bei rund 2500. Die nächste LOPEC: vom 19. bis 21. März 2019.